Nestle Aktie: Strotzt vor Kraft und erreicht neues Allzeithoch

Die Schweizer Wirtschaft ächzt unter dem Beschluss der Notenbank SNB, den Franken nicht länger an den Euro zu koppeln. Drei Jahre lang hatte ein Mindestwechselkurs von 1,20 gegolten, doch den haben die Notenbanker im Januar überraschend aufgehoben.

Die Schweizer Börse rauschte daraufhin in den Keller und verlor binnen kürzester Zeit rund 14 Prozent. Vor allem die Tourismusbranche und Unternehmen, die stark auf Exporte ihrer Produkte angewiesen sind, leiden unter der Entscheidung.

Nestlé: Produktionsauslagerung rettet Geschäftsbilanz

Deutlich glimpflicher kommt der Nahrungsmittelhersteller Nestlé davon. Nicht nur den Vertrieb, sondern auch die Produktion der Waren hat der Weltmarktführer weitgehend in andere Länder verlagert. 98 Prozent des Umsatzes werden auf diese Weise außerhalb der Schweizer Grenzen erwirtschaftet. Davon entfallen etwa die Hälfte auf Nord- und Südamerika und jeweils rund 25 Prozent auf Europa und Asien.

Von der Wechselkursproblematik ist Nestlé nur insofern betroffen, als die Bilanz in Schweizer Franken ausgewiesen wird. Auf dem Papier könnte sich der Effekt also niederschlagen, doch die Fundamentaldaten sprechen für sich.

Zudem rechnen Beobachter damit, dass die Jahresbilanz für 2014, die am 19. Februar vorgelegt wird, erfreulich ausfallen dürfte. In den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres hat Nestlé einen Umsatz von gut 66 Milliarden Schweizer Franken erwirtschaftet und verzeichnet damit ein organisches Wachstum von 4,5 Prozent.

Analysten: langfristig optimistisch, kurzfristig zwiegespalten

Auch Analysten sind zuversichtlich, nicht nur was die Geschäfte des Konzerns betrifft, sondern auch die Entwicklung des Aktienkurses.

2015-02-07 Nestle

Der kann sich durchaus sehen lassen: In den vergangenen fünf Jahren ist ein klarer, stetiger Aufwärtstrend erkennbar. In diesem Zeitraum hat sich der Wert der Aktie in Euro mehr als verdoppelt von etwas über 30 auf inzwischen fast 70 Euro. Einen deutlichen Kurssprung verzeichnete das Papier zudem seit Beginn des Jahres: Allein im letzten Monat legte die Aktie um mehr als 12 Prozent zu.

Kurzfristig geht die Prognose der Analysten folglich auseinander: Während einige bereits die 80-Euro-Marke anpeilen, gehen andere von einer Konsolidierung in Richtung 60 Euro aus. Grundsätzlich allerdings zweifelt niemand ernsthaft an einer weiterhin stabilen Wachstumsentwicklung bei Nestlé – allein der Einstiegszeitpunkt für Aktionäre will wohlüberlegt sein.

Nestlé setzt auf Produktinnovationen mit Pharma-Touch

Mit Blick auf die Zukunft verlässt sich das Unternehmen nicht nur auf seine ebenso umfassende wie erfolgreiche Produktpalette, sondern setzt zusätzlich auf Innovation. In Forschungslaboren wird an neuartigen, potenziell gesundheitsfördernden Lebensmitteln wie etwa Schlankheitsriegeln und –Smoothies geforscht.

Funktionale Nahrungsmittel lassen auch die Grenzen zur Pharmaindustrie zunehmend verschwimmen – und in puncto Pharma sind die Schweizer bekanntlich ebenfalls sehr erfolgreich.

7. Februar 2015

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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