Nemetschek-Aktie: Softwarespezialist trennt sich von Beteiligung und fährt millionenschweren Buchgewinn ein

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Nemetschek-Aktie: Spezialist für Bausoftware stößt DocuWare-Beteiligung ab und fährt hohen Extragewinn ein. Aktie schießt auf neues Rekordhoch. (Foto: Have a nice day / shutterstock.com)

Die Aktie des Bausoftwarespezialisten Nemetschek legte in diesem Jahr einen fulminanten Höhenflug aufs Parkett. Allein seit Mitte Juni kletterten die Papiere um mehr als 20% nach oben. Wer zur Jahreswende auf die Aktie setzte, sitzt inzwischen auf einem Kursgewinn von beinahe 90%. Inzwischen kommt das familiengeführte Softwareunternehmen auf einen beeindruckenden Börsenwert von 6,4 Milliarden Euro.

Nemetschek im Porträt

Bevor ich auf den jüngsten Deal eingehe, möchte ich Ihnen den Familienbetrieb (54% der Aktien befinden sich in Händen der Nemetschek-Familie) erst einmal näher vorstellen:

Nemetschek ist Europas größter Anbieter von Software für Architektur und Bau mit weltweit mehr als 2,3 Mio. Nutzern. Die grafischen, analytischen und kaufmännischen Lösungen decken einen Großteil der gesamten Wertschöpfungskette am Bau ab – von der Planung und Visualisierung eines Gebäudes über den eigentlichen Bauprozess bis zur Nutzung.

Hohe Wettbewerbs-Qualität

Die Vertriebs-Strategie der Firma ist ausgesprochen durchdacht und mündet in einer meist lang anhaltenden Kundenbeziehung. Architekten und Ingenieure erlernen die Software bereits frühzeitig an Hochschulen, auch kostenlose Studenten-Versionen tragen frühzeitig zur Kundenbindung bei.

Mittlerweile liegt der Marktanteil in der D-A-CH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) bei bis zu 80% – die Nemetschek-Software hat sich zum Quasi-Standard entwickelt. Netzwerk-Effekte tragen zu weiterem Ausbau der Marktanteile bei.

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Nemetschek-Aktie nach Prognose-Anhebung mit KurssprungDer Software-Spezialist Nemetschek bleibt nach angehobener Umsatz- und Gewinn-Prognose auf der Überholspur – hier die Details: › mehr lesen

Hohe Wechselkosten in Form neuer Lizenzen und der Aufwand ein neues Programm zu erlernen führen zu einer hohen Kundenloyalität. Diese kommt in einer niedrigen Wechselrate von ca. 5% und weniger zum Ausdruck. Zugleich investiert Nemetschek jährlich zwischen 20 und 25% der Umsätze wieder in die hauseigene Produkt-Entwicklung und versucht damit seine beeindruckende Marktstellung zu verteidigen.

Kräftiges Wachstum und robuste Margen

Ein Blick in die Bücher des Konzerns zeigt Ihnen, dass sich die Strategie durchaus ausgezahlt hat: Seit 2004 kletterten die Erlöse von 96,6 auf zuletzt 461,3 Mio. €. Im Gegenzug verbesserte sich der Gewinn deutlich überproportional von 6,4 auf immerhin 76,5 Mio. Das entsprach zuletzt einer Gewinnmarge von 16,58%.

Nemetschek versilbert Docuware-Beteiligung

Jetzt haben die Münchener ihre Beteiligung an Docuware an den japanischen Konzern Rico verkauft und damit einen satten Buchgewinn von 32 Millionen Euro eingestrichen. Nemetschek war bereits seit über 20 Jahren mit 22,4% an dem Anbieter für Dokumentenmanagement und Software für die Automatisierung von Arbeitsabläufen beteiligt. Schätzungen zufolge dürfte der Softwarekonzern einen einstelligen Millionenbetrag für die Beteiligung auf den Tisch gelegt haben. Das Unternehmen hat mehr als 12.000 Kunden in 90 Ländern.

Buchgewinn sorgt für zusätzlichen Gewinnschub

Die Münchener kündigten an, dass der Beteiligungsverkauf den Gewinn je Aktie in diesem Jahr um weitere 40% nach oben treibt. Auch künftig wollen die Münchener mit Docuware eng zusammenarbeiten, da die Lösungen der Firma auch in einigen der Nemetschek-Gesellschaften zum Einsatz kommen.

Fazit: Die Geschäftsqualität des Münchener Softwarekonzerns ist unbestritten hoch. Trotz Konjunkturabkühlung zeigt sich aktuell der Markt für Bausoftware überraschend robust und Nemetschek konnte zuletzt trotz höherer Investitionen ihr hohes Margenniveau halten. Dennoch scheint bei der aktuellen Bewertung (Börsenwert entspricht dem 14-fachen Umsatz und dem 60-Fachen der 2020er Gewinnerwartung) schon viel eingepreist zu sein. Rückschläge sollte sich der erfolgsverwöhnte Familienkonzern auf diesem Kursniveau besser nicht leisten.


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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.