Nestle Aktie: Turnaround voraus?

Die Nestle Aktie dümpelt vor sich hin, doch damit könnte es bald vorbei sein. Werden die Ziele von Investor Loeb umgesetzt? (Foto: Bborriss.67 / Shutterstock.com)

Steht Daniel Loeb kurz vor seinem Ziel?

Der aktivistische Investor war im vergangenen Jahr mit seinem Fonds Third Point als Großaktionär beim Schweizer Lebensmittelkonzern Nestle eingestiegen – und hatte seither den Druck auf das Management erhöht.

Seine zentralen Forderungen: Erstens, eine strengere Überprüfung des Portfolios, inklusive Trennung von wenig lukrativen Geschäftsbereichen, wie etwa dem Geschäft mit Tiefkühlkost oder Eiscreme. Zweitens, eine stärkere Fokussierung auf wachstumsträchtige Bereiche, beispielsweise das Geschäft mit Kaffee. Drittens, ein beschleunigter und umfassender Aktienrückkauf. Viertens, eine Trennung von den Anteilen am Kosmetikhersteller L’Oreal.

Loebs Forderungen finden Gehör

Rund ein Dreivierteljahr nach seinem Einstieg ist ein Großteil seiner Forderungen bereits durch den Vorstand in Angriff genommen worden. Bekanntlich hat der ehemalige Fresenius-Chef Mark Schneider, der die Geschicke bei Nestle als erster externer Vorstandschef lenkt, den Konzernumbau aktiv vorangetrieben – weg von den ungesunden Süßigkeiten und Fast-Food-Produkten, hin zum Gesundheitskonzern, der auf die neuen Bedürfnisse der Kunden eingeht.

Das Süßwarengeschäft mit Klassikern wie den Kitkat-Schokoriegeln hat Nestle Anfang des Jahres veräußert an den italienischen Süßwarenhersteller Ferrero. Auch ist es inzwischen erklärtes Ziel des Managements, die Bereiche Kaffee, Wasser, Baby- und Tiernahrung stärker in den Fokus zu rücken – hier verspricht man sich in den kommenden Jahren die besten Wachstumsaussichten.

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Und das ist nicht ganz irrelevant, immerhin verfehlen die Schweizer bereits seit Jahren ihre selbstgesteckten organischen Wachstumsziele, die bei 5 Prozent angesetzt wurden. In den kommenden Jahren soll die Trendwende nun gelingen, sehr zum Gefallen von Loeb und anderen Investoren.

Nestle Aktie: Turnaround voraus?

Die dritte Forderung, ein großangelegtes Aktienrückkaufprogramm, steht ebenfalls auf der Agenda des Vorstands. 20 Milliarden Schweizer Franken sollen bereitgestellt werden, Loeb fordert noch mehr und vor allem eine schnellere Umsetzung des Rückkaufprogramms. Hier ist das letzte Wort womöglich noch nicht gesprochen.

Punkt vier auf der Liste, der Verkauf der L’Oreal-Anteile, könnte nun ebenfalls bevorstehen. Zwar hat Nestle bislang bekräftigt, die Anteile nicht verkaufen zu wollen, doch Ende März läuft ein Aktionärspakt aus, den Nestle mit L’Oreal im Jahr 1974 geschlossen hatte. Dann dürften die Schweizer ihren 23-prozentigen Anteil am Kosmetikkonzern veräußern.

Wird auch diese Forderung Loebs umgesetzt, bieten sich für die Nestle Aktie neue Perspektiven. Zuletzt stand der Kurs unter Druck, hat auf Jahressicht rund 13 Prozent an Wert eingebüßt. Seit dem Einstieg von Loeb und Third Point, der den Kurs im vergangenen Sommer auf ein Allzeithoch knapp unter 80 Euro getrieben hatte, ging es kontinuierlich abwärts.

Zum Wochenende kostete die Nestle Aktie noch knapp 63 Euro oder fast 74 Schweizer Franken. Analysten sind dennoch grundsätzlich zuversichtlich: Nestle gilt als stabiler, defensiver Wert und beglückt seine Anleger zudem regelmäßig mit einer satten Dividende.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.