Netzwerkspezialist Cisco schlägt in Großbritannien zu: Künstliche Intelligenz soll Software aufpeppen

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Netzwerkriese Cisco auf Einkaufstour: Zwei Zukäufe innerhalb weniger Tage sollen Umbau des Geschäftsmodells beschleunigen (Foto: jejim / shutterstock.com)

Der Technologie-Riese Cisco setzt seine Einkaufstour ungebremst fort. In der vergangenen Woche wurden gleich zwei Zukäufe bekanntgegeben. Zum einen schluckt Cisco den britischen CRM-Spezialisten Imimobile für 730 Millionen Dollar und tätigt damit den größten Zukauf in Großbritannien der letzten drei Jahre. Zum anderen schlägt der US-Konzern beim Startup Slido zu, das die Interaktion von virtuellen Meetings bei WebEx verbessern soll.

Während sich der Aktienkurs von Cisco nahezu unbeeindruckt von den Übernahmen zeigte, schoss der Kurs Imimobile auf Grund des hohen Aufpreises um 47% auf 591 Pence in die Höhe.

Cisco im Portrait

Cisco gehört weltweit zu den bekanntesten und führenden Anbietern in der Kommunikationsbranche. Die angebotenen Dienstleistungen der US-Amerikaner, welche vornehmlich aus Routern und Switches bestehen, sind zum einen für die Kontrolle des Datenaustauschs innerhalb von Unternehmen, wie aber auch die generelle Datenverbindung mit dem Internet verantwortlich. Das Produktportfolio erstreckt sich dabei über Daten-, Sprach-, und Videokommunikation.

Abgerundet wird das breite Angebotsuniversum mit dem damit verbundenen Netzwerkmanagementservice und der Beratung sowie den dazugehörigen Programmen. Sobald ein Unternehmen sich also für Lösungen von Cisco entscheidet, entstehen nicht nur einmalige Einnahmen, sondern gleichermaßen auch wiederkehrende Erträge durch Serviceleistungen.

Satter Aufpreis für Imimobile

Nun aber zu den Übernahmen: Der Kauf des britischen CRM-Spezialisten Imimobile für 730 Millionen Dollar in bar soll das eigene Webex Contact Center mit kundengerichteten Services verbessern. Die Anleger des britischen Unternehmens dürfte es freuen. Immerhin beinhaltet Ciscos Offerte für den Anbieter von Kundendienstleistungssoftware einen Aufpreis von beinahe 50% auf den Schlusskurs vor Bekanntgabe der Übernahme.

Übernahme motzt eigenen Kundenservice auf

Die Stoßrichtung ist klar: Cisco-Boss Chuck Robbins will das Unternehmen – dessen Hardware das Rückgrat des Internets bildet – als Anbieter von Netzwerk-Software und -Diensten umgestalten. Cisco reagiert damit auf eine branchenweite Verschiebung, die dazu führt, dass mehr der Funktionen, die traditionell durch interne Hardware bereitgestellt wurden, auf das Outsourcing durch entfernte Rechenzentren verlagert wurden. Zudem will der US-Konzern mit dem Zukauf durch künstliche Intelligenz die Automatisierung im Kundenbeziehungsmanagement der Unternehmenskunden steigern. Die Software hilft dem Kunden beispielsweise dabei, Angebote in die von ihnen bevorzugte Richtung zu lenken, z.B. durch Textnachrichten, soziale Medien oder einen Sprachanruf.

Cisco sieht großes Synergiepotenzial in diesem Bereich. Man wolle den Kunden eine intelligente und kollaborative Lösung für umfassende Omnichannel-Funktionen bieten.

Slido soll virtuelle Meetings verbessern

Mit dem zweiten Zukauf des Startups Slido plant der Netzwerkausrüster Cisco Systems die Interaktion von virtuellen Meetings bei WebEx zu verbessern. Slido befindet sich im Privatbesitz und hat seinen Sitz in der Slowakei. Das Unternehmen hat eine Plattform für die Interaktion mit dem Publikum entwickelt, um Fragen und Antworten, Umfragen und das Engagement für Online-Videokonferenzen zu verbessern. Eigenen Angaben zufolge hat Slido monatlich über sieben Millionen Teilnehmer. Mit dem Zukauf soll die Videokonferenz-Plattform WebEx mit neuen Funktionen ausgestattet werden. Die Transaktion wird voraussichtlich im Mai nächsten Jahres abgeschlossen. Über den Kaufpreis wurde von den beteiligten Parteien Stillschweigen vereinbart.

Transformation schreitet weiter voran

Die Transformation weg vom reinen Hardwareanbieter hin zu einem Spezialisten für Software und Anbieter von Abonnements setzt sich mit den Zukäufen weiter fort. Ob beziehungsweise wie schnell der Konzern damit wieder auf den Wachstumspfad kommt, ist allerdings ungewiss. Im zurückliegenden Quartal rutschte der Umsatz um 9% auf 13,2 Milliarden Dollar in den Keller. Zeitgleich brach das operative Ergebnis auf 2,57 Milliarden Dollar ein (-28%). Beim Nettoergebnis blieben am Ende 2,17 Milliarden Dollar und damit 26% weniger als im vergleichbaren Vorjahresquartal hängen.

Den Anlegern reicht das offenbar nicht. Trotz der jüngsten Erholungsbewegung der Aktie und der starken Performance von Technologieaktien liegen die Cisco-Papiere seit dem Jahreswechsel immer noch mit 7% in der Verlustzone.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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