Nemetschek-Aktie: Spezialist für Architekten-Software meldet US-Zukauf

Wenige Aktien auf dem deutschen Kurszettel dürften den Anlegern in den vergangenen Jahren so viel Freude bereitet haben wie die Papiere von Nemetschek:

Alleine in den letzten 5 Jahren kletterte die Aktie von 8 auf nunmehr fast 78 € – kein Wunder, liefen die Geschäfte doch ausgesprochen rund.

Dabei setzte der Spezialist für Bausoftware nicht nur auf organisches Wachstum. Auch Übernahmen spielen seit jeher in der Firmenstrategie eine feste Rolle.

Jetzt hat das Münchener Unternehmen wieder zugeschlagen und sich eine hochspezialisierte Firma aus den USA ins Portfolio gelegt.

Nemetschek im Porträt

Bevor ich auf den jüngsten Deal eingehe, möchte ich Ihnen den Familienbetrieb (54% der Aktien befinden sich in Händen der Nemetschek-Familie) erst einmal näher vorstellen:

Nemetschek ist Europas größter Anbieter von Software für Architektur und Bau mit weltweit mehr als 2,3 Mio. Nutzern.

Die grafischen, analytischen und kaufmännischen Lösungen decken einen Großteil der gesamten Wertschöpfungskette am Bau ab – von der Planung und Visualisierung eines Gebäudes über den eigentlichen Bauprozess bis zur Nutzung.

Hohe Wettbewerbs-Qualität

Die Vertriebs-Strategie der Firma ist ausgesprochen durchdacht und mündet in einer meist lang anhaltenden Kundenbeziehung.

Architekten und Ingenieure erlernen die Software bereits frühzeitig an Hochschulen, auch kostenlose Studenten-Versionen tragen frühzeitig zur Kundenbindung bei.

Mittlerweile liegt der Marktanteil in der D-A-CH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) bei bis zu 80% – die Nemetschek-Software hat sich zum Quasi-Standard entwickelt.

Netzwerk-Effekte tragen zu weiterem Ausbau der Marktanteile bei.

Hohe Wechselkosten in Form neuer Lizenzen und der Aufwand ein neues Programm zu erlernen führen zu einer hohen Kundenloyalität.

Diese kommt in einer niedrigen Wechselrate von ca. 5% und weniger zum Ausdruck.

Zugleich investiert Nemetschek jährlich zwischen 20 und 25% der Umsätze wieder in die hauseigene Produkt-Entwicklung und versucht damit seine beeindruckende Marktstellung zu verteidigen.

Kräftiges Wachstum und robuste Margen

Ein Blick in die Bücher des Konzerns zeigt Ihnen, dass sich die Strategie durchaus ausgezahlt hat: Seit 2004 kletterten die Erlöse von 96,6 auf zuletzt 337,3 Mio. €.

Im Gegenzug verbesserte sich der Gewinn deutlich überproportional von 6,4 auf immerhin 46,9 Mio. Das entsprach zuletzt einer Gewinnmarge von 13,91%.

Zukauf erweitert Produkt-Palette

Jetzt setzt Nemetschek mit dem Erwerb der RISA Technologies auf einen der beliebtesten Anbieter von Software für die Tragwerks-Planung und Baustatik in den USA.

Mit dem Zukauf soll das US-Geschäft im Bauingenieurwesen gestärkt werden.

Im europäischen Markt ist Nemetschek bereits mit einer eigenen Baustatistik-Software unter der Marke SCIA aktiv.

Der Deal in den USA soll das Geschäft nun ergänzen und Synergie-Potenziale schaffen.

Für 2017 erwartet RISA einen Umsatz von 7,5 Mio. € mit gerade einmal 24 Mitarbeitern.

Die Gewinnmarge von Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA-Marge) soll in etwa auf dem Nemetschek-Niveau liegen.

Für Sie zum Vergleich: Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte der Münchener Familienbetieb eine EBITDA-Marge von über 26%.

Analysten zeigen sich zurückhaltend

Ohne Zweifel, Nemetschek ist ein hervorragend geführtes Familien-Unternehmen mit einer beeindruckenden Marktstellung.

Allerdings dürfte nach der sensationellen Kurs-Entwicklung der vergangenen Jahre auch hier die Luft dünner werden.

Das sehen zumindest die Analysten so, die sich mit der Aktie befassen:

Bei einem erwarteten Gewinn von 1,76 € je Aktie liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei 44.

Das durchschnittliche Kursziel der Experten liegt mit 70 € mittlerweile gut 10% unter dem aktuellen Kursniveau.

19. Oktober 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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