Netflix überrascht Anleger: Warum die Aktie weiter steigt

Die klassische Primetime hat ausgedient: Gerade bei jüngeren Zuschauern sind Video-on-Demand-Portale stark auf dem Vormarsch. Gegen einen pauschalen Monatsbeitrag können Filme und Serien über diese Portale legal gestreamt werden. Wie gut dieses Konzept inzwischen funktioniert, hat Netflix gerade einmal wieder unter Beweis gestellt.

Der US-Anbieter lag sowohl mit seinem Gewinn als auch mit dem Kundenzuwachs im zweiten Quartal über den Erwartungen. Konkret lag der Gewinn je Aktie bei 6 Cent und die Anzahl neuer Abonnenten bei 3,28 Millionen, davon 2,37 Millionen außerhalb der USA. Prognosen waren von 5 Cent je Aktie beziehungsweise 2,5 Millionen Neukunden ausgegangen.

Anleger begeistert – Aktie auf Allzeithoch

Anleger honorierten dies umgehend und schickten die Aktie am Folgetag um satte 18 Prozent in die Höhe. Der Kurs markierte ein neues Allzeithoch bei zeitweise mehr als 117 Dollar. Allein seit Beginn des laufenden Jahres hat sich die Aktie damit mehr als verdoppelt.

Auch Analysten reagierten prompt auf die gute Quartalsbilanz und hoben ihre Kursziele an auf meist mehr als 120 Dollar – und zum Teil noch deutlich darüber auf bis zu 155 Dollar je Aktie.

Allerdings äußerten die Experten in ihren Kommentaren auch teilweise kritische Einschätzungen mit Blick auf die hohen Investitionen, die Netflix tätigt. Das Unternehmen will einerseits sein Angebot ausweiten und andererseits in zahlreiche neue Märkte expandieren.

Massive Expansionspläne

Zurzeit ist der Dienst in etwas über 50 Ländern verfügbar, bis Ende 2016 sollen es 200 werden, so das erklärte Ziel von Netflix. In den kommenden Monaten will sich das Unternehmen in Japan, Spanien, Portugal und Italien platzieren.

Dabei ist man sich in der Managementetage der Risiken durchaus bewusst. Denn obgleich Streamingdienste als Zukunft des Videokonsums betrachtet werden, ist es doch von Land zu Land unterschiedlich, wie schnell sich das Angebot etablieren kann. Hinzu kommt teils starke Konkurrenz durch internationale oder regional ausgerichtete Alternativangebote.

Analysten monieren, dass der Gewinn je Aktie seit einiger Zeit fällt, während sich das Wachstum des Kundenstamms parallel verlangsamt. Die hohen Investitionen werden daher einerseits als Gewinn schmälernd, andererseits aber auch als notwendig angesehen – denn gerade der Ausbau des Angebots, etwa durch Eigenproduktionen wie die jüngsten Erfolgsserien „Daredevil“ oder „Orange is the new Black“, sowie die Erschließung neuer Märkte garantieren das Wachstum des Kundenstamms.

Höhere Einnahmen pro Kunde

Zugleich kann sich Netflix darüber freuen, dass die Einnahmen pro Kunde zuletzt deutlich zugelegt haben. Die Nutzer entscheiden sich demnach häufiger für höherpreisige Angebote, die HD-Auflösung und mehrere Streaming-Accounts erlauben. Da die relativ günstigen monatlichen Abo-Preise als essenziell für die Attraktivität des Dienstes betrachtet werden, sollen diese vorerst beibehalten werden. Eine schrittweise Anhebung oder stärkere Abstufung könnte in mittelfristiger Zukunft erfolgen, wenn auch das Angebot entsprechend ausgeweitet wurde.

Aktuell zählt Netflix gut 65,5 Millionen Kunden. Im dritten Quartal sollen weitere 3,55 Millionen Nutzer hinzugewonnen werden – zwei Drittel davon außerhalb der USA.

24. Juli 2015

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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