Nestlé und Reckitt Benckiser-Aktien: So schützen Sie Ihr Depot vor Inflation

Mit diesen zwei Kaufempfehlungen schützen Sie ihr Depot effektiv vor Inflation: Nestlé und Reckitt Benckiser. (Foto: Ken Wolter / shutterstock.com)

Die 5 Auswahlkriterien bei Inflationsschutz-Aktien deuten darauf hin, dass Aktien von scheinbar „langweiligen“ Unternehmen den besten Inflationsschutz bieten. Wenn „langweilig“ jedoch bedeutet:

Relativ geringe Kursschwankungen, tendenziell steigende Kurse, stabile Umsätze und Gewinne, eine solide Bilanz und regelmäßig attraktive Dividenden-Ausschüttungen, dann können Sie mit diesen Werten relativ entspannt in die Zukunft blicken. Das erste Unternehmen brauchen wir Ihnen kaum noch vorzustellen.

Mit größter Wahrscheinlichkeit haben auch Sie Nestlé-Produkte aktuell in Ihrer Küche. Die Schweizer sind der weltweit größte Nahrungsmittelhersteller. Die Markenvielfalt ist beeindruckend.

Zum Nestlé-Imperium gehören Marken wie Nesquik, KitKat, Aero, Smarties, Orion, Nescafé, Maggi, Thomi, und Häagen-Dazs. Selbst Wasser kann Nestlé teuer verkaufen, wie die Preise der Marken S. Pellegrino, PolandSpring und Perrier zeigen.

Lassen Sie sich auch nicht von einigen Schlagzeilen in der Presse beeindrucken. Die dort beschriebene „Umsatzschwäche“ im ersten Quartal 2011 löst sich einfach in Luft auf.

Der Umsatz ist zwar um rund 10% auf 20,3 Mrd. Franken geschrumpft, allerdings hat Nestlé im Vorjahr eine Beteiligung (Alcon) an den Pharmakonzern Novartis verkauft. Diese Umsätze fehlen jetzt natürlich. Hinzu kommt die starke Schweizer Währung.

Das organische Umsatzplus lag dagegen bei gut 6%. Dieses Wachstumstempo will Nestlé auch im Gesamtjahr halten.

Der Chart zeigt: Jede Schwächephase ist eine günstige Einstiegs-Chance

So sieht Stärke aus: Den Crash 2007 bis 2009 hat die Nestlé-Aktie innerhalb von nur 12 Monaten mehr als ausgeglichen und neue Rekordmarken erreicht.

Die 5 Inflations-Schutz-Kriterien im Kurz-Check:

1) Preissetzungsmacht > erfüllt Im Bereich der Markenartikel können die Preise in der Nahrungsmittelbranche leichter erhöht werden als bei den billigen Handelsmarken.

So gelang es Nestlé im ersten Quartal, die höheren Rohstoffkosten zu einem großen Teil auf die Kunden abzuwälzen.

2)Globale Präsenz > erfüllt Nestlé ist auf allen Kontinenten gut positioniert und nicht von einzelnen Märkten abhängig.

Das starke Wachstum in den Schwellenländern sorgt beim Umsatz für einen noch besseren Länder-Mix.

3) Geringer Investitionsbedarf > erfüllt Im 10-Jahres-Zeitraum 2002 bis 2011 musste Nestlé nur ein einziges Mal mehr als 40% des Cashflows neu in das Geschäft investieren (2008: 45,2%). In normalen Geschäftsjahren investiert Nestlé nur 30 bis 35% des Cashflows.

Die restlichen Finanzmittel stärken die Reserven, werden in Form von Dividenden ausgeschüttet oder für Aktienrückkaufprogramme genutzt.

4)Geringer Verschuldungsgrad > erfüllt In den vergangenen 10 Jahren hat Nestlé die Eigenkapital-Quote von soliden 35% auf sehr starke 55% erhöht. Eine solche Quote ist ein guter Sicherheitspuffer für Krisenzeiten.

5) Unabhängigkeit vom Konjunkturzyklus > erfüllt Es gilt der alte Spruch: Gegessen und getrunken wird immer. Während viele Unternehmen in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 zweistellige Umsatzeinbrüche hinnehmen mussten, sank der Umsatz bei Nestlé nur um 2,1% und erreichte im Jahr 2010 bereits wieder das Rekordniveau von knapp 110 Mrd. Franken.

Der Kurz-Check zeigt, dass sich die Nestlé-Aktie als Inflations-Schutz-Investment eignet. Unsere Empfehlung: Kaufen Sie die Nestlé-Aktie über die Börsen Xetra oder Frankfurt bis zu einem Kurs von 45,00 € (aktueller Kurs: 41,39 €).

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Reckitt Benckiser – der unbekannte Weltmarktführer

Während geschätzte 99% der Konsumenten den Namen „Nestlé“ kennen, sieht es bei der zweiten Empfehlung, „Reckitt Benckiser“, ganz anders aus. Hier dürfte der Bekanntheitsgrad des Unternehmens im niedrigen zweistelligen Bereich liegen. Daher: der unbekannte Weltmarktführer.

Umsatz- und Gewinnanstieg lösten eine Kursverdreifachung aus

Die Entwicklung der Aktie ist beeindruckend. Es muss immer berücksichtigt werden, dass der 10-Jahres-Chart mehrere „Crash-Jahre“ beinhaltet.

Die Reckitt-Benckiser-Aktie erreichte schon kurze Zeit später neue Allzeithochs.Ganz anders sieht es aus, wenn man das Markenportfolio des Unternehmens betrachtet.

Das Unternehmen, das im Jahr 1999 aus der Fusion von Reckitt & Colman und Benckiser entstanden ist, verfügt über rund 20 „Power-Marken“, die in über 200 Ländern verkauft werden.

Eine kleine Markenauswahl: Air Wick, Calgon, Cillit Bang, Clerasil, Calgonit, Durex, Finish, Lysol, Sagrotan, Vanish und Veet. Mit dieser Markenvielfalt wurde Reckitt Benckiser Weltmarktführer im Bereich Haushaltsreiniger und zu einem weltweit führenden Hersteller von Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln.

Der Umsatz stieg im Geschäftsjahr 2010 auf 8,5 Mrd. Britische Pfund (umgerechnet rund 9,6 Mrd. €).

Beeindruckende Erfolgsserie

Die Erfolgsserie des Unternehmens ist fast schon unheimlich: Seit der Fusion im Jahr 1999 stieg der Umsatz jedes Jahr und kletterte von 3,0 auf 8,5 Mrd. Britische Pfund.

Parallel dazu stieg auch der Gewinn Jahr für Jahr. Das ist extrem bemerkenswert, da in dieser Phase immerhin 2 mehrjährige Konjunkturkrisen überstanden werden mussten (2000 bis 2003 und 2007 bis 2009). Auch die Aktionäre wurden belohnt: Seit 2002 wurde die Dividende Jahr für Jahr erhöht.

Noch attraktiver war für die Aktionäre aber der Kursgewinn, wie der 10-Jahres-Chart zeigt.

Die 5 Inflations-Schutz-Kriterien im Kurz-Check:

1) Preissetzungsmacht > erfüllt Reckitt Benckiser verkauft hochpreisige Reinigungsmittel und konkurriert nicht mit den Billig-Marken. Die Umsatzrendite wurde in den vergangenen 10 Jahren von 9,7 auf 18,3% gesteigert.

2)Globale Präsenz > erfüllt Der heimische europäische Markt kommt noch auf einen Umsatzanteil von 45%. Allerdings sinkt der Anteil, während gleichzeitig die Schwellenländer zulegen (Umsatzanteil bereits rund 20%).

3) Geringer Investitionsbedarf > erfüllt Dieses Kriterium erfüllt das Unternehmen vorbildlich. In den vergangenen Jahren musste Reckitt Benckiser nur 8 bis 16% des Cashflows wieder in das Unternehmen investieren.

4) Geringer Verschuldungsgrad > erfüllt In den vergangenen 10 Jahren hat das Unternehmen die Eigenkapital-Quote von 30 auf knapp 50% gesteigert.

5) Unabhängigkeit vom Konjunkturzyklus > erfüllt Das Geschäft läuft relativ unabhängig von der Konjunkturentwicklung. Selbst in der jüngsten Krise 2007 bis 2009 hat das Unternehmen jedes Jahr Umsatz und Gewinn gesteigert.

Der Kurz-Check zeigt, dass sich die Aktie als Inflationsschutz-Investment eignet. Unsere Empfehlung:

Kaufen Sie die Reckitt-Benckiser-Aktie über die Börse Frankfurt bis zu einem Kurs von 39,00 € (aktueller Kurs: 35,84 €). Sie können aktuell relativ günstig in die Aktie einsteigen. Bart Becht, der das Unternehmen 16 Jahre lang geleitet hatte, wird im Sommer seinen Posten aufgeben.

Das löste an der Börse eine Verkaufswelle aus (-8%). Rakesh Kapoor, der die Führung übernehmen wird, ist aber auch schon 25 Jahre im Unternehmen. Wir erwarten daher keinen großen Umbruch.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.