Nasdaq macht Rückzieher: Osloer Börse geht an Euronext

Wall Street – shutterstock_267083465 Matej Kastelic

Nasdaq zieht sich aus dem Bieterwettstreit um die Oslo Bors zurück. Damit ist der Weg für die Euronext endgültig frei. (Foto: Matej Kastelic / Shutterstock.com)

Nach einem knappen halben Jahr ist der Bieterkampf um die Osloer Börse (Oslo Børs VPS) entschieden. Die US-Börse Nasdaq hat heute Morgen erklärt, dass sie ihr Angebot für die Übernahme der Osloer Börse zurückzieht. Damit ist der Weg frei für die europäische Mehrländerbörse Euronext.

Zuletzt hatten beide Kontrahenten jeweils 158 norwegische Kronen (NOK) bzw. 17 Euro pro Aktie der Osloer Börse geboten. Allerdings konnte sich Euronext die Zustimmung von mehr als 50 % des Aktienkapitals sichern während Nasdaq nur ein gutes Drittel des Aktienkapitals hinter sich vereinen konnte.

Letztendlich gab aber ein Votum der norwegischen Finanzbehörden den Ausschlag: Sowohl die norwegische Finanzaufsicht (Finanstilsynet) als auch das norwegische Finanzministerium sprachen sich für eine Übernahme der Osloer Börse durch die in Paris ansässige Mehrländerbörse Euronext aus.

Euronext zahlt 730 Mio. Euro für Übernahme und Diversifizierung

Mit dem Votum des Finantministeriums wurde der Weg für die Euronext frei: Die niederländische Mehrländerbörse, die Börsen in Paris, Brüssel, Amsterdam, Lissabon und Dublin betreibt, wird jetzt 6,8 Milliarden Kronen (730 Mio. Euro) berappen und sich eine der wenigen noch unabhängigen Börsen in Europa einverleiben.

Damit kann der Börsenbetreiber seine Position in Skandinavien deutlich ausbauen. Die Osloer Börse war für die Euronext das letzte verfügbare, große Übernahme-Ziel in der Region, in der die New Yorker Nasdaq mit der Nasdaq Nordic bzw. Nasdaq AB und die London Stock Exchange bereits mehrere Standorte kontrolliert.

Durch den Kauf der Osloer Börse sichert sich Euronext aber nicht nur einen wichtigen Standort in Skandinavien, sondern kann auch sein Produktportfolio ausbauen. Denn die Osloer Börse ist ein wichtiger Spieler in den Geschäftsfeldern Öldienstleistungen, Meeresfrüchtederivaten sowie Schifffahrt.

Nasdaq befreit Großinvestoren von ihren Verpflichtungen

Im Rahmen des Bieterkampf konnte die Nasdaq die Unterstützung einiger Großinvestoren der Osloer Börse für sich gewinnen. Dazu zählten mit der norwegischen Bank DNB und dem Rententräger Kommunal Landspensjonskasse KLP auch die beiden größten Anteilseigner der Osloer Börse. Die Nasdaq teilte jetzt mit, dass sie die Großaktionäre von ihren Verpflichtungen befreie.

Sowohl DNB als auch KLP gaben bekannt, dass sie sich noch nicht entschieden hätten, ob sie ihre Aktien verkaufen wollen oder nicht. Sie erklärten aber, dass sie sich in Kürze zusammensetzen werden, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Euronext-Aktionäre haben Übernahme zugestimmt

Bereits am 16. Mai hatte sich Euronext die Zustimmung seiner Aktionäre für den Übernahme-Deal gesichert: Auf der Hauptversammlung in Amsterdam stimmten die Aktionäre einstimmig für den Erwerb von bis zu 100% des Kapitals von Oslo Børs VPS durch Euronext.

Die Zustimmung der Aktionäre war die letzte wichtige Bedingung für den Abschluss der Transaktion. Euronext geht davon aus, dass sie die restlichen üblichen Bedingungen erfüllen und die Transaktion bis Mitte dieses Jahres abschließen wird.

Wall Street - Diese Marken sind beim Dow und Nasdaq entscheidend!

Wall Street - Diese Marken sind beim Dow und Nasdaq entscheidend!Bei rund 27.900 Punkten wurde nun auch ein bedeutsamer Widerstand im Monatschart aus dem Weg geräumt. Der Monatschart dient ausschließlich der langfristigen Betrachtungsweise. Ein querverlaufender Widerstand wurde durchbrochen und nun… › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.