Nestlé-Aktie: Mit dieser Milliarden-Übernahme beginnt der Umbruch

Die Nestlé-Aktie könnte profitieren: Die Schweizer machen Ernst in Sachen Umbau und kaufen einen Hersteller von Vitamin-Präparaten. (Foto: Bborriss.67 / Shutterstock.com)

Seit Monaten wird darüber gesprochen, jetzt werden Fakten geschaffen:

Nestlé legt 2,3 Mrd. Dollar auf den Tisch, um Atrium Innovations, einen kanadischen Hersteller von Vitamin-Präparaten und Nahrungsergänzungs-Mitteln, zu übernehmen.

Mit einem geschätzten Jahres-Umsatz von knapp 700 Mio. Dollar und 2-stelligen Wachstumsraten in den vergangenen Jahren erhofft sich der seit Anfang 2017 amtierende Nestlé-Chef Mark Schneider neue Impulse für den Nahrungsmittel-Giganten.

Atrium-Zukauf: Starke Signalwirkung

Zwar macht Atrium nur einen Bruchteil des Nestlé-Umsatzes aus, Beobachter werten den Zukauf dennoch als wichtiges Signal.

Immerhin hat Schneider, zuvor Manager beim deutschen Gesundheits-Konzern Fresenius, bereits lang angekündigt, dass er tiefgreifende Umbrüche bei Nestlé vorantreiben will.

Dazu gehört eine stärkere Konzentration auf wachstumsstarke Bereiche wie Kaffee, Tiernahrung, Wasser – und eben den Gesundheits-Bereich.

Gerade letzterer soll zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Im Gegenzug will sich Nestlé von der Sparte trennen, die viele Kunden noch immer mit den Schweizern verbinden: den Süßwaren.

Schmerztabletten statt Schokoriegel

Ein Verkauf der Sparte könnte unmittelbar bevorstehen, schätzen Analysten.

Schneider hat stets betont, dass die Süßwaren-Sparte einerseits zu wenig Wachstum generiere und sich andererseits kaum glaubhaft verbinden lasse mit einem neuen, gesünderen Image, das er Nestlé verpassen will.

Der Bereich Consumer Healthcare wird bereits seit einigen Jahren bei Nestlé aufgebaut, soll nun aber deutlich gestärkt werden.

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Neben der Übernahme von Atrium wird den Schweizern auch Interesse nachgesagt an dem Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten des Pharma-Herstellers Merck.

Klar ist, dass Nestlé damit erst am Anfang einer längeren Umbau-Phase stehen dürfte.

Spannend bleibt das Ganze aus Anlegersicht auch dadurch, dass im Sommer der aktivistische Investor Daniel Loeb mit seinem Hedgefonds Third Point bei Nestlé eingestiegen ist und seither für mächtig Wirbel gesorgt hat.

Nestlé-Aktie: Neuer Auftrieb durch Healthcare-Ausbau?

Einen 1. Erfolg hat Loeb bereits herausschlagen können, der Konzern legt ein milliardenschweres Aktienrückkauf-Programm auf.

Zu einem Verkauf der Anteile am französischen Kosmetik-Hersteller L’Oréal, den Loeb ebenfalls einfordert, hat sich die Konzernführung dagegen noch nicht geäußert.

Loeb wird sich die Entwicklungen im Healthcare-Bereich ganz genau anschauen und auch hier womöglich in Zukunft noch das eine oder andere Wörtchen mitreden wollen.

Die Nestlé-Aktie hat sich von ihrem Rekordhoch im Sommer wieder ein Stück weit entfernt.

Im Juni war sie auf knapp unter 80 € angestiegen, zuletzt kostete die Aktie noch knapp 74 € oder 86 Schweizer Franken und war damit etwa 16% teurer als noch vor 1 Jahr.

Analysten sprangen auf die Neuigkeiten rund um den Atrium-Kauf sofort an.

Goldman Sachs, Kepler Cheuvreux und JP Morgan gaben aktuelle Kaufempfehlungen heraus, die Kursziele liegen bei 95 bzw. 97 Schweizer Franken.

2017-12-07 Nestle


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.