Nestle Aktie: Tauziehen mit Edeka und kein Ende in Sicht

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Die Nestle Aktie bleibt im Keller: Der Streit mit Edeka belastet die Umsatzentwicklung der Schweizer, ein Ende ist nicht in Sicht. (Foto: Bborriss.67 / Shutterstock.com)

Der Streit erinnert ein bisschen an die Frage nach der Henne und dem Ei – nur dass es in diesem Fall nicht darum geht, wer zuerst da war, sondern darum, wer am längeren Hebel sitzt.

Wer ist stärker auf wen angewiesen, wer hat die Macht, Preise und Bedingungen zu bestimmen – die Lebensmittelhersteller oder die Einzelhändler? Seit Wochen ringen Nestle und Edeka halb öffentlich darum, wer die stärkere Position hat.

Edeka will bei den Schweizern niedrigere Einkaufspreise durchsetzen – und hat als Konsequenz aus den festgefahrenen Verhandlungen etliche Nestle-Produkte aus seinen Regalen verbannt. Bereits seit Wochen sind sie in den Edeka-Filialen nicht mehr verfügbar.

Riskanter Preispoker

Das Spiel ist riskant für beide Seiten: Einerseits trifft Nestle der Boykott an einer empfindlichen Stelle. Immerhin muss der Lebensmittelgigant Umsatzeinbußen hinnehmen, und ein stärkeres organisches Umsatzwachstum steht bereits seit Jahren weit oben auf der Agenda des Konzerns. Andererseits erfreuen sich viele Nestle-Produkte großer Beliebtheit bei den Kunden, die womöglich bei der Konkurrenz einkaufen, wenn sie das gewünschte Angebot bei Edeka nicht mehr vorfinden.

Einen weiteren Anreiz, beispielsweise zu Rewe zu wechseln für den Haushaltseinkauf, hat Nestle zudem selbst geschaffen. In Reaktion auf den andauernden Streit mit Edeka werden bestimmte Produktneuheiten nun exklusiv über den Konkurrenten Rewe vertrieben, beispielsweise die stark beworbenen rosafarbenen Kitkat-Schokoriegel.

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Unterm Strich schadet das Tauziehen somit – zumindest kurzfristig – beiden Parteien, zumal eine Annäherung weiterhin auf sich warten lässt. Inwieweit sich der Streit letztlich in der Bilanz von Nestle niederschlagen wird, muss sich zeigen. In jedem Fall hat der weltgrößte Lebensmittelhersteller bereits damit begonnen, seine Strukturen zu verschlanken und beispielsweise Produktionskapazitäten zu bündeln. So wurden mehrere Standorte geschlossen, um die Produktion bestimmter Lebensmittel für ganze Kontinente in wenigen Werken zu konzentrieren und somit kosteneffizienter zu werden.

Nestle Aktie: Gigant im Umbau

Nestle befindet sich bereits seit einigen Jahren in einer tiefgreifenden Umbauphase. Der Konzern hat sich jüngst von seinem US-Süßwarengeschäft verabschiedet, das an Ferrero veräußert wurde, und plant für die Zukunft insgesamt, stärker auf gesundheitsfördernde Lebensmittel zu setzen statt auf Süßigkeiten und fettige Fast-Food-Produkte.

Vorangetrieben wird der Neuanfang durch Nestle-Chef Mark Schneider, der zuvor für den deutschen Gesundheitskonzern Fresenius tätig war, sowie durch den aktivistischen Großaktionär Daniel Loeb, der im vergangenen Jahr mit seinem Hedgefonds Third Point bei Nestle eingestiegen war und seither Druck auf die Geschäftsführung ausübt.

Anleger, die auf die Nestle Aktie setzen, könnten gute Nachrichten jedenfalls gut gebrauchen. Immerhin dümpelt der Aktienkurs auf Jahressicht rund 10 Prozent im Minus. Zuletzt war das Papier für rund 65 Euro oder 78 Schweizer Franken zu haben. Glänzen kann der defensive Wert seit jeher vor allem durch seine starke Dividende.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.