Nestlé-Aktie: Was ist da denn los?!

In der Schweiz geht ein bedeutsames Jubiläumsjahr zu Ende: Nestlé feierte 2016 sein 150-jähriges Bestehen.

Doch abgesehen vom runden Geburtstag gab es wenig Grund zum Jubeln bei dem Lebensmittel-Giganten;

Quartal für Quartal blieben Umsatz und Gewinn hinter den externen wie auch den eigenen Erwartungen zurück.

Da ist es kaum verwunderlich, dass sich die Flaute auch im Aktienkurs niederschlägt:

Nach einem Jahreshoch von knapp 74 €, das im August erzielt wurde, ging es für die Nestlé Aktie rapide abwärts bis Anfang Dezember.

Seitdem hat das Papier zwar wieder etwas Boden gut gemacht und um rund 6% zugelegt auf zuletzt rund 68 €.

Doch für einen eigentlich defensiven Titel sind derartig heftige Kurs-Ausschläge, wie sie in diesem Jahr zu beobachten waren, doch eher selten.

Schwieriges Umfeld

Allerdings ist Nestlé mit der Misere nicht allein: Auch die Konkurrenten aus der Nahrungsmittel-Branche wie etwa Unilever oder Danone haben in den vergangenen Monaten heftige Kursverluste eingefahren.

Das liegt nicht zuletzt am Marktumfeld und der Großwetterlage an den Aktienmärkten: Die Aussicht auf Inflation und steigende Zinsen lässt viele Anleger umschichten.

Sie orientieren sich zunehmend weg von defensiven Werten, die sich oftmals durch Stabilität, langfristiges Wachstum und starke Dividenden auszeichnen.

Stattdesse wenden sie sich den Profiteuren steigender Zinsen zu. Dazu zählen v. a. Titel aus der Finanz- und Banken-Branche, die zuletzt deutlich zulegen konnten.

Aber die Probleme von Nestlé sind nicht nur der Stimmung an den Märkten geschuldet, vielmehr haben die Schweizer auch einiges an hausgemachten Schwierigkeiten zu bewältigen.

Nestlé-Aktie: Neuer Chef, neuer Schwung?

Das langfristige Ziel von 5 – 6% organischem Wachstum pro Jahr wird auch 2016 wieder klar verfehlt. Zuletzt wurde sogar das Umsatz-Wachstumsziel für das Gesamtjahr von 4,2 auf 3,5% nach unten korrigiert.

Auch der Wechsel an der Konzernspitze wird von einigen Beobachtern inzwischen skeptischer eingeschätzt:

Zu Anfang Januar wechselt der seit 2008 amtierende CEO Paul Bulcke an die Spitze des Verwaltungsrats. Den Posten des Vorstandsvorsitzenden übernimmt dann der langjährige Fresenius-Chef Ulf Mark Schneider.

Die Bekanntgabe des Wechsels im Frühsommer wurde an der Börse mit einem kräftigen Kursplus gefeiert, kann Schneider bei Fresenius doch auf einige Erfolge verweisen.

Skeptische Stimmen mahnen allerdings, dass ihm womöglich die Erfahrung im Food-Segment fehlt, um Nestlé wieder auf die richtige Spur zu führen.

Analysten raten zum Kauf

Schwierigkeiten hat Nestle auch bei der Margen-Entwicklung. Preis-Erhöhungen waren zuletzt kaum möglich, Gewinnsteigerungen fast nur noch durch steigende Absatzzahlen realisierbar.

Die sinkende Nachfrage nach Produkten wie Erdnussmilch am chinesischen Markt konnten die Schweizer bislang ebenfalls kaum kompensieren.

Dennoch zeigten sich Analysten zuletzt unterm Strich optimistisch. Mit großer Mehrheit sprachen sie Kaufempfehlungen für die Nestlé-Aktie aus.

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30. Dezember 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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