Netflix: Aktie des Streaming-Anbieters nach schwächerem Neukundenwachstum unter Druck

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Netflix: Aktie des Streamingspezialisten gerät nach schwächerem Neukundenwachstum deutlich unter Druck. Der Wettbewerb steht in den Startlöchern. (Foto: Harry Wedzinga / shutterstock.com)

An der Netflix-Aktie scheiden sich Geister. Während die Befürworter auf die Marktposition und das rasante Wachstum pochen, verweisen die Skeptiker auf die weiterhin hohe Bewertung des Unternehmens. Fest steht: Bei den gerade vorgelegten Zahlen zur Geschäftsentwicklung im dritten Quartal gab es sowohl Licht als auch Schatten. Unter dem Strich zeigten sich die Anleger nur kurzfristig begeistert. Nach anfänglichen Gewinnen rutschte die Aktie zum Wochenausklang deutlich in den Keller.

Ziele bei der Kundengewinnung knapp verfehlt

Lassen Sie uns in die Details schauen: Im abgelaufenen Quartal konnte der Streaming-Pionier Netflix netto 6,8 Millionen Kunden hinzugewinnen. Damit schrabbte der Konzern knapp am vorab kommunizierten Ziel von 7 Millionen Neukunden vorbei. Im Heimatmarkt USA, dem zugleich größten Markt für Netflix, lag der Konzern mit 500.000 Neukunden dann doch recht deutlich (300.000) unter der eigenen Zielmarke.

Insgesamt zählt die Gesellschaft in den USA mittlerweile 60,6 Millionen Abonnenten. Das bedeutet, dass 62% aller weltweiten Netflix-Kunden aus den USA kommen. Genaue Zahlen zu den übrigen Teilmärkten will Netflix erst ab dem nächsten Jahr veröffentlichen.

Netflix überrascht mit Gewinnsprung

Mit einem Umsatzplus von 31% im Vergleich zum Vorjahresquartal auf 5,25 Milliarden Dollar lag der Streamingspezialist exakt im Rahmen der Erwartungen. Anders sah es bei der Gewinnentwicklung aus: Unter dem Strich kletterte der Nettogewinn auf 665 Millionen Dollar und damit auf den höchsten Wert der zurückliegenden vier Quartale. Je Aktie blieb ein Gewinn von 1,47 Dollar übrig. Das lag 41% über den Analystenschätzungen, die im Vorfeld der Zahlen lediglich von einem Gewinn in Höhe von 1,04 Dollar je Anteilschein ausgegangen waren.

Damit hat Netflix auch bei den Margen deutliche Fortschritte erzielt. So erhöhte sich die operative Marge um 6,7 Prozentpunkte auf 18,7%. Das wirkt auf den ersten Blick beeindruckend, aber bedenken Sie: Der Margensprung ist auch auf Ausgaben für Inhalte zurückzuführen, die sich zum Teil in das Schlussquartal verschieben.

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Stranger Things bricht sämtliche Rekorde

Ein Erfolgskonzept von Netflix sind die selbst produzierten Inhalte. Hier konnte der Konzern vor allem bei seinen Zuschauern mit der Kultserie Stranger Things punkten. Laut Netflix ist die Serie die bislang erfolgreichste Staffel der beliebten Mystery-Serie. Im vierten Quartal baut Netflix vor allem auf Filmproduktionen wie etwa Martin Scorseses “The Irishman” mit den Hollywood-Stars Robert De Niro, Al Pacino und Joe Pesci.

Wettbewerb steht in den Starlöchern

Die an sich beeindruckenden Zuwachsraten dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zeiten deutlich härter werden. Im November gehen die Rivalen Apple und Walt Disney mit ihren Streamingdiensten an den Start, die beide günstiger zu haben sind als das Netflix Standardpaket. Der Kampf um die Streaming-Kunden dürfte auf jeden Fall an Schärfe zulegen.

Apple hat bereits angekündigt, jährlich 6 Milliarden Dollar in eigene Inhalte zu investieren. Zudem könnte der Technologiekonzern, der auf einem milliardenschweren Cash-Berg sitzt, mit der Übernahme eines Hollywood-Studios schnell zu Netflix & Co aufschließen und zu einer ernsthaften Bedrohung werden.

Darüber hinaus dürften auch Großkonzerne wie Comcast und AT&T ihr Streamingangebot deutlich ausbauen.

Prognose reißt Anleger nicht vom Hocker

Für das eigentlich starke Schlussquartal hat Netflix mit Vorlage der Quartalszahlen auch seine Prognose konkretisiert. Die Zahl der neuen Kunden soll um 7,6 Millionen wachsen, etwas weniger als bislang erwartet. Der Umsatz soll hingegen nochmals um 30% auf 5,442 Milliarden Dollar steigen. Beim Nettoergebnis wird allerdings ein herber Rückgang auf 232 Millionen Dollar erwartet. Je Aktie wären das 51 Cent und damit deutlich weniger als bislang von den Analysten prognostiziert wurde (82 Cent je Aktie).


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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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