Naketano legt Rechtsstreit mit Ex-Investor bei

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Wenige Wochen vor dem selbstgewählten Aus des Modelabels einigen sich die Gründer mit ihrem ehemaligen Geldgeber. (Foto: katjen / Shutterstock.com)

Wenn man den Pulli sieht, erkennt man ihn sofort: Dicke Kordeln, Lederbesatz – die Kapuzenpullover von Naketano liegen seit einigen Jahren voll im Trend.

Und sie dürften bald noch mehr wert werden, denn wie das Modelabel Anfang 2018 verkündet hat, wird es seinen Betrieb zum Jahresende hin einstellen. Nur noch bis zum 31. Dezember werden Händler beliefert und nur noch bis dahin sind die Kleidungsstücke mit teils unappetitlichen, teils sexistischen Namen im Onlineshop verfügbar.

Gründer geben erfolgreiche Modefirma auf

Warum genau sich die Gründer zurückziehen und ihre Firma aufgeben wollen, ist nicht bekannt. Es gibt Gerüchte und Spekulationen, eines davon besagt, die beiden hätten schlichtweg keine Lust mehr. Sie hätten das Label eher als Hobby angesehen und seien vom eigenen Erfolg überrascht worden.

Der Erfolg unterdessen ist immens: Im Geschäftsjahr 2015 erzielte Naketano ein Ergebnis von gut 23 Millionen Euro, und der Hype um die Pullis ging danach noch spürbar weiter.

Erfolg und somit hohe Umsätze und Gewinne dürfte die Marke unterdessen auch 2013 schon erzielt haben. Damals stieg ein Hamburger Investor bei Naketano aus, er verkaufte seine Anteile für 1,3 Millionen Euro – zu wenig, wie er im Nachgang befand und die Gründer verklagte. Er sah sich von dem Unternehmen getäuscht, habe seinerzeit nicht ausreichend viele Informationen über den tatsächlichen Erfolg und die Geschäftszahlen gehabt.

Rechtsstreit mit Ex-Investor beigelegt

Das Verfahren hätte sich wohl noch ziemlich lange hinziehen können, im schlimmsten Fall mehrere Jahre über das angekündigte Firmen-Aus hinaus. Doch so weit wird es nicht kommen. Vor wenigen Tagen haben beide Seiten ihren Rechtsstreit beigelegt und sich auf einen Vergleich verständigt.

Der Anwalt des früheren Investors, der anonym bleiben wollte, zeigte sich zufrieden und betonte, mit der Nachzahlung in nicht genannter Höhe sei nun letztlich ein realistischerer Preis für die damals verkauften Anteile erzielt worden.

Die Gegenseite betonte hingegen, es sei vor allem darum gegangen, ein langwieriges Verfahren zu verhindern. Offenbar hatte man darauf genauso wenig Lust wie auf eine Weiterführung der Geschäfte – oder auch einen Verkauf des Labels.

Firma und Marke sollen einem Statement zufolge nicht veräußert werden. Damit stünde Naketano tatsächlich vor dem Aus. Fans der Pullis äußern sich unzufrieden bis verzweifelt und nutzen die letzten Monate, um sich noch einmal mit der heißbegehrten Ware einzudecken.

Finanzexperten schütteln unterdessen den Kopf über einen solchen Mangel an Geschäftssinn: Die Firma nicht zu verkaufen, sondern einzustampfen, bezeichnet manch einer gar als „dumm“. Vielleicht aber setzen die Gründer schlichtweg andere Prioritäten. Geld dürften sie mit ihrem „Hobby“ in den vergangenen Jahren einiges gemacht haben.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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