Nestle Aktie: So will der Konzern die Krise überwinden

Die Nestle Aktie steht unter Druck: Nach 2017 scheint auch 2018 ein Jahr des Übergangs zu werden. Längerfristig sind Analysten optimistisch. (Foto: Bborriss.67 / Shutterstock.com)

Nestle hat ein Luxusproblem. Das Unternehmen ist bereits Weltmarktführer, kein anderer Lebensmittelhersteller ist größer. Weltweit ist das Schweizer Unternehmen mit seinen Produkten vertreten, jeweils mit länderspezifischen Marken und Produkten, die auf den regionalen Geschmack zugeschnitten sind.

Kaum ein Haushalt kommt noch ohne Produkte von Nestle aus, das ist schon seit Jahrzehnten so. Und genau hier liegt das Problem: Nestle ist so groß, dass es ihm schwerfällt, weiter zu wachsen.

Wachstum aber gilt nach wie vor als das A und O im kapitalistischen Wirtschaftsmodell und insbesondere an der Börse. Was also tun, wenn die angestammten Bereiche sich zwar als halbwegs stabil erweisen, aber nicht mehr wachsen wollen?

5 Prozent organisches Wachstum – aber erst 2020

Mit Mark Schneider ist vor wenigen Jahren ein Mann an die Spitze von Nestle getreten, der das Unmögliche möglich machen will. Er hat sich zum Ziel gesetzt, den Konzern wieder auf Wachstumskurs zu bringen, konkret soll im Jahr 2020 ein organisches Wachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich wieder Realität werden – eine Zielmarke, an der Nestle bereits seit Jahren immer wieder vorbeischrammt.

Dass das organische Wachstum im vergangenen Jahr mit gerade einmal 2,4 Prozent erheblich geringer ausfiel, wird von vielen Beobachtern darauf zurückgeführt, dass 2017 als Übergangsjahr in der längerfristigen Betrachtung angesehen werden muss.

Nestle hat damit begonnen, sich von wenig lukrativen Geschäftsfeldern zu trennen und stattdessen andere Bereiche zu stärken. Konkret wollen sich die Schweizer künftig vor allem auf die Ausweitung der Bereiche Baby- und Tiernahrung sowie Kaffee und Wasser konzentrieren.

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Umbau der Produktpalette

Verabschiedet hat man sich unterdessen nach langer Ankündigung vom US-Süßwarengeschäft, das derzeit an den italienischen Süßwarenhersteller Ferrero verkauft wird. Der Deal soll voraussichtlich zum Ende des laufenden Quartals abgeschlossen werden.

Mit der Neuausrichtung geht auch ein Imagewechsel einher: Nestle will künftig nicht mehr in erster Linie mit zucker- und fetthaltigen Süßwaren und Fertigprodukten in Verbindung gebracht werden, sondern sich auf den Trend hin zur gesundheitsbewussten Ernährung fokussieren.

Vitaminprodukte, Nahrungsergänzungsmittel oder vegane Lebensmittel sollen das Portfolio bereichern. Etliche Zukäufe in diese Richtung wurden bereits realisiert, weitere dürften in nächster Zeit auf der Agenda stehen.

Nestle Aktie: Ein weiteres Übergangsjahr?

Dass Nestle selbst auch für 2018 das prognostizierte organische Wachstum mit nur 2 bis 4 Prozent beziffert und damit hinter den Erwartungen der Analysten zurückbleibt, spricht dafür, dass man auch das neue Jahr noch als Übergang betrachtet.

Anleger zeigten sich von diesem Ausblick zuletzt wenig begeistert. Nach monatelanger Seitwärtsbewegung ging es für die Nestle Aktie zuletzt bergab, in den vergangenen sechs Monaten hat sie gut 8 Prozent an Wert verloren und war am Freitag für rund 65 Euro oder 75 Schweizer Franken zu haben.

Analysten sehen jedoch mehrheitlich Aufwärtspotenzial für die Aktie und Nestle insgesamt auf einem guten Weg, seine für 2020 gesteckten Ziele zu erreichen. Die Kurszielspanne der jüngsten Kaufempfehlungen bewegt sich in einem Rahmen von 86 Franken (Baader Bank) bis 97 Franken (JP Morgan).


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.