Netflix: Aktie des Krisengewinners trotz kräftigem Gewinnsprung unter Druck

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Die Anleger von Netflix zeigen sich von der trüben Prognose enttäuscht und setzten der Kursrally ein abruptes Ende. Wie geht es jetzt weiter? (Foto: Kaspars Grinvalds / shutterstock.com)

Mit der Netflix-Aktie konnten Anleger in diesem Jahr wenig falsch machen. Die vorrübergehende Kursdelle im März wurde schnell ausgebügelt und die Papiere rannten von einem Allzeithoch zum nächsten. Seit dem Jahreswechsel lag die Aktie zwischenzeitlich über 60% in der Gewinnzone, bis die Anleger nach den gerade präsentierten Geschäftszahlen das Weite suchten und die Aktie über 10% in den Keller sackte.

Der Hintergrund: Der beispiellose Corona-Boom scheint schon wieder nachzulassen. Das Management kündigte an, die hohen Wachstumsraten in der zweiten Jahreshälfte nicht halten zu können.

Über 10 Millionen neue Nutzer im zweiten Quartal

Bevor wir zum weiteren Jahresverlauf kommen, lassen Sie uns erst einmal das Geschehen im zweiten Quartal genauer unter die Lupe nehmen: Im gerade abgelaufenen zweiten Quartal konnte der Streaming-Pionier Netflix 10,1 Millionen neue Nutzer gewinnen. Das lag zwar über der erst drei Monate alten firmeneigenen Prognose von 7,5 Millionen, aber eben deutlich unter dem exorbitant hohen Niveau des Vorquartals (15,8 Millionen). Was die Anleger dabei wohl am meisten schockiert hat: Das Wachstum kam im Juni nahezu vollständig zum Erliegen.

Dabei dürfte diese Entwicklung für die Anleger eigentlich alles andere als unerwartet kommen. Schon bei Vorlage der Q1-Zahlen hatte Netflix-Boss Red Haastings vor einer nachlassenden Dynamik gewarnt. Nur allzu verständlich, dass sich die Menschen nach wochenlangem Lock Down auch wieder nach „Außer Haus-Aktivitäten“ umsehen. Erschwerend hinzu kam im vergangenen Vierteljahr auch, dass die ganz großen Blockbuster-Produktionen trotz einer neuen Staffel des Crime-Dramas „Money Heist“, Spike Lees neuem Film „Da 5 Bloods“ oder der Comedy-Produktion „Space Force“ diesmal fehlten.

Umsatz legt um knapp 25% zu

Allen hohen Erwartungen zum Trotz waren die vorgelegten Zahlen trotzdem beachtlich. So konnte der US-Konzern seinen Umsatz um 24,9% auf 6,15 Milliarden Dollar steigern. Das lag leicht über den Schätzungen der Analysten, die von 6,09 Milliarden Dollar ausgegangen waren.

Noch stärker ging es allerdings beim Gewinn aufwärts. Unter dem Strich kletterte der Nettogewinn auf 720 Millionen Dollar beziehungsweise 1,81 Dollar je Aktie. Für Sie zum Vergleich: Im zweiten Quartal des Vorjahres erwirtschaftete Netflix nur einen Gewinn in Höhe von 271 Millionen Dollar. Allerdings wurden damit die Erwartungen der Analysten von 1,59 Gewinn pro Anteilsschein verfehlt.

Netflix nicht vollkommen immun gegen Corona

Auch wenn Netflix unter vielen Anlegern als klarer Pandemie-Gewinner gilt, komplett immun gegen die Virus-Krise ist auch der Streaming-Spezialist nicht. Corona bedingt musste Netflix viele Dreharbeiten einstellen. Sie müssen wissen: Das Unternehmen versucht durch aufwendige eigene Produktion mehr Nutzer zu gewinnen und auf lange Sicht seine Margen deutlich zu steigern. Zwar wurden zuletzt die Dreharbeiten wieder aufgenommen, die sich in einigen Ländern weiter drastische Virus-Ausbreitung sorgt aber für hohe Unsicherheit.

Das bedeutet: Da Netflix eine lange Vorlaufzeit habe, ist laut Firmenaussagen das Programm für dieses Jahr gesichert. 2021 wird es wohl im ersten Halbjahr weniger neue Inhalte geben als im zweiten.

Prognose sorgt für lange Gesichter

Für das dritte Quartal 2020 erwartet Netflix eine deutliche Abschwächung des Wachstums. Unter dem Strich rechnet der Konzern nur noch mit 2,5 Millionen neuen Abonnenten. Das wäre sowohl deutlich unter dem Vorjahresquartal (7 Millionen)  als auch unter den Markterwartungen (5,27 Millionen). Beim Umsatz peilt Netflix einen Zuwachs von 20,6% auf 6,32 Milliarden Dollar an. Gleichzeitig soll sich der Gewinn auf 2,09 Dollar je Aktie verbessern, was ein Plus von 31% zum Vorjahr wäre.

Fazit: Corona sorgte bei Netflix für eine Art Sonderkonjunktur und hat den Aktienkurs in den vergangenen Monaten beflügelt. Diese hohe Wachstum kann aber nicht ewig so fortgesetzt werden. Zudem sollten die Anleger die stärker werdende Konkurrenz im Blick haben. Zwar liegt Netflix mit 169 Millionen Abonnenten insgesamt noch vorne, aber der Unterhaltungsriese Walt Disney hat mit seinem Angebot Disney+, das erst seit letztem November am Start ist, bereits über 50 Millionen Nutzer gewinnen können. Beim Börsenwert hatte Netflix mit zeitweilig mehr als 230 Milliarden Dollar den Rivalen Walt Disney bereits überholt. Dass bei dieser luftigen Bewertung die Gefahr von Rückschlägen steigt, sollte allen Anlegern klar sein.

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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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