Netflix Aktie: So viele Neukunden gab’s noch nie

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Netflix zählt zu den Profiteuren der Corona-Krise: Im ersten Quartal gab es so viele Neuabschlüsse wie noch nie. Die Aktie liegt im Plus. (Foto: Harry Wedzinga / shutterstock.com)

Es ist nur eine kleine, überschaubare Gruppe, aber es gibt sie: Die Profiteure der Corona-Krise. Ganz vorne mit dabei: Netflix.

Der US-Streaminganbieter erfreut sich seit einigen Jahren ohnehin großer Beliebtheit, konnte nun aber einen neuen Rekord in seiner Firmengeschichte vermelden. Weltweit konnte Netflix in den ersten drei Monaten des Jahres 16 Millionen neue Abonnenten hinzugewinnen.

Netflix bietet, was die Menschen gerade suchen

Der Boost kam eindeutig durch die Pandemie zustande. Zum einen müssen die Menschen überwiegend zuhause bleiben und suchen nach Unterhaltung und Ablenkung, zum anderen sind darüber hinaus auch die Kinos geschlossen, sodass gerade für neue, noch unbekannte Produktionen die Alternative zu Streaminganbietern fehlt.

Selbst erste Kinoproduktionen, deren Filmstart auf unbestimmte Zeit verschoben werden musste, da sie zurzeit nicht regulär anlaufen können, wurden inzwischen testweise als kostenpflichtiges Streamingangebot bereitgestellt – und stießen auf breites Interesse beim Publikum. Gerade für Familien ist es deutlich günstiger, für das gemeinsame Filmerlebnis nur eine einmalige Gebühr zu zahlen, als mit mehreren Personen Kinotickets und Snacks zu kaufen.

Kundenbindung statt Akquise

Inwieweit sich hier eine grundlegende Trendwende abzeichnet, bleibt abzuwarten. Das kollektive Leinwanderlebnis und die heimische Couch sind eben doch sehr verschieden. Da aber völlig offen ist, wann die Kinos wieder öffnen werden, dürfte Netflix einen Großteil der neu gewonnenen Kunden zumindest eine Zeit lang noch halten können.

Hierin liegt auch eine Chance: Bislang konnte Netflix vor allem durch exklusiv verfügbare Serien oder Eigenproduktionen Neukunden gewinnen und über längere Zeit bei der Stange halten. Wann immer beliebte Serien ausliefen, sprangen auch Kunden wieder ab.

Wenn es nun gelingt, Serien und andere Angebote so zu platzieren, dass sie möglichst viele der neuen Kunden ansprechen, könnte Netflix auch nachhaltig vom Zuwachs des ersten Quartals profitieren.

Abheben von der Konkurrenz

Schwierig dürfte es allerdings werden, solche Steigerungen in Zukunft noch einmal zu erreichen. Möglicherweise kommen im laufenden zweiten Vierteljahr noch einmal Neukunden hinzu, die erst jetzt die zeitliche Dimension der Corona-Beschränkungen voll realisieren, doch auf Dauer werden solche Ausnahmewachstumsraten kaum zu halten sein.

Anstelle von Akquise geht es für Netflix nun also vermehrt um Kundenbindung – und die weitere Etablierung von Alleinstellungsmerkmalen, wie eben erfolgreichen Eigenproduktionen oder exklusiven Verwertungsrechten, um sich gegen die wachsende Konkurrenz zu behaupten.

Mit Amazon Prime und Disney Plus streben längst auch andere Anbieter in den Streamingmarkt, die in Sachen Bekanntheitsgrad und Reichweite ernst zu nehmen sind. Gerade das Angebot an kinderfreundlicher Unterhaltung ist in seiner Relevanz in Zeiten geschlossener Schulen und Kitas kaum zu unterschätzen.

Trotz der starken Zahlen ging es für die Netflix Aktie zuletzt bergab, allerdings von hohem Niveau: Auf Monatssicht hatte das Papier bereits um rund 25 Prozentpunkte zulegen können, da die starken Zuwachsraten im Zuge der Pandemie absehbar waren.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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