Nestlé holt neuen Chef: Das ändert sich jetzt

Neues Jahr, neuer Chef, neues Wachstumsglück? – Abwarten! In jedem Fall bringt Ulf Mark Schneider, vormals Fresenius-Manager, jetzt Nestlé-Chef, frischen Wind in das Schweizer Unternehmen.

Zum 1. Mal seit 1922 holt sich Nestle einen Chef von extern ins Haus. Schon das allein kann als klares Zeichen für einen bevorstehenden Wandel gewertet werden.

Noch deutlicher wird die Zäsur, wenn man den fachlichen Hintergrund Schneiders berücksichtigt:

Healthcare statt Tiefkühlpizza

Der neue Chef bringt jahrzehntelange Erfahrung im Gesundheits-Bereich mit. Das ist genau die Sparte, in die Nestle künftig stärker vordringen will.

Sowohl die Gewinnmargen als auch die Wachstums-Chancen im sogenannten Healthcare-Bereich sind wesentlich besser als bei industriell gefertigten Nahrungsmitteln.

Das liegt an verschiedenen Faktoren; insbesondere in den reichen westlichen Industrie-Nationen findet ein weitreichender Wandel im Lifestyle-Bereich statt:

  • Anstelle von günstigen, schnell zubereiteten Fertig-Mahlzeiten sind zunehmend frische Produkte gefragt.
  • Biomärkte boomen inzwischen in jeder größeren deutschen Stadt.
  • Die Anzahl der Menschen, die sich bewusst vegetarisch oder vegan ernähren, nimmt zu.
  • Daneben sind auch Lebensmittel-Unverträglichkeiten stärker auf dem Vormarsch, laktose- oder glutenfreie Produkte nehmen inzwischen ganze Regalmeter im Supermarkt ein.
  • Auch legen viele Verbraucher Wert auf zucker- und fettreduzierte oder kalorienarme Lebensmittel.

Schneider in Doppel-Funktion

Wie wesentlich die Gesundheits-Sparte für Nestle künftig sein soll, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass Schneider diesen Bereich höchstpersönlich führen wird.

Dabei dürften ihm sein Erfahrungsschatz und womöglich auch sein Netzwerk im Gesundheits-Bereich zugutekommen.

Doch Beobachter befürchten, dass es für Nestlé schwierig werden dürfte, in diesem Bereich zu wachsen.

Zumindest vermuten sie, dass es wohl noch eine Weile dauern wird, bis die aktuellen Anstrengungen Früchte tragen werden. Am ehesten zu realisieren wäre das wohl durch Zukäufe.

Die liquiden Mittel sind dabei nicht das Problem, Nestle könnte problemlos Akquisitionen im zweistelligen Milliarden-Bereich vornehmen.

Doch gerade die Gesundheits-Sparte ist teuer – zumal sich hier zunehmend auch Pharma-Konzerne tummeln.

Und bei Nestlé selbst macht der Bereich bislang nur einen Bruchteil des Gesamt-Volumens aus.

Nestlé-Aktie – das Schlimmste vorbei?

Trotzdem bleibt den Schweizern keine Wahl; sie müssen es versuchen.

In den letzten 4 Jahren hat Nestle sein selbstgestecktes Ziel, jährlich ein organisches Wachstum von 5 – 6% zu erreichen, regelmäßig verfehlt.

Im Jubiläumsjahr 2016, als das Unternehmen sein 150-jähriges Bestehen feierte, fuhren die Schweizer in den ersten 9 Monaten mit einem Umsatz-Plus von gerade einmal 3,3% das schwächste Ergebnis seit mehr als 10 Jahren ein.

Immerhin: Die Nestlé-Aktie konnte sich zuletzt von ihrem Tiefflug wieder etwas erholen und hat seit Anfang Dezember kräftig zugelegt.

Analysten schätzen zudem, dass die Talsohle durchschritten ist: Sie bescheinigen der Nestle Aktie mehrheitlich Aufwärts-Potenzial und empfehlen das Papier zum Kauf.

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13. Januar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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