Nestlés Konzern-Umbau ist kein Abschied von der Übernahme-Strategie

Der Einstieg des Aktivisten Daniel Loeb dürfte die Nestlé-Strategie bei Zukäufen und Verkäufen kaum beeinflussen. Hier unsere Einschätzung: (Foto: Craig Russell / Shutterstock.com)

Die ersten beiden Quartale 2017 verliefen für die Nestlé-Aktionäre äußerst gewinnbringend:

Bis zum Hoch Ende Juni stieg das Papier der Schweizer um gut 17% und konnte bei 86 Schweizer Franken sogar ein neues Allzeithoch markieren.

Danach schwanden jedoch die Kräfte:

Nachdem der erwartete Umsatz und Gewinn im 2. Quartal nicht so hoch ausgefallen war, wie es von Analysten erwartet wurde, geht es mit der Aktie leicht in die andere Richtung.

Der Umsatz stieg zwar im Vergleich zum Vorjahres-Zeitraum um 2,3% auf 43 Mrd., blieb aber unter den Erwartungen der Experten.

Trotz eines Gewinn-Anstiegs von 19% blieb wegen schwacher Geschäfte in Nordamerika auch der Gewinn hinter der Prognose zurück.

Langzeit-Anleger können jedoch darüber hinwegsehen und sind weiterhin in der Gewinnspur.

Selbst Aktionäre, die kurz vor der Finanzkrise einstiegen, haben immer noch einen Kursgewinn von rund 100% erzielt.

Und Nestlé bleibt auch weiterhin eine Top-Adresse für langfristig orientierte Anleger:

Wer vor 20 Jahren Aktien des Schweizer Nahrungsmittel-Riesen kaufte, liegt über 500% im Plus – Dividenden nicht mit eingerechnet.

Third Point will Verbesserung der Gewinnspannen und Aktienrückkäufe

Der Schweizer Konzern bildet seinen Erfolg auf 2 Säulen:

  • Die 1. Säule ist die hohe Innovationskraft im Lebensmittel-Bereich verbunden mit einem ausgezeichneten Verbraucher-Verständnis. Das verleiht organisches Wachstum.
  • Die 2. Säule ist die Übernahme-Strategie in Wachstums-Märkten, mit denen Nestlé regelmäßig neue Chancen erschließt.

Nestlé will also sowohl organisch als auch anorganisch wachsen.

Über viele Jahre hinweg sorgte die 2-gleisige Strategie für hervorragende Ergebnisse. Zuletzt waren die Umsatz-Steigerungen jedoch mau, und so geriet man ins Visier aktivistischer Investoren.

Daniel Loebs Third Point stieg bei den Schweizern mit 1,25% ein und übte öffentlich Druck auf das Management aus:

Nestle nach dem Rücksetzer: Langfrist-Anleger sollten die Nerven behaltenNachdem Anfang März die Aktie ein neues Allzeithoch markierte, verließen die Kräfte das Papier und Nestle fiel auf aktuell 50 Euro zurück. › mehr lesen

  • Loeb will in Teilbereichen frühere Übernahmen rückgängig machen, um die Gewinnspannen anzukurbeln.
  • Gleichzeitig will der Aktivist großangelegte Aktienrückkäufe, also eine indirekte Ausschüttung an die Aktionäre.

Loebs Engagement dürfte Nestlés Strategie kaum beeinflussen

Ob Loeb mit seinen Forderungen Erfolg haben wird, ist nach 3 Monaten Engagement noch nicht abzuschätzen.

Der neue CEO Ulf Schneider wird mit oder ohne Loeb Geschäftsbereiche veräußern, die nicht zum Kerngeschäft gehören und nicht den Wachstums-Erwartungen des Konzerns entsprechen.

So wurde bereits im Sommer das US-Süßwaren-Geschäft ins Schaufenster gestellt.

Vielleicht will Loeb lediglich erreichen, dass bei dem laufenden Konzern-Umbau nicht halbherzig darüber entschieden wird, was verkauft wird.

Fraglich ist jedoch, ob Schneider diese Nachhilfe überhaupt nötig hat.

Nestlé-Aktie für Langfrist-Investoren interessant

In einem Interview ließ Schneider wissen, dass Nestlé darauf fokussiert ist schwächelnde Geschäftsbereiche wieder in die Gewinnspur zu hieven.

Das ist jedoch kein Abschied von der Übernahme-Strategie.

In den Wachstums-Bereichen Kaffee, Babynahrung, Tierfutter und Wasser will Nestlé weiter zulegen, und dementsprechend ist auch mit weiteren Übernahmen zu rechnen.

Schneider hat bereits als Fresenius-Boss mehrere Deals eingefädelt und wird sich ergebende Übernahme-Chancen auch bei Nestlé nicht liegen lassen.

Die kommenden Übernahmen werden dann vermutlich dazu beitragen, dass die Erfolgsstory der Schweizer noch lange weitergehen wird.

Langfrist-Investoren brauchen sich nicht zu sorgen, nur weil die Aktie nach dem Allzeithoch im Juni einige Prozentpunkte abgeben musste.

Das nächste Allzeithoch kommt bestimmt…


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© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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