Netflix: Anleger suchen nach schwachen Abonnementen-Zahlen das Weite

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Netflix: Aktie des Streaming-Pioniers rauscht nach rückläufigen Abo-Zahlen im Heimatmarkt in den Keller. Innerhalb kurzer Zeit lösen sich 25 Milliarden Dollar Börsenwert in Luft auf. (Foto: Kaspars Grinvalds / shutterstock.com)

Da mussten die erfolgsverwöhnten Netflix-Aktionäre wohl zweimal hinsehen. Innerhalb weniger Minuten sackte die Aktie des Streaming-Spezialisten um 15% in den Keller und verlor damit mehr als 25 Milliarden Dollar an Börsenwert. Dabei hatte der rapide Kursverfall einen handfesten Grund: Erstmals seit 10 Jahren verzeichnete der Technologiekonzern rückläufige Abonnentenzahlen in seinem wichtigen Heimatmarkt. Sie müssen bedenken: Zuvor ging es für den Konzern jahrelang steil nach oben. Bis Ende 2018 hatte sich die Abonnentenzahl innerhalb sieben Jahren mehr als versechsfacht.

Die Langfristanleger wird der Kurssturz hingegen nicht aus der Bahn werfen. Wer bereits in 2003 bei der Aktie zugegriffen hat, konnte sich noch Papiere zu unter einem Dollar ins Depot legen. Bei einem aktuellen Kurs von 320 Dollar ist die Rendite weiterhin phänomenal.

Abonnenten suchen das Weite

Der Dreh- und Angelpunkt der Kursschwäche liegt in der Entwicklung der Abonnentenzahlen. Zwar steigerte Netflix die Anzahl seiner zahlenden Kundschaft um 2,7 Millionen auf 151,6 Millionen, lag damit aber 5 Millionen unter den Analystenschätzungen. Besonders aufgestoßen hat den enttäuschten Anlegern die Entwicklung auf dem wichtigen Heimatmarkt. In den USA hat das Angebot des Unternehmens aus Los Gatos im Silicon Valley bis Ende Juni 130.000 seiner zahlenden Abonnenten verloren.

Bereits früher in diesem Jahr hatte Netflix zum ersten Mal seit 2017 an der Preisschraube gedreht. Laut dem Management lief es in den Regionen mit Preiserhöhungen deutlich schlechter als in anderen Teilmärkten.

Robustes Umsatzwachstum und sinkende Gewinne

Unter dem Strich kletterten die Erlöse des Streaming-Giganten im zweiten Quartal um satte 26% auf 4,9 Milliarden Dollar in die Höhe. Auch die Ausgabenseite ist allerdings beeindruckend – so flossen im zurückliegenden Quartal 3 Milliarden Dollar in neue Inhalte und 600 Millionen Dollar in die Vermarktung eigener Shows. Am Ende stand ein Nettogewinn von 271 Millionen Dollar in den Büchern. Für Sie zum Vergleich: Im Vorjahresquartal waren es noch 384 Millionen Dollar.

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Firmenboss zeigt sich zuversichtlich

Trotz des schwachen Quartals zeigt sich Firmenboss Reed Hastings weiterhin unverändert optimistisch. Allein im dritten Quartal sollen über 7 Millionen Neukunden hinzukommen, davon alleine 800.000 in den USA. Dabei hat Hastings eine klare Vision: Es wird vorerst weder weitere Preiserhöhungen geben noch ein günstigeres Angebot, dass durch Werbung finanziert wird.

Analysten erwarten weiteres Marktwachstum

Grundsätzlich bescheinigen die Experten dem Streaming-Markt weiterhin kräftige Zuwachsraten. So rechnet das Marktforschungsunternehmen IHS Markit damit, dass 2021 weltweit etwa 650 Millionen Abonnenten einen Video-on-Demand-Abo-Dienst nutzen werden. 2016 gab es erst 290 Millionen Kunden, die ein Bezahlabo abgeschlossen hatten.

Wettbewerb verschärft sich

Keine Frage – Netflix ist und bleibt der Pionier auf dem Streaming-Markt und hat eine beeindruckende Erfolgsgeschichte hinter sich. Unbestritten ist aber auch, dass sich die Wettbewerbssituation zuletzt deutlich verschärft hat. Disney und Warner Media etwa haben eigene Streaming-Plattformen für Filme und Serien angekündigt. Bei Warner Media fließen Inhalte des Filmstudios Warner Bros., Cinemax und des US-TV-Senders HBO zusammen, der Serien-Fans unter anderem den Serien-Hit „Game of Thrones“ bescherte.

Zugleich hat Walt Disney den Start eines eigenen Dienstes für November angekündigt. Filme und andere Inhalte von Disney werden dann auf anderen Portalen nicht mehr zu sehen sein – also auch nicht auf Netflix. Zudem wollen die neuen Plattformen nicht nur mit Blockbustern und Klassikern, sondern vom Start weg mit exklusiven Eigenproduktionen punkten.

Weiterhin stramme Bewertung

Unterdessen zeigen sich die Analysten zuversichtlich und erwarten eine deutliche Gewinnsteigerung von 72% im kommenden Geschäftsjahr. Von 40 Analysten, die sich mit der Aktie beschäftigen, raten 29 zum Kauf der Papiere. Neun Experten sehen in dem Titel eine Halteposition, während zwei Banker die Aktie als Verkauf einstufen. Das durchschnittliche Kursziel liegt mit 404 Dollar deutlich über dem aktuellen Kursniveau. Entsprechend noch ist aber auch die Bewertung. Auf Basis der diesjährigen erwarteten Gewinne handelt die Aktie mit dem 113-Fachen Kurs-Gewinn-Verhältnis.


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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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