Nervenkrieg an den Finanzmärkten geht weiter

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Die Börsianer stoßen gerade in ungekannte Welten vor - niemand kann sagen, wann die Wirtschaft wieder richtig anläuft. Wie kann es weitergehen? (Foto: SergeyP / Shutterstock.com)

Die Börsianer stoßen gerade in ungekannte Welten vor. Der erste Virusschock mag überwunden sein. Doch niemand kann sagen, wann die Wirtschaft wieder richtig anläuft. Vergangene Woche begannen Daimler und BMW, ihre Produktion wieder anzufahren. Heute will Volkswagen auch in den Stammwerken folgen. Doch Normalität sieht anders aus, solange von politischer Seite ein zweiter Lockdown droht. Bester Indikator für die Unsicherheit bleibt der Ölpreis. Ende vergangener Woche konnte er sich von seinem Totalabsturz wieder etwas erholen. Heute morgen geht es erneut runter.

Was den Börsen Hoffnung gibt, sind Nachrichten von der Forschung nach Gegenmitteln gegen das Coronavirus bzw. von der Zunahme der Covid-19-Tests. Darüber hinaus stützen nur noch staatliche Finanzspritzen und Geld der Zentralbanken.

Hoffnung auf Zentralbankgeld in Japan

Die Aktien im asiatisch-pazifischen Raum stiegen am Morgen vor dem Hintergrund, dass die Bank of Japan ihre geldpolitische Sitzung eröffnet hat.

In Japan stieg der Nikkei um 1,77%. Aktien des Roboterherstellers Fanuc zogen dabei besonders. Das Unternehmen hatte Zahlen für das im März abgelaufene Jahr vorgelegt. Und die waren außerordentlich gut. Die Aussichten sind es auch, denn für Roboter gilt keine Quarantäne und kein Social Distancing. Die Aktien verteuerten sich um mehr als 10%.

Die japanische Zentralbank beginnt heute mit ihrer geldpolitischen Sitzung. Anleger warten gespannt auf mögliche geldpolitische Schritte der Zentralbank – auch im Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Auswirkungen der anhaltenden Coronavirus-Pandemie.

Aktien an den chinesischen Festlandsbörsen standen in der Anfangsphase des Handels unter Druck, wobei der Shanghai-Index geringfügig niedriger war, während der Shenzhen-Index 0,408% verlor.

In Südkorea legten Kospi-Aktien um durchschnittlich 1,14% zu. Auch der australische S&P/ASX 200 lag um 0,32% höher.

US-Börsen kämpfen mit Konjunktureinbruch…

Die US-Börsen haben am Freitag nach einem schwerfälligen Start im späten Handel kräftig zugelegt. Selbst der enttäuschende Ausblick des Chipgiganten Intel geriet in den Hintergrund und wurde letztlich ignoriert. Abgesehen von Nachrichten rund um die Corona-Krise hatten vor allem heftigen Verwerfungen am Ölmarkt die vergangenen Handelstage geprägt.

Der Leitindex Dow Jones Industrial ging mit einem Plus von 1,11 Prozent auf 23.775,27 Punkten ins Wochenende, nachdem er im frühen Geschäft kaum über seinen Vortagesschluss hinausgekommen war. Im Wochenverlauf steht damit dennoch ein Verlust von knapp 2 Prozent zu Buche. Allerdings hat sich das weltweit bekannteste Börsenbarometer in den zwei vorangegangenen Wochen vom Corona-Crash im März noch prozentual zweistellig erholen können.

Der marktbreite S&P 500 rückte am Freitag um 1,39 Prozent auf 2.836,74 Zähler vor. Der Nasdaq 100 stieg um 1,68 Prozent auf 8.786,60 Punkte.

Aktuelle US-Konjunkturdaten zeichneten erneut ein sehr trübes Bild, was jedoch nicht überraschte. So brachen im März die Aufträge für langlebige Wirtschaftsgüter im Monatsvergleich so stark ein wie zuletzt im Sommer 2014. Hauptgrund dafür war vor allem der massive Rückgang von Flugzeugbestellungen. Das von der Uni Michigan erhobene Konsumklima im April fiel dagegen zwar in einer zweiten Schätzung etwas besser aus, das Ausmaß der Stimmungseintrübung durch die Viruskrise bleibt aber historisch.

… und Zitterpartie beim Öl

Im Fokus blieb jedoch der Ölpreis. Die Entspannung am Ölmarkt nach dem historischen Crash am Montag war tags zuvor der Grund für wieder deutlichere Gewinne zum Handelsauftakt gewesen. Zum Handelsschluss hatte sich der Preis für die wichtigste US-Marke WTI bei um die 17 US-Dollar stabilisiert. Ölaktien wie ExxonMobil und Chevron reagierten mit weiteren moderaten Gewinnen.

Am Morgen verlor der internationale Benchmark-Future für Rohöl der Sorte Brent jedoch wieder, als er um 1,87% auf 21,04 Dollar pro Barrel fiel. Die US-Rohöl-Futures fielen weiter – und zwar um 8,44% auf $15,51 pro Barrel.

Ernüchternde Aussichten für den Handel hierzulande, der schon zum Wochenschluss mit heftigen Rückschlägen zu kämpfen hatte. Der Dax verlor 1,69 Prozent auf 10.336,09 Punkte und verbuchte auf Wochensicht ein Minus von 2,7 Prozent.

DAX vor bewegter Woche mit Zahlenflut

Marktteilnehmer hatte die Vorsicht von Anlegern mit der fortdauernden Ungewissheit begründet, wie sehr die Corona-Krise in den kommenden Quartalen auf die Ergebnisse der Unternehmen durchschlägt. Rund ein Drittel der 30 Dax-Konzerne veröffentlicht in der kommenden Woche Quartalsberichte. Investoren dürften vor allem darauf schauen, ob die Unternehmen angesichts der Corona-Krise überhaupt Aussagen für die kommenden Monate wagen – und wie diese ausfallen. Viel Optimismus ist wohl bei den meisten nicht zu erwarten.

Für den MDax der mittelgroßen Werte ging es am Freitag um 1,18 Prozent auf 22.240,69 Punkte nach unten.

Bayer und Adidas im Fokus

Ab heute wird die Zahlenflut aus den Unternehmen die Börsianer in Atem halten. Bayer gehört dabei zu den ersten, die die Bücher öffnen. Und spannend ist dabei auch der Blick in die Zukunft und wie sehr der durch die Forschung des Konzerns zur Bekämpfung des Coronavirus geprägt wird. Der Chemieriese soll in Kanada an einem Gegenmittel arbeiten.

Zeitgleich legt Adidas seine Q1-Zahlen vor. Dabei steht auch die Frage: Wie geht es weiter mit der geplanten Ablösung der KfW-Kredite? Spannend wird es heute auch bei Wirecard. Der Zahlungsabwickler will nun den eigentlich schon für die vergangene Woche geplanten KPMG-Prüfbericht vorlegen. Am Donnerstag sollen dann detaillerte Zahlen für das erste Quartal folgen.

Konjunkturdaten werden heute nicht erwartet. Viele Investoren verarbeiten auch noch die Nachricht vom vergangenen Wochenschluss, dass das Ifo-Geschäftsklima für Deutschland im April auf ein weiteres Rekordtief gerutscht war.

Generell überwiegt aber die Zuversicht. Der DAX wird zur Handelseröffnung 200 Punkte höher erwartet bei 10.542 Zählern.

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Von: Marcus Schult. Über den Autor

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