Nanogate: Oberflächenspezialist stutzt Prognose zusammen

Nanogate – RED Nanogate

Nanogate-Aktie: Oberflächenspezialist stutzt Gewinnziele zusammen und schickt Aktie auf Talfahrt. Auch die langfristigen Ziele werden momentan überprüft (Foto: Nanogate / nanogate.com)

Willkommen im Club titelte vor wenigen Tagen ein auf Nebenwerte spezialisiertes Börsenblatt und spielte damit auf die Gewinnwarnung des Nischenplayers Nanogate an. Vor dem Hintergrund der konjunkturellen Abschwächung hat nun auch das Management des Oberflächenspezialisten die Gewinnprognose kräftig zusammengestutzt.

Die Reaktion der Anleger fiel deutlich aus und ließ die Papiere in den letzten Tagen um mehr als 20% in den Keller stürzen. Damit hat sich die Aktie seit ihrem Jahreshoch im Mai mehr als halbiert und seit ihrem Allzeithoch im Herbst 2017 sogar mehr als 70% an Wert eingebüßt. Inzwischen ist der Börsenwert auf nur noch 85 Millionen Euro zusammengeschmolzen.

Nanogate – der Spezialist für Hightech-Oberflächen

Bevor ich auf die jüngste Gewinnwarnung eingehe, möchte ich Ihnen das Geschäftsmodell des Nanotechnik-Unternehmens näher vorstellen. Nanogate ist ein weltweit führender Spezialist für designorientierte Hightech-Oberflächen und -Komponenten in höchster optischer Qualität. Die Unternehmensgruppe beschäftigt rund 1.500 Mitarbeiter.

Nanogate entwickelt und produziert designorientierte Oberflächen und Komponenten und stattet diese mit zusätzlichen Eigenschaften (z.B. antihaftend, kratzfest, korrosionsschützend) aus. Der Konzern verfügt über erstklassige Referenzen (beispielsweise Airbus, Audi, August Brötje, BMW, BSH Hausgeräte, Daimler, FILA, Ford, Fresenius, GM, Jaguar, Junghans, Porsche, Volkswagen). Mehrere hundert Kunden-Projekte wurden bislang in der Serienproduktion erfolgreich umgesetzt. Die Nanogate Gruppe ist auf beiden Seiten des Atlantiks mit eigenen Produktionsstätten vertreten.

Starkes Umsatzwachstum und schwache Margen

Mit seiner Positionierung konnte die Gesellschaft in den zurückliegenden Jahren die Geschäftsaktivitäten enorm ausweiten. Seit 2006 explodierten die Umsätze regelrecht von 7,8 auf 239,2 Millionen Euro im vergangenen Geschäftsjahr. Doch die Profitabilität ließ zuletzt eher zu wünschen übrig. Die höchste Gewinnmarge der letzten acht Jahre lag bei 2,22% (2016). In 2018 erreichte Nanogate mit einem Nettogewinn von 1,4 Millionen Euro sogar nur eine hauchdünne Gewinnspanne von 0,59%.

Rote Zahlen im ersten Halbjahr

Die zuletzt schwache Gewinnentwicklung setzte sich im ersten Halbjahr ungebremst fort. Trotz eines leichten Umsatzanstiegs um 2,1% auf 122 Millionen Euro, rutschte das Unternehmen in die roten Zahlen. Unter dem Strich fiel ein Verlust von 3 Millionen Euro an. Neben der konjunkturellen Unsicherheit machte die Konzernführung vor allem die Zurückhaltung der Kunden im Mobility-Bereich für die Schwäche verantwortlich. Auftragsverschiebungen oder -kürzungen führen dazu, dass das laufende Restrukturierungsprogramm verschärft wird.

Latte für 2019 wird tiefergelegt

Entsprechend zurückhaltend zeigt sich die Firma für das Gesamtjahr und schraubt schon mal vorsorglich die Erwartungen herunter. Die Umsatzprognose wird von über 250 Millionen Euro auf nunmehr 245 bis 250 Millionen Euro gekürzt. Noch stärker fällt die Diskrepanz bei den Gewinnerwartungen aus.

Statt einem stabilen operativen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (2018: 24,2 Millionen Euro) rechnet der Konzern nun lediglich mit einer Spanne von 14 bis 17 Millionen Euro. Unter dem Strich dürfte ein Fehlbetrag im oberen einstelligen Millionenbereich anfallen. Für die Anleger besonders ärgerlich: Auch die Prognose für das Folgejahr wird momentan überprüft.

Sind die Langfristziele in Gefahr?

Bislang versuchte die Konzernführung den Anlegern mit Verweis auf den hohen Auftragsbestand von über 600 Millionen Euro zu beruhigen. Zusätzlich hat die Firma mit ihrem Effizienzprogramm NXI den Fokus auf eine höhere Rendite gelegt. Erwartungsgemäß belastet das Programm in diesem Jahr das Ergebnis zusätzlich. Ab 2020 war aber wieder eine deutlich steigende Marge avisiert worden. Anschließend wolle Nanogate bis 2025 den Umsatz organisch verdoppeln und die EBITDA-Marge auf rund 15% steigern. Für Sie zum Vergleich: In 2018 wurde eine EBITDA-Marge von 10,1% erzielt.

Die Anleger scheinen dem Braten nicht recht zu trauen. Eine nachhaltige Beruhigung dürfte erst eintreten, wenn die ursprüngliche Planung für das kommende Geschäftsjahr bestätigt wird.

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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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