Nächster Milliardendeal in der Versicherungsbranche

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In der Versicherungsbranche kommt es zum nächsten Deal. Völlig überraschend ist das Ziel JLT, das eigentlich kein Übernahme-Kandidat ist. Doch ein hoher Preis macht die Übernahme möglich. (Foto: NicoEINino / shutterstock.com)

Die Konsolidierungswelle in der Versicherungsbranche rollt mit hohem Tempo weiter. Heute Morgen kündigte der US-Versicherungsmakler Marsh & McLennan (MMC) die Übernahme des britischen Rivalen Jardine Lloyd Thompson (JLT) an.

MMC einigte sich mit JLT auf einen Deal im Volumen von 6,4 Mrd. US-Dollar. Da die Großaktionäre 40,5% der Stimmrechte halten und die Abgabe ihrer Anteile bereits vertraglich zusicherten, ist die Übernahme so gut wie sicher.

33,7% Übernahme-Prämie für JLT-Aktionäre

Es ist aber auch unter den kleineren Aktionären mit einer hohen Akzeptanz der Übernahme-Offerte zu rechnen. MMC bietet 19,15 britische Pfund (GBP) je Aktie und damit einen Aufschlag von 33,7% auf den gestrigen Schlusskurs.

Heute Morgen schoss die Aktie des Übernahme-Kandidaten im Londoner Handel um 31,2% auf 18,80 GBP in die Höhe und notierte damit nur knapp unter dem Angebotspreis. Dies zeigt Ihnen, dass der Markt einen reibungslosen Deal erwartet.

Hoher Preis sorgt für schnellen Verhandlungsdurchbruch

Die Übernahme kommt für viele Investoren und Analysten überraschend und war vermutlich auch nur aufgrund des großzügigen Angebots möglich. Es heißt, dass die Verhandlungen nur wenige Tage dauerten. In der Historie des 1997 aus einer Fusion entstandenen Versicherers kostete die Aktie nie so viel wie MMC jetzt anbietet.

JLT ist auch nicht als Übernahme-Kandidat bekannt. Großaktionär Jardine Matheson hatte frühere Interessenten stets abgewiesen. 2011 stockte die Investmentgruppe ihren Anteil um 10% auf und beendete damit Spekulationen, dass sich Aon und MMC ein Bietergefecht um JLT liefern könnten.

Die Aufstockung hat sich gelohnt: 7,65 GBP zahlte Jardine Matheson je JLT-Aktie, fast genau 7 Jahre später werden die Papiere mit 150% Gewinn an MMC weitergereicht.

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MMC verspricht hohe Synergien und Wachstum in den Schwellenländern – doch Aktionäre stört der hohe Preis

Analysten sind erstaunt, dass MMC für den Übernahme-Kandidaten so tief in die Tasche greift. Auch Investoren reagierten verschnupft, denn bis sich der Deal rentiert, wird es noch eine Weile Dauer. So verliert die Aktie des Bieters heute dann auch in einem freundlichen Marktumfeld mehr als 3%.

Mit der Übernahme will MMC seine Position in Latein Amerika und Asien stärken und dringt zugleich tiefer in das Geschäft mit Spezialversicherungen ein. Zusammen mit JLT will MMC dann ein um 3 Mrd. Dollar größeres Umsatzvolumen von 17 Mrd. Dollar erreichen.

Die Kosten-Synergien beziffert der Käufer auf 250 Mio. Dollar ab 2021, zur Erreichung des Ziels werden einmalige Integrationskosten in Höhe von 375 Mio. Dollar benötigt. Ein Großteil der Summe wird dabei für die Reduzierung des Personalbestands verwendet.

Covea/Scor könnte nächster Milliardendeal sein

Die Konsolidierungswelle in der Versicherungsbranche wird nach dieser Übernahme weiterrollen. In den vergangenen 12 Monaten wurden bereits Deals im Volumen von über 110 Mrd. Dollar abgeschlossen.

Allein in diesem Jahr wurden mit den Milliardentransaktionen Chaucer, Aspen, Navigators, XL Group und Validus Übernahmen im Volumen von 32,2 Mrd. Dollar verkündet.

So üppig wie bei diesem Deal werden die Prämien bei den kommenden Übernahmen zwar vermutlich nicht ausfallen, doch ein genauer Blick auf die Branchenspieler kann sich lohnen. Wie der Übernahme-Sensor bereits in der gestrigen Ausgabe schrieb, wäre es wenig verwunderlich, wenn der nächste Milliardendeal zwischen Covea und Scor ausgehandelt wird.

Es bleibt spannend in der Branche.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.