Nemetschek-Aktie fällt von 120 auf 30 Euro

Einige Aktionäre des TecDax-Unternehmens Nemetschek dürften sich heute bei einem Blick auf den Chart der Nemetschek-Aktie wie vom Blitz getroffen gefühlt haben. Hintergrund ist, dass die Aktie, die zuvor bei rund 120 Euro notierte, plötzlich nur noch bei knapp 30 Euro notiert.

Der Grund dafür ist allerdings keine gigantische Gewinnwarnung oder ähnlich negatives. Nemetschek hat einen Aktiensplit durchgeführt, der auf den Wert Ihrer Nemetschek-Position – sofern Sie eine halten – keinerlei Einfluss hat.

Denn: Aktionäre des TecDax-Unternehmens erhielten je Aktie gratis 3 neue Aktien dazu. Im Ergebnis bedeutet das folgendes: Der Wert einer Nemtschek-Aktie hat sich um rund drei Viertel verringert, dafür halten Nemetschek-Aktionäre jetzt die vierfache Menge an Aktien, sodass sich im Ergebnis lediglich die Menge der Aktien verändert hat und nicht der Wert der Gesamtposition.

Wer vorher eine Nemetschek-Aktie zu 120 Euro besaß, besitzt jetzt 4 Nemetschek-Aktien zu je 30 Euro. Doch warum führen Unternehmen Aktiensplits durch? Dieser Frage sowie den Vor- und Nachteilen solcher Vorgänge werde ich jetzt für Sie auf den Grund gehen.

Der Grund für den Nemetschek-Aktiensplit

Der Aktiensplit bei Nemetschek wurde deshalb durchgeführt, weil die Aktie optisch zu teuer wurde. Nachdem die Aktie ihren Wert in den vergangenen 2 Jahren nahezu verdreifacht hat, sollte die Aktie optisch verbilligt werden. Dadurch sollte nach Angaben des Unternehmens der Handel der Nemetschek-Aktie weiter gefördert und diese dadurch für Anleger attraktiver gemacht werden.

Denn: Eine Aktie, die über 100 Euro kostet, wird von Anlegern nicht so gern gekauft, wie eine Aktie, die nur 10 Euro kostet und damit rein optisch viel billiger ist. Diese Überlegung entbehrt zwar jeglicher rationaler Grundlage, ist aber dennoch häufig zu beobachten.

Aktiensplits können positive Kursentwicklungen begünstigen

Generell kann ein Aktiensplit eine positive Kursentwicklung einer Aktie fördern – tut dies aber nicht zwangsläufig. Daher sollten Sie nicht davon ausgehen, dass die Kursentwicklung durch einen solchen Schritt automatisch begünstigt wird.

Die Ankündigung eines Aktiensplits ist isoliert betrachtet noch kein Kaufgrund. Zwar können Sie in den meisten Fällen davon ausgehen, dass ein Aktiensplit neue Investoren anspricht, dennoch sollten Sie vor einem Kauf unbedingt die Gesamtlage des Unternehmens analysieren und die Perspektiven des Unternehmens in die Bewertung mit einbeziehen. Der Aktiensplit ist dann nur ein zusätzlicher Pluspunkt.

Fazit: Aktiensplits sind weder pauschal gut noch pauschal schlecht

Abschließend und zusammenfassend lässt sich sagen, dass Aktiensplits weder grundsätzlich gut noch grundsätzlich schlecht sind. Aktiensplits führen zwar oftmals dazu, dass die Aktie in der Folge wegen des optisch günstigeren Kurses neue Investoren anzieht und dadurch steigt. Doch dies ist keinesfalls automatisch so und daher auch keine „Gewinn-Garantie“.

30. Juni 2015

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Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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