Nestle und Emmi: Franken-Schock ist verdaut

Dank eines starken 4. Quartals lag Nestlé mit seinen Jahreszahlen im Rahmen der Erwartungen.

Bei einem Umsatz leicht unter Vorjahresniveau ist der Gewinn um 44,3% gestiegen. Geholfen haben der Verkauf von L’Oréal-Anteilen und die Neubewertung der Galderma-Beteiligung. Organisch ist Nestlé um 4,5% gewachsen, verfehlte damit aber erneut den Zielkorridor von 5 bis 6%.

Die operative Marge hat sich aber von 15,2 auf 15,3% verbessert. Im laufenden Jahr strebt der Konzern ein organisches Wachstum von 5% und weitere Margenverbesserungen an.

Vor allem in China und den USA hat sich das Wachstum abgeschwächt

In China hat sich das Konsumentenverhalten geändert. Besonders die Nachfrage nach Fertiggerichten lässt nach. Zudem ist das Geschäft mit Babynahrung nicht mehr so einträglich, da Nestlé staatlich gezwungen wurde, die Preise zu senken.

In den USA sind es Tiefkühlprodukte und Süßigkeiten, die aufgrund eines neuen Gesundheitsbewusstseins nicht mehr so stark gefragt sind. Der Konzern reagiert jetzt mit qualitativ besseren Produkten ohne künstliche Aromen und Farbstoffe.

Nestlé hat in einem herausfordernden Umfeld solide Ergebnisse erzielt und ist im Nahrungsmittel-Bereich immer noch profitabler als Konkurrenten wie Unilever oder Kraft.

Auch die Aktionäre kommen nicht zu kurz. Der Konzern hat im letzten Jahr für 1,65 Mrd SFr eigene Aktien zurückgekauft und will die Dividende auf 2,20 SFr pro Aktie erhöhen. Die Franken-Aufwertung hat nur geringe Auswirkungen auf die Ergebnisentwicklung, weil Nestlé im Wesentlichen dort produziert, wo auch verkauft wird.

Unternehmensporträt

Nestlé ist der größte Schweizer Industriekonzern und weltweit die Nummer 1 unter den Nahrungsmittelherstellern. Die Palette der Markenartikel umfasst Getränke, Milch- u. Diätprodukte, Babynahrung, Zerealien, Schokolade, Süßwaren, Konserven, (Tiefkühl-) Fertiggerichte, Tierfutter. Bedeutende Beteiligung: L`Oréal (Kosmetik).

Emmi kann eigene Erwartungen erfüllen

Emmi hat im vergangenen Jahr den Umsatz um 3,2% gesteigert und damit die eigenen Erwartungen erfüllt. Aussagen zum Gewinn wird der Konzern erst am 24. März treffen.

Alle Regionen haben das Wachstum unterstützt. Im Rahmen der neuen Organisation mit den Divisionen Schweiz, Europa, Amerikas und Global Trade wuchs das Europa-Geschäft außerhalb der Schweiz akquisitionsbedingt um 8,3%. Gefragt waren vor allem Frisch- und Molkereiprodukte. In der Schweiz und Amerika verkauften sich dagegen Käseprodukte besonders gut.

Die Franken-Aufwertung wird die Ergebnisentwicklung dieses Jahr belasten

Von der Euro-Schwäche sind Exportumsätze von etwa 400 Mio SFr betroffen. Mit einem Maßnahmenpaket wird Emmi gegensteuern. Geplant sind Preissenkungen für Exportprodukte, Effizienzprogramme in den Produktionsbetrieben, geringere Abnahmepreise für Milch, die zu Exportprodukten verarbeitet wird, sowie Preisverhandlungen mit internationalen Lieferanten.

Dennoch wird die Umsatzentwicklung gebremst. Konkreter wurde Emmi aber noch nicht. Die Umsatzrendite soll sich aber zwischen 2,5 und 3,5% bewegen.

Allerdings könnten Preiserhöhungen einen Nachfragerückgang im Ausland nach sich ziehen. Zudem steht Emmi im Inland unter Druck, weil ausländische Anbieter wie Danone ihre Produkte in der Schweiz jetzt erheblich günstiger anbieten können.

Die Aktie hat nach dem Franken-Schock stark nachgegeben, sich aber schon wieder deutlich erholt und entwickelt sich auf Jahressicht immer noch besser als der Vergleichsindex. Das Maßnahmenpaket wird die negativen Währungseinflüsse begrenzen.

Unternehmensporträt

Die 1993 gegründete Emmi AG gehört zu den führenden Milchverarbeitern in Europa. Der Konzern konzentriert sich auf die Entwicklung, Produktion und Vermarktung von Molkerei- und Frischprodukten sowie auf die Herstellung und den Handel von und mit Schweizer Käse. Die Kunden von Emmi sind der Einzelhandel, der Bereich Food Service (Großhandel, Gastronomie und Hotellerie) und die Lebensmittelindustrie.

18. März 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Volker Gelfarth. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt