Nestlé: Nahrungsmittelriese treibt Konzernumbau weiter voran

Nestle Logo RED_shutterstock_331412864_Ken Wolter

Der Nahrungsmittelriese Nestlé stößt sein milliardenschweres Speiseeisgeschäft ab und treibt den Konzernumbau weiter voran. (Foto: Ken Wolter / shutterstock.com)

Seit der Nestlé-Boss Mark Schneider im vergangenen Jahr das Ruder bei dem weltgrößten Nahrungsmittelkonzern übernommen hat, geht es mit der Aktie steil bergauf. Um satte 50% hat der Kurs seither an Wert zugelegt. Das liegt vor allem am Konzernumbau, den Schneider mit Hochdruck vorantreibt. Jetzt soll der Verkauf der Speiseeissparte für einen milliardenschweren Zufluss sorgen.

Häaen-Dasz wechselt den Besitzer

Für den Preis von 4 Milliarden Dollar soll das US-Eisgeschäft den Besitzer wechseln. Käufer ist das zusammen mit dem Finanzinvestor PAI Partners betriebene Gemeinschaftsunternehmen Froneri. Für Froneri liegt das Ziel der Transaktion klar auf der Hand. Der Konzern will die weltweite Eiscreme-Marktführerschaft.

Sie müssen wissen: Zur Zeit ist Froneri vor allem in Europa, Lateinamerika, Afrika und im asiatisch-pazifischen Raum tätig. Mit dem Zukauf des Nestlé-Geschäfts wird der Konzern auf einen Schlag seine Position in den USA massiv verbessern. Da der US-Markt der weltweit größte Eismarkt ist, erhofft sich Froneri zusätzliches Wachstumspotenzial durch den Deal.

Froneri zahlt den 2,2-Fachen Umsatz

Zuletzt erwirtschaftete das Speiseeisgeschäft von Nestlé USA einen Jahresumsatz von 1,8 Milliarden Dollar. Froneri legt also das 2,2-Fache des Jahresumsatzes für das Eisgeschäft auf den Tisch und erhält dafür Zugang zu bekannten Marken wie Häagen-Dazs, Drumstick und Out­shine. Mit dem Deal wird vor allem die Position bei hochpreisigen Eismarken deutlich ausgebaut. Dabei beschränkt sich der Verkauf auf das US-Geschäft. Die Speiseeis-Aktivitäten in Kanada, Lateinamerika und Asien behält Nestlé weiterhin im eigenen Unternehmen.

Wettbewerb verschärft sich

Die Konkurrenz dürfte die Transaktion wenig begeistern. Vor allem für Unilever, den Weltmarktführer für Speiseeis mit den Marken Ben & Jerry’s und Magnum, dürfte es zunehmend ungemütlich werden. Speiseeis gilt als weltweit sehr wettbewerbsintensives Geschäft. Traditionelle Markteintrittsbarrieren erodieren, Eigenmarken gewinnen Marktanteile, und neue Vertriebskanäle entstehen.

Zuletzt luchsten Aufsteiger wie Halo Top, die gesündere Eisvarianten anbieten, den großen Unternehmen Marktanteile ab. Unilever versucht unterdessen mit postmodernen Geschmacksrichtungen wie Kurkuma Chai & Zimt oder Matcha & Fudge auf den Trend aufzuspringen.

Nestlé fokussiert sich – weitere Deals dürften folgen

Entsprechend stark ist das Interesse von Nestlé-Chef Schneider, schwächelnde Bereiche abzuspalten und sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. Die zufließenden Erlöse sollen in Wachstumsmärkte wie Kaffee, Babynahrung, Tiernahrung oder Wasser gesteckt werden.

Dabei dürfte der Verkauf des Eiscreme-Geschäfts längst nicht der letzte Deal gewesen sein. Firmenboss Schneider signalisierte bei Nestlés jüngstem Finanzupdate Appetit auf weitere Transaktionen. Anfang des Jahres wurde bereits die Hautpflegesparte mit einem Umsatz von 10 Milliarden Dollar verkauft. Das Unternehmen hat angekündigt, eine Überprüfung seiner angeschlagenen europäischen Fleischmarke Herta bis Ende des Jahres abzuschließen.

Hedgefonds der strahlende Gewinner

Die Anleger jedenfalls goutieren den Konzernumbau und treiben den Aktienkurs von einem Hoch zum nächsten. Das dürfte vor allem den aktivistischen Hedgefondsmanager Daniel Loeb freuen, der vor gut zwei Jahren eine milliardenschwere Position eingegangen ist und seither das Management auf Trab hält. Bislang hat sich sein Einstieg mehr als bezahlt gemacht.

Deutsche Börse Frankfurt Handelssaal RED – Deutsche Börse

Warum Schweizer Aktien nicht mehr in Frankfurt gehandelt werdenDie Schweiz und die Europäische Union liegen nicht zum ersten Mal miteinander im Clinch. Nun sind erstmals Aktionäre betroffen. › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.