Netflix: Vor den Quartalszahlen ein Kauf?

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Die Konkurrenz im Online-Streaming-Markt wird größer. Kann sich Netflix behaupten? (Foto: Harry Wedzinga / shutterstock.com)

Offiziell beginnt die Quartalsberichtssaison in den USA erst Morgen: Dann berichtet der Aluminiumproduzent Alcoa über den Geschäftsverlauf im 1. Jahresviertel 2019.

Traditionell wird dieses Ereignis als Auftakt der Berichtssaison gesehen. Tatsächlich gibt es US-Unternehmen, die schneller sind als Alcoa.

Beispielsweise Netflix. Der Online-Entertainment-Streaming-Dienst legt seine Zahlen für das 1. Quartal heute Abend nach Handelsschluss an der Wall Street vor.

Netflix steht derzeit besonders im Fokus der Investoren und Analysten, nachdem Apple vor gut 3 Wochen seinen eigenen TV-Streaming-Dienst „Apple TV+“ noch für dieses Jahr angekündigt hatte.

Auch Disney will Ende 2019 mit einem eigenen Streaming-Dienst an den Markt gehen: „Disney+“ stützt sich dabei auf Content seiner 5 Top-Marken Disney, Pixar, Marvel, Star Wars und National Geographics.

Zudem besitzt Amazon mit seinem Prime-Angebot schon einen großen Marktanteil.

Ist Netflix unter diesen Aspekten derzeit ein Kauf? Wir schauen insbesondere auf die Charttechnik.

Die Konkurrenz erwacht und formiert sich

Rund 130 Mio. Abonnenten hat Netflix bereits für sich gewinnen können. Nun wollen sich auch Apple und Disney ein großes Stück der Torte des Online-Streaming-Marktes abschneiden.

Insbesondere dem Mickey-Maus-Konzern wird dank starker Marken wie Disney, Marvel und Star Wars eine starke Konkurrenz für Netflix vorausgesagt.

Amazon wiederum verriet vor genau 1 Jahr erstmals die Zahl seiner Prime-Kunden: Die 100 Mio. Nutzer haben allerdings neben günstigeren Versandkosten beim Online-Shopping Zugriff auf das TV- und Musikangebot des Konzerns.

Das erwarten die Experten

Um der Schlange stehenden Konkurrenz Paroli bieten zu können, wird Netflix mit hoher Wahrscheinlichkeit sein Streaming-Angebot ausweiten (müssen). Das heißt: Der Konzern wird voraussichtlich noch mehr Geld in die Produktion neuer Filme und Serien investieren.

Die Analysten rechnen daher mit einem Gewinnrückgang im 1. Quartal 2019: Das Ergebnis je Aktie soll um -11% von 0,64 USD auf 0,57 USD abrutschen.

Immerhin erwarten die Experten für das Gesamtjahr 2019 einen Gewinnanstieg von zuvor 2,68 USD auf 4,05 USD: Das entspräche einem Zuwachs von stolzen +51%. Allerdings:

In den zurückliegenden 90 Tagen wurde die durchschnittliche Gewinnschätzung von seinerzeit noch 4,13 USD auf den genannten Wert heruntergenommen: Der Trend zeigt mithin nach unten.

Charttechnik: Weder Fisch noch Fleisch

Schauen wir also auf den Netflix-Chart, ob uns dieser Aufschluss über die Chancen eines Investments vermitteln kann:

Netflix in USD: Bewegtes und zugleich zerfahrenes Chartbild

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Wie Sie selbst sehen, ist das Chartbild reichlich unausgegoren.

Erst war die Netflix-Notierung Anfang 2018 aus dem im Juli 2016 initiierten Aufwärtstrend nach oben ausgeschert: Eine klare Trend-Beschleunigung.

Mit Beginn des allgemeinen Marktrückgangs Anfang Oktober letzten Jahres fiel auch die Netflix-Aktie endgültig wieder in den alten Aufwärtstrendkanal zurück. Schlimmer noch:

Im November 2018 wurde der Aufwärtstrendkanal sogar nach unten verlassen. Seit Jahresbeginn ringt die Notierung mit dem Wiedereintritt: Der Kurs pendelt um die Aufwärtstrendlinie.

An den letzten beiden Handelstagen geriet die Netflix-Aktie allerdings deutlich unter Druck.

Wie agieren die Großinvestoren?

Schauen wir daher noch auf eine weitere Grafik: Diesmal habe ich den Betrachtungszeitraum verkürzt und zusätzlich das On-Balance-Volumen eingeblendet.

Dieser Indikator verknüpft die täglichen Kursveränderungen mit den Umsätzen und verschafft Ihnen so Einblick in die Aktionen der Großinvestoren.

Netflix in USD: Großinvestoren offensichtlich nicht wirklich überzeugt

Positiv zu werten ist das Verlassen des Abwärtstrends im On-Balance-Volumen (OBV) zu Jahresbeginn. Allerdings bildete der Indikator im Anschluss lediglich eine Seitwärts-Bewegung aus (grünes Rechteck).

Hier wäre mehr Enthusiasmus seitens der Großinvestoren wünschenswert gewesen.

Fazit

Zum bislang wichtigsten Netflix-Gegenspieler Amazon gesellt sich im Laufe dieses Jahres mit Apple und Disney weitere starke Konkurrenz. Daher werden die heute nach Handelsschluss in New York veröffentlichten Quartalszahlen mit Argusaugen angeschaut.

Entscheidend wird sein, ob Netflix den von den Analysten erwarteten Gewinnrückgang um rund -11% geringer gestalten oder sogar mit einem Ergebniszuwachs aufwarten kann.

Eine Enttäuschung in Gestalt eines stärkeren Gewinnrückgangs dürfte von den Aktionären gewiss mit einem kräftigen Kursabschlag bestraft werden.

Ebenfalls werden die Experten genau hinschauen, was Netflix der wachsenden Konkurrenz entgegensetzen will: Eine Ausweitung des Programmangebotes  – was eine deutliche Aufstockung der Investitionskosten erfordert – ist da schon nahezu Pflicht.

Mit Blick auf den Chart rate ich von einem Einstieg VOR Bekanntgabe der Zahlen ab: Die Charttechnik ist nicht wirklich positiv zu werten.


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.