Nemetschek setzt Wachstumskurs ungebremst fort

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Bausoftwarespezialist Nemetschek kratzt nach positiver Prognose am Rekordhoch. Das Familienunternehmen glänzt mit satten Wachstumsraten. (Foto: Have a nice day / shutterstock.com)

So schnell kann die Stimmung drehen. Während der Korrektur im vierten Quartal letzten Jahres sackte die Nemetschek-Aktie um 40% in den Keller. Die Anleger ließen die Aktie des schnell wachsenden Softwarespezialisten fallen wie die sprichwörtlich heiße Kartoffel. Doch seither haben die Papiere eine fulminante Erholungsrally hingelegt. Wer im Dezember mutig war und sich die Aktie für gut 90 Euro pro Stück ins Depot gelegt hat, sitzt mittlerweile auf beeindruckenden Gewinnen von 65%.

Was war der Grund für die massive Kursbewegung? Wie steht es um die mittelfristigen Perspektiven? Was sagen die Analysten momentan zur Aktie?

Nemetschek – der Spezialist für Bausoftware

Bevor ich auf die jüngste Entwicklung eingehe, möchte ich Ihnen den Familienbetrieb (54% der Aktien befinden sich in Händen der Nemetschek-Familie) erst einmal näher vorstellen:

Nemetschek ist Europas größter Anbieter von Software für Architektur und Bau mit weltweit mehr als 2,3 Mio. Nutzern. Die grafischen, analytischen und kaufmännischen Lösungen decken einen Großteil der gesamten Wertschöpfungskette am Bau ab – von der Planung und Visualisierung eines Gebäudes über den eigentlichen Bauprozess bis zur Nutzung.

Geschäftsmodell mit beeindruckender Qualität

Die Vertriebs-Strategie der Firma ist ausgesprochen durchdacht und mündet in einer meist langanhaltenden Kundenbeziehung. Architekten und Ingenieure erlernen die Software bereits frühzeitig an Hochschulen, auch kostenlose Studenten-Versionen tragen frühzeitig zur Kundenbindung bei.

Mittlerweile liegt der Marktanteil in der D-A-CH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) bei bis zu 80% – die Nemetschek-Software hat sich zum Quasi-Standard entwickelt. Zugleich tragen Netzwerk-Effekte zu weiterem Ausbau der Marktanteile bei.

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Hohe Wechselkosten in Form neuer Lizenzen und der Aufwand ein neues Programm zu erlernen führen zu einer hohen Kundenloyalität. Diese kommt in einer niedrigen Wechselrate von ca. 5% und weniger zum Ausdruck. Zugleich investiert Nemetschek jährlich zwischen 20 und 25% der Umsätze wieder in die hauseigene Produkt-Entwicklung und versucht damit seine beeindruckende Marktstellung zu verteidigen.

Nemetschek mit 17% Umsatzwachstum in 2018

Zuletzt war der Umsatz inklusive einer Übernahme um knapp 17% auf 461 Millionen Euro gewachsen. Ohne Zukäufe konnte der Bausoftware-Konzern, der seit vielen Jahren vor allem durch Übernahmen an Größe gewinnt, seine Erlöse um gut 14% verbessern. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) erhöhte sich unterdessen um rund zwölf 12% auf 121 Millionen Euro, was einer EBITDA-Marge von 26,2% entspricht.

Robuster Ausblick lässt Anleger jubeln

Das Kursplus am Freitag von 10,5% ging aber vor allem auf das Konto der zuversichtlichen Prognosen des Managements. So peilt der Anbieter von Planungssoftware für Architekten und Ingenieure im laufenden Jahr ein Umsatzplus von 17 bis 19% auf 540 bis 550 Millionen Euro an. Zugleich wurde das langfristige EBITDA-Margenziel zwischen 25 und 27% bekräftigt.

Investitionen und Übernahmen auf der Agenda

Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Nemetschek mit Investitionen von 10 bis 12 Millionen Euro, die in strategische Projekte fließen sollen. Darüber ist das Münchener Unternehmen weiter auf der Suche nach neuen Übernahmezielen, um das Wachstum zukünftig weiter zu forcieren.

Ambitionierte Bewertung sorgt bei Analysten für Zurückhaltung

Nach der massiven Aufwärtsbewegung kommt Nemetschek auf einen Börsenwert von 5,85 Milliarden Euro. Damit handelt die Aktie mit dem 11-Fachen Umsatz und fast dem 60-Fachen der von den Analysten erwarteten Gewinne für das nächste Geschäftsjahr.

Kein Wunder also, dass die Experten zunehmend zurückhalten sind. Von 12 Experten, die sich mit der Aktie beschäftigen, raten nur zwei zum Kauf der Papiere. Acht der Analysten sehen in der Aktie eine Halteposition, während zwei den Titel als Verkauf einstufen. Das Kursziel lag zuletzt mit 118 Euro deutlich unter dem erreichten Kursniveau (152 Euro), wobei es gut sein kann, dass es im Nachgang der Zahlen noch zu Anpassungen kommen wird.


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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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