Nestlé kämpft um die Marktführerschaft im Kaffee-Business

Der Kaffeemarkt, der neue Goldrausch? (Foto: portumen / shutterstock.com)

Im ersten Teil meines Schlussgong-Branchenberichts Kaffee bin ich gestern auf die wachsende Marktmacht der JAB-Holding der deutschen Milliardärs-Familie Reimann eingegangen. Seit 2012 wird hier eine extrem starke Marktposition im Kaffee-Geschäft aufgebaut.

Dabei konzentriert sich der Familien-Clan auf das margenträchtige Geschäft des Kaffee-Konsums außer Haus. Dieses Phänomen des Kaffee-to-go startete seinen Siegeszug in den USA und ist in den vergangenen Jahren ebenfalls in Europa angekommen. Ein Garant für den Kaffee-Siegeszug ist das US-Unternehmen Starbucks.

Der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé, traditionell ein Gigant im Kaffee-Markt, der seit Jahrzehnten für seinen Instant-Kaffee Nescafé und Nespresso bekannt ist, befürchtet nun, seine Spitzenstellung in diesem Bereich zu verlieren.

Eine Situation, die in der Konzernleitung sicherlich mehr als ein leichtes Unbehagen ausgelöst hat. Denn Nestlé setzt auch weiterhin auf den Verkaufsschlager Kaffee. Die stärkere Konkurrenz wird kritisch von den Analysten und Investoren gesehen und ließ zuletzt den Aktienkurs etwas bröckeln. Doch die Schweizer sind zu finanzstark, um sich kampflos geschlagen zu geben.

Nestlé vertreibt nun Starbucks-Produkte

Die neue starke Konkurrenz im Boom-Markt Kaffee ist also eine mehr als unerfreuliche Situation für die Schweizer, die dringend behoben werden muss. Auch deshalb hat sich Nestlé entschlossen, für üppige 7,15 Milliarden Euro weltweit die Rechte für die Vermarktung der Konsum- und Gastronomieprodukte von Starbucks in Supermärkten zu erwerben.

Die rund 28.000 Starbucks-Filialen sind von diesem Deal mit Nestlé nicht betroffen. Starbucks, die Nummer eins im US-Kaffeemarkt, hat mit der jetzt verkauften Sparte zuletzt rund zwei Milliarden Dollar (1,7 Milliarden Euro) Umsatz generiert.

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Analysten begrüßen den Schritt

Die meisten Analysten bewerten diesen Schritt von Nestlé als positiv. So äußert sich Jon Cox, Analyst beim Finanzdienstleister Kepler Cheuvreux: „Das Geschäft gibt Nestlé kritische Masse in den USA, dort waren sie bisher unterrepräsentiert. Es hat großes Potenzial, Starbucks-Produkte über die Distributionskanäle von Nestlé zu vertreiben.“ Deshalb sei der Preis angemessen.

Nestlé ist aus dem Dornröschen-Schlaf erwacht

Auch ich bewerte diese Akquisition trotz des hohen Kaufpreises positiv. In den vergangenen Jahren schien sich Nestlé ein wenig auf den Lorbeeren der Vergangenheit auszuruhen. Es brauchte offensichtlich einen ernstzunehmenden Mitbewerber wie die JAB-Holding, um diesen gefährlichen Dornröschen-Schlaf zu beenden.

Nun verstärkt der Schweizer Konzern seine Aktivitäten in einem lupenreinen Wachstumsmarkt. Denn das sehen wir auch in Deutschland: Kaffee-to-go läuft und findet eine immer breitere Akzeptanz in der Bevölkerung. Der Zukauf wird daher der Nestlé-Aktie mittelfristig wieder Rückenwind geben.

Die nächsten Quartalszahlen abwarten

Auch wenn die Schweizer nun ihr Engagement im Wachstumsmarkt Kaffee weiter ausbauen, empfehle ich konservativen Anlegern, vor einem Aktien-Engagement in Nestlé zumindest noch die nächsten Quartalszahlen abzuwarten.

Denn in der jüngsten Vergangenheit sind zum Teil die Unternehmensziele verfehlt worden. Hier muss erst noch das Vertrauen der Investoren zurückgewonnen werden! Um es klar zu sagen: Ich bin optimistisch, dass sich dieser Zukauf auszahlen wird, möchte aber vor einer Anlageentscheidung Zahlen sehen, die diese positive Einstellung untermauern.


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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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