Nestlé: Lebensmittelkonzern bringt Aimmune Therapeutics-Übernahme in trockene Tücher

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Der Lebensmittelriese Nestle schluckt den Medikamentenentwickler Aimmune Therapeutics. Der milliardenschwere Deal stärkt die Position im Kampf gegen Lebensmittelallergien. (Foto: Bborriss.67 / Shutterstock.com)

Bereits im August war die geplante Übernahme bekanntgegeben worden, jetzt meldet der Schweizer Lebensmittelgigant Nestlé Vollzug: Die Mindestangebotsbedingungen für die Übernahme des amerikanischen Unternehmens Aimmune Therapeutics sind am 13. Oktober akzeptiert worden. Damit ist der Weg frei für die Transaktion. Mit dem Deal stärkt Nestlé sein Portfolio im Bereich Lebensmittelallergien.

Fokus auf Lebensmittelallergien

Mit Aimmune Therapeutics will Nestlé ein auf Lebensmittelallergien spezialisiertes US-Unternehmen schlucken. Nestlé ist bereits seit Jahren an der Firma beteiligt und lässt sich die vollständige Übernahme nochmals ein paar Milliarden kosten. Beheimatet ist Aimmune Therapeutics in San Francisco. Das Unternehmen entwickelt und vermarktet Medikamente zur Behandlung lebensbedrohlicher Lebensmittelallergien. Das vom Unternehmen verkaufte Medikament Palforzia etwa ist die erste und einzige von den US-Behörden zugelassene Behandlung gegen Erdnussallergie bei Kindern im Alter von 4 bis 17 Jahren.

Nestlé hält 84% an Aimmune Therapeutics

Nestlé hält nach Ablauf der Zeichnungsfrist 84% an Aimmune Therapeutics. Nach dem Angebot im August schoss die Aktie von 12 auf über 34 Dollar in die Höhe. Die Nestlé-Tochter Nestlé Health Science (NHSc) hatte erstmals im November 2016 eine Beteiligung von 145 Millionen Dollar erworben und diese im Februar 2018 um 30 Millionen, im November 2018 um 98 Millionen und im Januar 2020 um 200 Millionen erhöht. Insgesamt wird der Konzern mit der Übernahme mit 2,6 Milliarden Dollar bewertet.

Satter Aufschlag für Aktionäre

Die Aimmune-Aktionäre haben 34,50 Dollar je Aktie erhalten. Das entspricht einer satten Prämie von 174% gegenüber dem Schlusskurs am 28. August 2020. Finanzieren will Nestlé die Transaktion, die im vierten Quartal abgeschlossen werden soll, mit liquiden Mitteln. Insgesamt muss die Nestlé-Tochter rund zwei Milliarden Dollar für Aimmune Therapeutics auf den Tisch legen.

Großes Marktpotenzial im Blick

Von dem Medikament Palforzia erwartet sich Nestlé viel: Immerhin handelt es sich bei dem Medikament um das einzige von der US-Arzneimittelbehörde zugelassene Mittel gegen Erdnussallergie, einschließlich Anaphylaxie. Kurz zum Hintergrund: Die Anaphylaxie ist eine potentiell lebensbedrohliche systemische Immunreaktion, die auf einer Allergie beruht.

Eine Zulassungsentscheidung für Europa wird noch 2020 und für die Schweiz 2021 erwartet. Nestlé zufolge leiden weltweit bis zu 240 Millionen Menschen unter einer Lebensmittelallergie, wobei eine Erdnussallergie am häufigsten auftritt.

Blockbuster-Potenzial erwartet

Der Kauf von Aimmune soll sich 2021 positiv auf das organische Wachstum des Konzerns auswirken und ab 2022/23 einen positiven Beitrag zum Gesamtergebnis leisten. Bislang verbrennt Aimmune allerdings noch ordentlich Geld. Allein im letzten Jahr summierten sich die Verluste auf 248,5 Millionen Dollar. Doch mit der Zulassung und dem anlaufenden Verkauf soll sich die Situation bald ändern: Der Chef der Nestlé-Tochter Greg Behar traut dem Mittel mehr als eine Milliarde Dollar Jahresumsatz zu.

Bewegung im Beteiligungsportfolio

Die Übernahme von Aimmune Therapeutics ist der erste milliardenschwere Firmenkauf von Nestlé in diesem Jahr. Gut möglich, dass es weitere Veränderung im Beteiligungsportfolio der Westschweizer geben wird. Erst im August stieß der Nahrungsmittelkonzern das Wassergeschäft in China ab. Nestlé prüft auch einen Verkauf von Teilen seiner Wassersparte in Nordamerika, darunter die Marke Pure Life. Bis Anfang 2021 soll eine entsprechende strategische Prüfung abgeschlossen sein. Die Sparte gilt seit längerem als Sorgenkind des Unternehmens.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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