Nasdaq Composite: Bärenmarkt nunmehr bestätigt

90 von 92 Aktienindizes in meiner Datenbank haben in der ersten Januarhälfte an Wert verloren:

Lediglich die Börsen Slowakei (+2,7%) und Ukraine (+0,2%) konnten minimale Zuwächse verbuchen. Die chinesischen Indizes bilden mit Verlusten von -17,2% bis -23,9% die Speerspitze, gefolgt von Argentinien und Russland.

Die ersten US-Indizes tauchen auf Rang 16 und 17 mit Einbußen von -11,6% und -11,4% auf: Der Nebenwerte-Index Russell 2000 und der Nasdaq Composite.

Zu dem letztgenannten präsentiere ich Ihnen heute einmal einen eher ungewohnten Point&Figure-Chart: den sogenannten Bullish-Percent-Index (BPI). Dazu vorweg einige Anmerkungen, falls Sie mit dieser Charttechnik-Methode nicht vertraut sind (ansonsten können Sie die beiden nächsten Abschnitte überspringen).

So lesen Sie einen Point&Figure-Chart

Ein Point&Figure-Chart zeigt den „puren“ Kursverlauf: Kursveränderungen werden hier nur dann abgetragen, wenn die Oberseite eines Kästchens über- bzw. die Unterseite eines Kästchens unterschritten wird.

Aufwärtsbewegungen werden dann mit einem „X“, Abwärtsbewegungen mit einem „O“ in den Chart eingetragen. Ein Wechsel zwischen X- und O-Säule entsteht erst dann, wenn sich der Kurs mindestens 3 Kästchen in die entgegengesetzte Richtung bewegt hat.

Ein Kaufsignal wird immer dann ausgebildet, wenn eine X-Säule die vorhergehende X-Säule überbietet. Bei einem Verkaufssignal geht es exakt anders herum. Daraus ergibt sich als Konsequenz:

In der Point&Figure-Charttechnik ist ein Markt zu jeder Zeit entweder in einem Kaufsignal oder in einem Verkaufssignal. Das macht sich der BPI zunutze:

Die vier Marktzustände des Bullish-Percent-Index

Der Bullish-Percent-Index setzt den Anteil der Aktien eines Index in einem Point&Figure-Kaufsignal ins Verhältnis zur Gesamtzahl der Index-Mitglieder. Die so börsentäglich ermittelten Prozentzahlen werden dann in einem Point&Figure-Chart abgetragen.

Aus dem Verlauf dieses Charts lassen sich vier unterschiedliche Marktzustände ableiten:

  1. Bull Confirmed (bestätigter Bullenmarkt), wenn sich der BPI in einem Kaufsignal und einer X-Spalte befindet.
  2. Bull Correction (Bullenmarkt in Korrektur), wenn sich der BPI in einem Kaufsignal und einer O-Spalte befindet.
  3. Bear Confirmed (bestätigter Bärenmarkt), wenn sich der BPI in einem Verkaufssignal und einer O-Spalte befindet.
  4. Bear Correction (Bärenmarkt in Korrektur), wenn sich der BPI in einem Verkaufssignal und einer X-Spalte befindet

bullish-percent-index nasdaq composite-18-01-2016

Bullish-Percent-Index Nasdaq Composite: Bestätigter Bärenmarkt (Quelle: stockcharts.com)

Im Point&Figure-Chart werden die Monate Januar bis September mit 1 bis 9, Oktober, November und Dezember mit A, B und C bezeichnet.

Sie sehen: Eigentlich sah es Ende Dezember 2015 noch „richtig“ gut aus für die Technologieaktien des Nasdaq Composite.

Nasdaq Composite im bestätigten Bärenmarkt

Bis einschließlich November notieren wir eine X-Säule im Kaufsignal, mithin also den Status Bull Confirmed (bestätigter Bullenmarkt). Im Dezember kam der BPI zwar leicht zurück, was jedoch eine völlig normale Atempause war. Der Status lautete auf Bull Correction (Bullenmarkt in Korrektur).

Die 1 im Chart weist aus, dass sich die Abwärtsbewegung im Januar beschleunigt hat. Ende der vergangenen Woche wurden die beiden Tiefs von August und September unterboten:

Damit befindet sich der Nasdaq Composite nunmehr im Status Bear Confirmed (bestätigter Bärenmarkt). Ignorieren Sie bitte die falsche, automatisch generierte Statusmeldung im Chart oben. Aktuell befinden sich somit nur noch 30% der insgesamt gut 2.700 Aktien im Nasdaq Composite in einem Kaufsignal bzw. 70% in einem Verkaufssignal!

Das Gefährliche an der aktuellen Situation dürfte Ihnen auch bereits klar geworden sein:

  • Eine ähnliche Ausgangslage finden wir zu Beginn des Börsen-Crashs im August 2011.
  • Auch sehen Sie, dass die im September und Oktober 2011 erreichten Tiefstwerte von 26% und 24% noch lange nicht das Ende bedeuten müssen: Im Nachgang zur Finanzkrise 2007 gab der Bullish-Percent-Index in mehreren Schüben bis auf 18%, 8% und 10% nach.

Fazit

Auch wenn es Ihnen in den Fingern juckt: Die Charttechnik ist eindeutig! Für eine Schnäppchenjagd ist es noch viel zu früh!

18. Januar 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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