Netflix: Starke Zahlen, unsichere Aussichten – lukrativer Streaming-Markt lockt Wettbewerber an

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Netflix: Streaming-Riese sitzt die Konkurrenz im Nacken. Die Jagd auf den Platzhirsch hat begonnen (Foto: Kaspars Grinvalds / shutterstock.com)

Der Streaming-Markt gilt als hochattraktiv. Das hat nicht nur der Streaming-Pionier Netflix frühzeitig erkannt und mit seiner beeindruckenden Expansion in den letzten Jahren seine Marktführerschaft zementiert. Doch so stark die gerade vorgelegten Zahlen auch waren – in Zukunft könnten die Karten im Videostreaming-Markt neu gemischt werden. Die Konkurrenz um Apple, Disney und Co. holt nämlich zum Gegenschlag aus und könnte Netflix das Leben bald deutlich schwerer machen.

Ergebnisse im Schlussquartal deutlich über den Erwartungen

Der Streaming-Marktführer Netflix hat sich im vierten Quartal dank Serien- und Filmhits wie “The Witcher” oder “The Irishman” überraschend gut geschlagen. Netflix konnte seine Umsätze um 31% auf 5,5 Milliarden Dollar steigern. Zeitgleich verbesserte sich der Nettogewinn signifikant von 134 auf 587 Millionen Dollar. Unter dem Strich blieb mit einem Gewinn je Aktie von 1,30 Dollar deutlich mehr übrig als die Analysten im Vorfeld erwartet hatten (0,53 Dollar je Aktie).

28% Wachstum in 2019

Auch der Blick auf das komplette zurückliegende Jahr kann sich durchaus sehen lassen. Immerhin stiegen die Erlöse auf 20,15 Milliarden Dollar und lagen damit 28% über dem Vorjahresniveau. Unterdessen verbesserte sich auch die operative Gewinnmarge (EBIT) im Berichtszeitraum. Mit einem EBIT von 2,60 Milliarden Dollar erhöhte sich die Marge um 3 Prozentpunkte auf 13%. Netflix bringt es inzwischen auf über 167 Millionen Kunden, davon mehr als 100 Millionen außerhalb der USA.

Enttäuschendes Neukundenentwicklung in den USA

Es gab aber auch Schattenseiten im Zahlenwerk. Vor allem in den USA enttäuschte Netflix: Mit 423.000 Neukunden konnten deutlich weniger als die erwarteten 660.000 neue Abonnenten gewonnen werden. Weltweit sah es mit 8,8 Millionen Neukunden im Schlussquartal schon besser aus. Allerdings dürfte es zukünftig deutlich schwieriger werden, die Investoren mit hohen Wachstumsraten zu beglücken.

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Rivalen starten Aufholjagd

Neben Amazon Prime als globale Nummer 2 könnte vor allem Disney für Druck sorgen. Sie müssen wissen: Mitte März geht der Medienriese in zahlreichen Märkten Westeuropas, darunter Deutschland, Schweiz und Österreich sowie Großbritannien, Italien und Spanien mit seinem Streaming-Angebot live. Mit seinem vor zwei Monaten in den USA gestarteten Service konnte Disney sämtliche Erwartungen übertreffen. Allein auf mobilen Endgeräten wurde die App über 40 Millionen Mal installiert und produzierte 100 Millionen Dollar Umsatz. Analysten gehen davon aus, dass „Disney+“ in den nächsten fünf Jahren 90 Millionen Abonnenten an sich binden kann. Auf Grund des großen Filmangebots könnte sich Disney als der größte Wettbewerber entpuppen.

Aber damit nicht genug: Mit Apple, Comcast und HBO versuchen sich weitere Großkonzerne auf dem lukrativen Markt in Stellung zu bringen.

Netflix hält mit Inhalten dagegen

Um sich gegen die aufstrebenden Rivalen zu behaupten, muss Netflix die Kunden mit spannenden Inhalten an sich binden. Entsprechend viel Geld gibt der US-Konzern zur Produktion eigener Serien aus. Allein im zurückliegenden Geschäftsjahr betrug das Budget zur Produktion eigener Inhalte stolze 15 Milliarden Dollar. Die massiv gestiegenen Aufwendungen einfach über höhere Abopreise abzufangen, dürfte auf Grund der Konkurrenzsituation zukünftig nicht mehr ganz so einfach werden.


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.