Biotech-Branche mit nächstem Übernahme-Hammer: Roche zahlt 74% Prämie

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Roche zahlt 74% Übernahme-Prämie für Ignyta. Der Aufschlag erscheint sehr hoch, doch das bedeutet nicht, dass die Offerte überteuert ist. (Foto: Jonathan Weiss / Shutterstock.com)

Vor knapp 1 Jahr schrieben wir Ihnen von der Übernahme der Biotech-Frima Ariad, bei welcher der Bieter Takeda mit einer 75%-Prämie auf den Aktienkurs von sich reden machte.

Heute folgt ein Übernahme-Hammer mit fast gleichhohem Aufschlag: Roche zahlt für den auf Onkologie spezialisierte Biotech-Konzern Ignyta eine 74%-Prämie auf den Schlusskurs von gestern.

Doch damit nicht genug: Wer zu Beginn des Jahres auf einen Deal setzte, liegt dank der Übernahme aktuell mit 370% im Gewinn.

Tobira-Übernahme beschert Investoren über Nacht fast 500% Gewinn

Hohe Übernahme-Gewinne im Biotech-Sektor sind keine Seltenheit:

Als im Sommer Gilead Sciences den ebenfalls auf Onkologie spezialisierten Übernahme-Kandidaten Kite Pharma schluckte, hatten die Investoren ihr Geld ebenfalls in weniger als 1 Jahr mehr als verdreifacht.

Werden noch etwas längere Zeiträume betrachtet, waren sogar Gewinne von 1.000% oder mehr möglich.

Dabei schoss die Tobira-Übernahme durch Allergan im Sommer 2016 mit einer Rekord-Prämie von knapp 500% den Vogel ab.

Höhe der Übernahme-Prämie wird von vielen Faktoren beeinflusst…

Übernahmen in der Biotech-Branche zeigen, dass der Wert eines Unternehmens an der Börse und der für einen Käufer sehr weit auseinander gehen können.

Dies liegt auch daran, dass es für normale Investoren so gut wie unmöglich ist, den fairen Wert einer Forschungs-Pipeline zu beziffern.

Ein weiterer Faktor ist die Branchen-Stimmung (sentiment), die im Biotech-Sektor deutlich höher ist als in anderen Sektoren.

Ist das sentiment schlecht, dann fällt im Falle eines Deals die Prämie automatisch höher aus.

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Roche greift zu: Nächster Biotech-Übernahmekandidat verschwindet vom KurszettelRoche schnappt sich Kooperationspartner Foundation Medicine. Wer vor einem Jahr zugriff freut sich über 200% Gewinn. › mehr lesen

…und sagt nichts darüber aus, ob ein Deal fair ist oder nicht

Die Ignyta-Übernahme zeigt allerdings auch noch etwas anderes: Die absolute Höhe einer Übernahme-Prämie sagt nichts darüber aus, wie ein Deal zu bewerten ist.

In ersten Analysen wird die Ignyta-Übernahme nämlich trotz des 74%-Aufschlags als strategisch nachvollziehbar und nicht überteuert gewertet.

Bei vielen anderen Übernahmen ist das Gleiche zu beobachten.

Und nicht selten schlägt ein Übernahme-Kandidat ein Angebot mit hohem 2-stelligen Aufschlag auf den Aktienkurs aus, weil es zu niedrig sei.

Ob ein Angebot fair ist, lässt sich am ehesten daran ablesen, wieviel bei vergleichbaren Transaktionen gezahlt wurde und wie hoch das Übernahme-Multiple auf den operativen Gewinn ist (im Biotech-Bereich: Umsatz-Potenzial der Pipeline) – und nicht an der Höhe der Prämie.

2018 wird ein gigantisches Übernahme-Jahr im Biotech-Sektor

Im Biotech-Sektor war die seit Jahren andauernde Übernahme-Welle zuletzt ein wenig abgeebbt.

Denn die großen US-amerikanischen Pharma-Konzerne wollten erst einmal abwarten, ob die von Präsident Donald Trump in Aussicht gestellte Repatriations-Steuer zur kostengünstigen Rückholung von Auslands-Vermögen auch wirklich kommt.

Inzwischen herrscht Gewissheit.

Und mit 11 Biotech- und Pharma-Konzernen unter den Top-30-S&P-Firmen mit dem meisten Auslands-Vermögen ist ein starkes Übernahme-Jahr 2018 im Biotech-Sektor äußerst wahrscheinlich.

Angesichts der hohen Prämien und der zuletzt deutlich korrigierten Kurse vieler Biotech-Firmen lohnt sich für Sie ein genauerer Blick!


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.