Nemetschek-Aktie: Spezialist für Bausoftware trotz Krise weiter zuversichtlich

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Der Bausoftwarespezialist Nemetschek startet solide ins neue Geschäftsjahr. Trotz Corona-Effekte hält die Konzernführung an der Planung fest. (Foto: Have a nice day / shutterstock.com)

Die Unsicherheit ist weiter extrem hoch. Reihenweise Kurzarbeit und ausgesetzte Prognosen sind an der Tagesordnung. Das trägt dazu bei, dass auch die Anleger im Dunkeln tappen und die Bewertung der einzelnen Aktien derzeit ausgesprochen schwerfällt. Umso erfreulicher, wenn Firmen wie der deutsche Bausoftwarespezialist Nemetschek ihren Investoren etwas mehr Futter an die Hand geben.

Nach einem grundsoliden Jahresstart rechnen die Münchener nur mit einer vorübergehenden Abschwächung im zweiten Quartal, bevor es in der zweiten Jahreshälfte wieder aufwärts gehen soll. Besonders erfreulich: An der Jahresprognose hält der Softwarekonzern weiter fest. Das macht sich auch in der positiven Aktienkursentwicklung bemerkbar. Seit dem März-Tief haben die Papiere 67% an Wert zugelegt. Inzwischen kommt Nemetschek wieder auf einen Börsenwert von stolzen 6,6 Milliarden Euro und hat damit sogar die beiden DAX-Schlusslichter Lufthansa und Covestro überholt.

Nemetschek im Porträt

Bevor ich auf die jüngsten Zahlen eingehe, möchte ich Ihnen den Familienbetrieb (54% der Aktien befinden sich in Händen der Nemetschek-Familie) erst einmal näher vorstellen:

Nemetschek ist Europas größter Anbieter von Architektur- und Bausoftware. Die grafischen, analytischen und kaufmännischen Lösungen decken einen Großteil der gesamten Wertschöpfungskette am Bau ab – von der Planung und Visualisierung eines Gebäudes über den eigentlichen Bauprozess bis zur Nutzung. Die Produkte des Unternehmens sind bei mehr als sechs Millionen Kunden in 142 Ländern weltweit im Einsatz. Der Expansionsfokus liegt auf Amerika und Asien.

Hohe Wettbewerbs-Qualität

Die Vertriebs-Strategie der Firma ist ausgesprochen durchdacht und mündet in einer meist langanhaltenden Kundenbeziehung. Architekten und Ingenieure erlernen die Software bereits frühzeitig an Hochschulen, auch kostenlose Studenten-Versionen tragen frühzeitig zur Kundenbindung bei.

Mittlerweile liegt der Marktanteil in der D-A-CH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) bei bis zu 80% – die Nemetschek-Software hat sich zum Quasi-Standard entwickelt. Netzwerk-Effekte tragen zu weiterem Ausbau der Marktanteile bei.

Hohe Wechselkosten in Form neuer Lizenzen und der Aufwand ein neues Programm zu erlernen führen zu einer hohen Kundenloyalität. Diese kommt in einer niedrigen Wechselrate von ca. 5% und weniger zum Ausdruck. Zugleich investiert Nemetschek jährlich zwischen 20 und 25% der Umsätze wieder in die hauseigene Produkt-Entwicklung und versucht damit seine beeindruckende Marktstellung zu verteidigen.

Robuster Start ins neue Geschäftsjahr

Zum Jahresstart setzten die Münchener ihre Erfolgsgeschichte nahezu ungebremst fort. Die Umsätze kletterten im ersten Quartal um 12,8% auf 146,6 Millionen Euro nach oben. Vor allem die Übernahme von Red Giant im letzten Jahr hat das Wachstum beflügelt. Organisch, also ohne Zukäufe, verzeichnete Nemetschek ein währungsbereinigtes Plus beim Umsatz von 8,5%.

Vor allem der hohe Anteil an wiederkehrenden Erlösen (inzwischen 58%) macht sich positiv bei den Gewinnmargen bemerkbar: So stieg der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) um 14% auf knapp 42 Millionen Euro. Das entspricht einer EBITDA-Marge von 28,5% und lag nochmals 0,3 Prozentpunkte über dem vergleichbaren Vorjahresniveau. Unter dem Strich blieb ein Nettogewinn von 21 Millionen Euro hängen (+9%).

Warnung für das zweite Quartal

Allerdings warnte die Konzernführung vor einer deutlichen Geschäftsabschwächung im laufenden Quartal, bevor es schrittweise im zweiten Halbjahr wieder zu einer Erholung kommen dürfte. Für das Gesamtjahr geht Finanzchef Dr. Axel Kaufmann von einem stabilen bis leicht wachsenden Umsatz aus. Die EBITDA-Marge soll unterdessen bei mindestens 26% des Konzernumsatzes liegen.

Fazit: Keine Frage – der Münchener Softwarekonzern navigiert mit beeindruckender Stärke durch die aktuelle Krise und dürfte langfristig zweifelsohne zu den Gewinnern der zunehmenden Digitalisierung auf dem Bau gehören. Allerdings dürfte auch im aktuellen Börsenwert von 6,6 Milliarden bereits viel Positives enthalten sein. Auf Basis der aktuellen Konsensschätzungen der Analysten handelt die Aktie mit dem 70-fachen des erwarteten Gewinns. Kein Wunder also, dass der Großteil der Banker derzeit lediglich zum Halten der Papiere rät.

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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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