Netflix-Aktie 200 Prozent im Plus

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Binnen Jahresfrist hat die Netflix-Aktie um rund 200 Prozent zugelegt, das Geschäft mit dem Streamingdienst brummt. Doch die Konkurrenz schläft nicht, in Zukunft könnte es am Markt rauer zugehen. (Foto: Kaspars Grinvalds / shutterstock.com)

Immer mehr klassische Haushaltsgeräte werden durch innovative Produkte ersetzt. Das gilt insbesondere für die Kommunikations- und Unterhaltungsindustrie.

Gerade bei den jüngeren Kunden ist der Festnetzanschluss häufig schon aus der Wohnung verschwunden. Der Fernseher könnte das nächste Relikt aus alter Zeit sein, das diesem Trend zum Opfer fällt.

Vielleicht nicht die – tendenziell immer größer werdenden – Bildschirmgeräte, aber doch die Anbieter der konsumierten Programme befinden sich derzeit in einem massiven Umbruch.

Streaming löst klassisches Fernsehen ab

Ein Blick auf die USA verdeutlicht dies: Hier haben Streamingdienste, bei denen Filme und Serien gegen eine überschaubare monatliche Gebühr jederzeit online abrufbar sind, die klassischen TV-Kanäle mittlerweile überholt.

Branchenprimus Netflix verzeichnete bereits 2014 mehr registrierte Kunden, als die etablierten Fernsehsender einzeln betrachtet Zuschauer generieren konnten.

Und auch international setzt der Trend sich immer stärker durch. Netflix zeigt, wie es geht, und setzt auf massive Expansion. In den meisten europäischen Ländern ist der Dienst inzwischen verfügbar, die große Offensive im asiatischen Raum ist für kommendes Frühjahr geplant. Etwas holprig läuft die Marktplatzierung in China, dort kam es zuletzt zu Verzögerungen. Mittelfristig soll auch im Mittleren Osten per Netflix gestreamt werden.

Starke Konkurrenz steht in den Startlöchern

Es erscheint gerade jetzt wichtig, mit Blick auf die internationale Expansion aufs Tempo zu drücken – denn die Konkurrenz schläft nicht, ganz im Gegenteil. Sie steht bereits in den Startlöchern.

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Netflix: Vor den Quartalszahlen ein Kauf?Die Konkurrenz im Online-Streaming-Markt wird größer. Kann sich Netflix behaupten? › mehr lesen

Amazon kann sich als Onlinehändler bereits über einen weltweit riesigen Kundenstamm freuen und will nun auch seine Streamingsparte stärker ausbauen. Exklusivverträge, beispielsweise mit Woody Allen, sollen dabei helfen.

Auch Time Warner bringt sich in Stellung. Einen großen Vorteil hat das Unternehmen durch die großen Erfolge von Produktionen des TV-Sender HBO, der unter anderem für „Game of Thrones“ verantwortlich ist. Der hauseigene Streamingdienst „HBO Now“ soll im Frühjahr 2016 starten.

Aktie binnen Jahresfrist 200 Prozent im Plus

Insofern ist Netflix gut beraten, sich zuvor bereits stark zu positionieren und Marktanteile zu sichern. Der Kundenzuwachs fiel zuletzt etwas schwächer aus als erwartet, dennoch sieht man sich gut aufgestellt und gewappnet für die Zukunft, in der das geneigte Publikum wohl noch stärker als bisher umworben werden wird.

Aus Sicht der Kundschaft stellt sich indes die Frage, wie bei wie vielen Diensten man die monatliche Gebühr abzudrücken bereit ist, wenn gerade die gefragten Eigenproduktionen jeweils exklusiv vermarktet werden. Hier werden die Karten in Zukunft womöglich noch häufiger gemischt.

Dennoch zeigt der durchschlagende Erfolg von Netflix und Co., dass das Geschäftsmodell an sich zukunftsträchtig ist. So bewerten das auch die Analysten, die der Netflix-Aktie weitere Anstiege zutrauen – und das trotz einer sagenhaften Rally, die das Papier allein im laufenden Jahr um rund 200 Prozent in die Höhe schießen ließ.

2015-12-09 Netflix


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.