Nemetschek: Starke Zahlen, aber sehr ambitionierte Bewertung

Nementschek: Weiterhin Highflyer oder folgt der Software-Spezialist für die Baubranche dem Negativ-Vorbild RIB Software? (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Das im Technologiewerte-Index TecDax gelistete Unternehmen Nemetschek hat heute seine Geschäftszahlen für das Geschäftsjahr 2017 vorgelegt und einen Ausblick für 2018 gegeben. Darüber hinaus hat der Software-Spezialist für die Baubranche erstmals ein mittelfristiges Ziel bekannt gegeben.

Die Reaktion: Die Aktie legte heute in der Spitze zweistellig zu und war mit Abstand größter Gewinner im TecDax. Soweit so gut… Doch jetzt kommt das große Aber: Die Bewertung der Nemetschek-Aktie war bereits vor dem heutigen Kurssprung recht ambitioniert und ist durch das zweistellige Plus am heutigen Tag noch weiter angestiegen.

Bevor ich mich jedoch der Bewertung der Nemetschek-Aktie widme, möchte ich Ihnen kurz das Unternehmen vorstellen und auf die Zahlen für 2017 sowie auf die Prognose für 2018 und die Mittelfrist-Prognose eingehen.

Nemetschek im Portrait

Die Nemetschek Group fördert nach eigener Aussage die Digitalisierung in der Baubranche. Mit der Software von Nemetschek können Architekten, Ingenieure, Bauunternehmen und Gebäudemanager planen, sicher und reibungslos Informationen austauschen und enger zusammenarbeiten.

Bau- und Infrastruktur-Projekte werden so nach Angaben des Unternehmens effizienter und nachhaltiger durchgeführt. Das Unternehmen wurde im Jahr 1963 von Prof. Georg Nemetschek gegründet und beschäftigt derzeit mehr als 2.000 Mitarbeiter. Seit 1999 ist Nemetschek an der Börse notiert.

Die jüngsten Zahlen im Überblick

Der Umsatz von Nemetschek stieg im Jahr 2017 auf die neue Bestmarke von 395,6 Mio. Euro. Das bedeutet ein Plus von 17,3%. Wachstumstreiber waren nach Angaben des Unternehmens vor allem die wiederkehrenden Umsätze aus Software-Serviceverträgen. Diese erhöhten sich um 22,5% auf 183,9 Mio. Euro und machten damit zuletzt 46,5% der gesamten Umsätze aus.

Überproportional zum Umsatz stieg der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) um 22,7% auf 108,0 Mio. Euro. Ebenfalls positiv: Der operative Cashflow (Mittelzufluss) erhöhte sich deutlich um 22,3% auf 97,4 Mio. Euro. An den Zahlen gibt es absolut nichts zu meckern.

Auch der Ausblick passt: Aus heutiger Sicht erwartet der Vorstand des Unternehmens für 2018 auf aktueller Portfoliobasis (also ohne Zukäufe oder Verkäufe von Töchtern) einen Umsatz in einer Bandbreite von 447 bis 457 Mio. Euro. Die Gewinnmarge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA-Marge) soll trotz größerer Investitionen auch zukünftig in einer Bandbreit zwischen 25 und 27% liegen.

Für das Geschäftsjahr 2020 erwartet Nemetschek einen Umsatz in Höhe von über 600 Mio. Euro. Im Vergleich zum in 2017 eingefahrenen Umsatz von beinahe 400 Mio. Euro würde das eine Umsatzsteigerung um mindestens 50% bedeuten. Das wäre ein toller Erfolg.

Zum Thema Bewertung…

Sie müssen allerdings wissen, dass die Nemetschek derzeit (auf Basis der Schätzungen für 2018) mit deutlich mehr als dem 40-fachen Jahresgewinn bewertet. Das ist aus meiner Sicht auch für ein Unternehmen mit einem hohen Anteil an wiederkehrenden Umsätzen und tollen Zahlen zu viel. Schließlich ist das Baugeschäft, in dem Nemetschek tätig ist am Ende des Tages immer noch sehr zyklisch (also von Konjunkturzyklen abhängig).

Was passieren kann, wenn bei hoch bis sehr hoch bewerteten Unternehmen ein Haar in der Suppe gefunden wird, mussten die Aktionäre von RIB Software (ebenfalls im TecDax gelistet und ebenfalls Spezialist für Software für die Baubranche) sehr schmerzlich erfahren. Die RIB-Aktie hat in den vergangenen knapp 2 Wochen mehr als 50% an Wert eingebüßt. Seien Sie daher vorsichtig bei hohen Bewertungen.

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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