Naga Group: Hier haben sich einige verzockt

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Dem Hamburger Fin-Tech Unternehmen Naga Group gelang ein Traumdebüt an der Börse. Aus diesem Traum wurde ein Albtraum. (Foto: gopixa)

Das Hamburger Fin-Tech-Unternehmen Naga Group, das im vergangenen Jahr auch vom Hype um Kryptowährungen wie Bitcoin profitierte, bereitete seinen Aktionären zwischenzeitlich viel Freude. In den vergangenen Monaten haben sich allerdings viele Naga-Aktionäre – Stand heute – böse verzockt.

Bevor ich gleich auf die Entwicklung der Naga-Aktie und die jüngsten Entwicklungen im Unternehmen eingehe, stelle ich Ihnen die Naga Group kurz vor.

Das Geschäftsmodell der Naga Group

Naga wurde im Jahr 2015 von Yasin Sebastian Qureshi, Benjamin Bilski und Christoph Brück gegründet und im vergangenen Jahr an die Börse gebracht. Zum Ziel gesetzt hat sich das Unternehmen nach eigenen Angaben „die Entwicklung, Vermarktung und das Wachstum disruptiver Anwendungen für Finanztechnologie voranzutreiben und damit aktiv am Wandel und an der Öffnung des bestehenden Finanzsystems mitzuwirken“.

Das Unternehmen erlangte nach eigenen Angaben einige Monate nach dem Börsendebüt in Frankfurt die zweitgrößte ICO-Investorenbasis mit mehr als 63.000 Investoren beim Naga Token-Sale. Dabei wurden gut 50 Mio. US-Dollar eingesammelt.

Zur Erläuterung: ICO bedeutet Initial Coin Offering. Konkret hat Naga eine eigene Digitalwährung auf den Markt gebracht und damit von mehr als 63.000 Investoren über 50 Mio. US-Dollar eingesammelt. Falls Sie sich an dieser Stelle noch fragen sollten, was genau das Geschäftsmodell von Naga ist: grob vereinfacht gesagt eine Kombination aus Online-Trading und Kryptowährungen.

Die Entwicklung der Naga-Aktie

Im Sommer des vergangenen Jahres wurde Naga an die Börse gebracht. Der Erstausgabepreis lag bei 2,60 Euro je Aktie. Kurz darauf war die Aktie bereits auf rund 15 Euro geklettert. Ein Wahnsinn! Die Aktie hatte innerhalb kürzester Zeit um sage und schreibe 477% (!) zugelegt. Der Traum eines jeden Anlegers, einmal in seinem Leben bei so etwas dabei zu sein.

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Doch aus dem Traum der Anleger wurde in den vergangenen Wochen und Monaten ein Albtraum. Nach dem kometenhaften Aufstieg folgte ein tiefer Fall der Aktie. Zwischenzeitlich konnte die Aktie aber wieder deutlich zulegen. Das lag an dem eben schon angesprochenen ICO, bei dem mehr als 50 Mio. US-Dollar eingesammelt wurden.

Ernüchterung folgte jedoch als laut einem Beitrag auf dem Portal Finanz-Szene immer mehr klar wurde, dass das Geld wohl nicht der Naga Group zugeflossen ist, sondern einem Unternehmen in Belize, das zwar Naga im Namen trägt, sich jedoch nicht im Eigentum der in Hamburg ansässigen Naga Group befindet.

Aktuell notiert die Naga-Aktie bei rund 2 Euro. Wer also bei Kursen von über 10 Euro, oder gar bei Höchstkursen von rund 15 Euro, eingestiegen ist, hat in den zurückliegenden Monaten sehr viel Geld verloren.

Bleibt abschließend noch die Frage, wie es weitergeht: Statt von operativen Fortschritten zu berichten oder die Verwendung des ICO-Erlöses aufzuklären, hat das Unternehmen vor wenigen Tagen eine Partnerschaft mit dem seit Jahren taumelnden deutschen Fußball-Traditionsverein Hamburger SV bekannt gegeben.

Naga-Aktionäre, die auf extrem hohen Buchverlusten sitzen, wird diese Nachricht wohl eher nicht erfreut haben. Denn im ersten Schritt bedeutet die Sponsoring-Partnerschaft nur Mittelabflüsse. Ich fürchte, dass für Naga-Aktionäre keine Besserung in Sicht ist und dass wir Kurse von über 10 Euro wohl nicht mehr sehen werden.


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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.