Nestle-Aktie: Warum Analysten plötzlich skeptisch sind

Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestle steht womöglich vor einschneidenden Problemen – zumindest aus Sicht der Aktionäre.

Denn das wachstumsverwöhnte Unternehmen stößt allmählich an seine Grenzen. Die Schwellenländer, die in den vergangenen Jahren als Wachstumsgarant galten, scheinen langsam aber sicher gesättigt zu sein.

Nestle wächst langsamer

Zwar werden Lebensmittel immer gekauft und sind weniger konjunkturabhängig als etwa Luxusgüter. Doch das organische Wachstum blieb zuletzt hinter den konzerneigenen Zielen von 5 bis 6 Prozent zurück und lag nur noch bei etwa 4,5 Prozent pro Jahr.

Um die Geschäftszahlen dennoch aufzuhübschen, hat Nestlé einige strategische Entscheidungen getroffen und das eigene Portfolio umgebaut. So hat man sich etwa im vergangenen Jahr von den Anteilen an der französischen Kosmetikmarke L’Oréal getrennt.

Allerdings sind die Spielräume für weitere Spartenverkäufe inzwischen ziemlich überschaubar. Viel wird da in nächster Zeit wohl nicht mehr zu erwarten sein.

Anleger enttäuscht, Analysten skeptisch

Anleger zeigten sich zuletzt trotz einer Dividendenrendite von gut 3 Prozent und einer Ausschüttung von 2,20 Franken für das abgelaufene Geschäftsjahr enttäuscht. Sie fordern über das laufende Aktienrückkaufprogramm hinaus weitere Anstrengungen des Managements, um aus ihrem Investment Profite zu schöpfen.

2015-06-19 Nestle

Auch Analysten sind derzeit eher skeptisch. Die meisten Studien bewerteten das Papier zuletzt neutral und betrachteten auch die aktuelle Bewertung zwischen 70 und 80 Schweizer Franken als angemessen.

Seit Monatsbeginn sind zudem zwei optimistische Stimmen hinzugekommen: Experten von der Citigroup gaben ein Kursziel von 87 Schweizer Franken nebst Kaufempfehlung aus. Die Kollegen von JP Morgan schlossen sich der positiven Tendenz etwas vorsichtiger an und setzten das Kursziel Anfang der Woche auf 81 Franken.

Qualitätsmängel in indischen Teigwaren

Für Schwierigkeiten könnten kurzfristig negative Schlagzeilen über Qualitätsmängel sorgen: In Asien wurden in Nudeln der Marke Maggi erhöhte Bleiwerte sowie der Zusatz von monosodischem Glutamat festgestellt, beides gilt als gesundheitsschädigend.

Nun droht eine Klage in Indien, die im Falle wohl unter anderem ein Bußgeld für Nestlé nach sich ziehen würde. Die Schweizer weisen die Vorwürfe zurück und wollen ihrerseits mit den zuständigen Behörden kooperieren.

Je nach Verlauf und Ausgang des Verfahrens drohen der Aktie weitere Rückschläge. Dass sie imstande ist, diese gut zu verdauen, hat sie allerdings Anfang des Jahres bereits nach dem „Franken-Schock“ unter Beweis gestellt: Als die Schweizer Notenbank überraschend die Koppelung des Franken an den Euro aufhob, rauschten die Aktien zahlreicher Schweizer Unternehmen in den Keller.

Auch Nestlé war von der Verkaufswelle betroffen, erholte sich aber binnen kürzester Zeit. Langfristig orientierte Anleger schätzen neben dem konjunkturunabhängigen Geschäftsmodell vor allem die soliden Zahlen des Traditionsunternehmens. Selbst wenn das Wachstum zuletzt etwas abbremst – ein Stillstand ist das noch lange nicht.

9. Juli 2015

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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