Negative Zinsen: Deutschland verdient durch Neuverschuldung

2-jährige deutsche Staatsanleihen „zahlen“ derzeit eine Verzinsung von -0,06%.

Richtig gelesen: Der Zinssatz auf deutsche Kurzläufer befindet sich derzeit unterhalb von 0!

Das war bereits die 3. Anleihen-Emission des Bundes mit einem negativen Zinssatz.

Mit anderen Worten: Der deutsche Staat verdient derzeit bei seiner Neuverschuldung Geld!

Und Deutschland ist dabei keine Ausnahme. Auch andere „solide“ Staaten der Eurozone (Finnland, Österreich und die Niederlande) emittieren derzeit Anleihen mit Negativ-Verzinsung.

Wer legt Geld an und bezahlt noch dafür?

Doch wer kauft die Anleihen und bezahlt den deutschen Staat damit quasi für das Annehmen von Geld?

Aus dem Geschäft mit Kleinanlegern zieht sich Deutschland zurück – ich bin vor einigen Tagen auf das „Ende der Bundesschatzbriefe“ eingegangen.

Kein Kleinanleger würde bei seiner Bank oder Sparkasse ein Bundeswertpapier kaufen, bei dem er auch noch drauflegt; bleiben die großen, institutionellen Anleger wie Versicherungen oder Pensionskassen.

So abwegig es erst einmal klingen mag, aber diesen Investoren bleibt oft gar nichts anderes übrig als den Negativ-Zins zu akzeptieren.

Aufgrund regulatorischer Vorschriften müssen sie einen nicht unerheblichen Teil in sicheren Staatsanleihen anlegen.

Wege aus der Schuldenkrise

Theoretisch gibt es mehrere Möglichkeiten für eine Auflösung der Schuldenproblematik, praktisch kann man einige davon aber gleich wieder von der Liste streichen:

Aus dem Schuldenproblem „rauswachsen“ werden wir sicher nicht.

Selbst wenn das massive Problem der Alterspyramide (immer mehr ältere und immer weniger junge Menschen) nicht bestünde, wäre der Schuldenberg zu groß, die Dynamik der Neuverschuldung zu hoch. Wirtschaftswachstum scheidet als Lösung also aus.

Auch Steuererhöhungen fallen raus; die Bevölkerung würde Steuern in dem notwendigen Ausmaß nicht akzeptieren. Außerdem würden explodierende Steuern eine tiefgreifende Rezession zur Folge haben.

An die große Schulden-Deflation mit den damit verbundenen Pleiten von Staaten und Unternehmen glaube ich in einer Welt aggressiver Notenbanken ebenfalls nicht.

Bleibt noch das „Weginflationieren“ der Schulden. Doch bis die große Inflation tatsächlich kommt, könnte noch einige Zeit ins Land ziehen.

Problemlösung durch negative Zinssätze

Spielen wir einmal eine sehr interessante weitere Möglichkeit für die Lösung des Schuldenproblems durch:

Würden die derzeitigen negativen Nominal-Zinsen im kurzfristigen Bereich noch für weitere 10 Jahre Bestand haben, ergäbe sich quasi keine Zinslast mehr für den Bundeshaushalt.

Noch bestehen jährliche Zinszahlungen aufgrund der höher verzinsten „alten“ Schulden von 100 Mrd. €.

Nach 10 Jahren könnte der Durchschnitts-Zinssatz für die deutschen Staatsschulden auf 0 gedrückt werden.

Bei einem solchen Zinsniveau wäre es gleichgültig, ob Deutschland 2 (wie derzeit), 5 oder 20 Bio. € Schulden hätte. Ohne Zinszahlung wäre dies alles kein Problem.

Japan hat seit Jahrzehnten ein viel größeres Schuldenproblem, was aber aufgrund der Zinsen dort nahe 0 nie zum Tragen gekommen ist.

Erst einmal ist das natürlich auch nur eine theoretische Spielerei.

Doch wenn die Zinssätze auf deutsche Anleihen auch über die nächsten Jahre im negativen Bereich verharren würde, sollten Sie wissen, dass das Schuldenproblem – jedenfalls aus Sicht des Staats – gerade dabei ist, sich selbst zu lösen.

23. Juli 2012

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geve
Von: geve.

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