Nemetschek: Talsohle erreicht?

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Die Aktie von Nemetschek hat nach ihrem Kursanstieg deutlich korrigiert. Ist die Talsohle bereits erreicht? (Foto: Have a nice day / shutterstock.com)

In den vergangenen Handelstagen gerieten vor allem Technologieaktien massiv unter Druck. Dazu zählten auch die Papiere des Bausoftwarekonzerns Nemetschek, einem der Highflyer des bisherigen Börsenjahres. Hier stellt sich die Frage: Sind dies schon wieder Schnäppchenkurse oder kann die Korrektur noch deutlich weiter nach unten gehen?

Unternehmensportrait

Die Nemetschek Group mit Sitz in München und dem TecDAX zugehörig, entwickelt Softwarelösungen, mit denen komplexe Bau- und Infrastrukturprojekte eigenen Angaben zufolge nachhaltig und effizient realisiert werden können. Dabei agieren die 16 Marken der Nemetschek Group weitgehend eigenständig. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 2.500 Mitarbeiter weltweit. Insgesamt 4 Mio. Nutzer greifen in mehr als 140 Ländern auf die Dienstleistung des Konzerns zurück.

Zahlen solide

Die zuletzt veröffentlichten Zahlen konnten die Erwartungen der Marktbeobachter mehr als erfüllen. So konnte der Konzern im zweiten Quartal mehr verdienen als im Vorjahr. Der Nettogewinn stieg um mehr als ein Drittel auf 18,1 Mio. Euro. Das operative Ergebnis verbesserte sich um rund ein Viertel auf 31,1 Mio. Euro bei einer gleichzeitigen Umsatzsteigerung von 16,5% auf 114 Mio. Euro. Dabei profitierte das Unternehmen unter anderem von steigenden Umsätzen aus Serviceverträgen und Lizenzverkäufen.

Für das Gesamtjahr wird nun ein Umsatz von 447 Mio. bis 457 Mio. Euro erwartet. Die Ebitda-Marge soll 25 bis 27 % betragen, nach 27,3% im zweiten Quartal.

Und noch etwas trägt zur Zuversicht bei: Die Unternehmenstochter Nevaris Bausoftware GmbH vermeldete Ende des vergangenen Monats neue Verträge in Millionenhöhe mit drei renommierten Kunden.

Übernahmen verkündet

Bereits Mitte August vermeldete der Bausoftwarekonzern den Einstieg in das Geschäft mit dem Management von Gebäuden. Dafür wurden die Anteile an der belgischen MCS Solutions Gruppe komplett übernommen.

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Nemetschek-Aktie nach Prognose-Anhebung mit KurssprungDer Software-Spezialist Nemetschek bleibt nach angehobener Umsatz- und Gewinn-Prognose auf der Überholspur – hier die Details: › mehr lesen

Insgesamt scheint der Konzern für die Herausforderungen gut positioniert – wann und wie sich diese Nachrichten auf die Zahlen auswirken, ist allerdings noch etwas unsicher.

Charttechnik leicht angeschlagen

2018 kannte die Aktie bis vor kurzem nur eine Richtung: aufwärts. So konnte sich der Kurs von März bis September mehr als verdoppeln. Nach dem Erreichen des Allzeithochs bei knapp 155 Euro ging es zuletzt aber deutlich – ohne ersichtliche Gründe – stetig bergab. Bei rund 118 Euro befindet sich jetzt allerdings eine nachhaltige Unterstützungslinie, die bereits gestern getestet wurde.

Hohe Bewertung

Aus fundamentaler Sicht bleibt die Aktie trotz der jüngsten Kursgewinne hoch bewertet.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt bei über 50. Eine sehr sportliche Bewertung, die einige Vorschusslorbeeren enthält. Dies muss jedoch nicht heißen, dass die Aktie überbewertet ist. Qualität hat bekanntlich an der Börse ihren Preis. Und die Qualität stimmt bei Nemetschek.

Allerdings ist es aus meiner Sicht riskant – gerade im Hinblick auf die aktuelle Unsicherheit am Gesamtmarkt – jetzt mit einem Investment auf eine schnelle Erholung zu setzen. Warten Sie hier lieber eine Bodenbildung ab, um das Chance/Risiko-Verhältnis zu verbessern.


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Sascha Mohaupt
Von: Sascha Mohaupt. Über den Autor

Chefanalyst Sascha Mohaupt ist der Experte für Innovationen und High-Tech. In dem wohl am schwierigsten zu durchschauenden Markt für Zukunftstechnologien gibt er konkrete Kaufempfehlungen. Als Chefredakteur des Innovation Investor teilt er exklusiv seine neuesten Empfehlungen und seine Leser investieren damit schon heute in die Welt von morgen.