Neue Luftfahrt-Studien: Passagier-Verdopplung bis 2035

Die Luftfahrt-Branche könnte in den nächsten Jahrzehnten einen deutlichen Aufwärtstrend erleben. Fluggast-Zahlen sollen in Zukunft stark ansteigen In einer kürzlich […] (Foto: EQRoy)

Die Luftfahrt-Branche könnte in den nächsten Jahrzehnten einen deutlichen Aufwärtstrend erleben.

Fluggast-Zahlen sollen in Zukunft stark ansteigen

In einer kürzlich veröffentlichten Studie der Internationalen Zivilluftfahrt-Behörde wird mit einer Verdopplung der Passagierzahlen von 2016 – 2035 gerechnet.

Lag das Passagier-Aufkommen 2016 noch bei 3,5 Mrd., sollen es 2035 bereits 7,2 Mrd. sein.

Dieser kräftige Anstieg liegt zum einen an der dichteren Vernetzung der Weltwirtschaft, zum anderen an dem steigenden Wohlstands-Niveau in Schwellenländern.

Die Zahlen decken sich mit den von Boeing auf der Pariser Air Show veröffentlichten. Der amerikanische Flugzeugbauer hat die Vorjahres-Prognose nach oben revidiert.

Demnach soll in den nächsten 20 Jahren ein weltweiter Bedarf an neuen Flugzeugen von 41.030 im Wert von 6,1 Bio. $ bestehen.

40% der Flugzeuge seien Ersatz-, der Rest Expansions-Investitionen.

Mit mehr als 16.000 Flugzeugen führt China die Auslieferungs-Prognose mit großem Abstand an. Absatztreiber Nr. 1 sollen kleine Flugzeuge mit 90 – 230 Sitzplätzen sein.

Preiskampf der Duopole drückt Margen

Boeing und Airbus führen das Feld der Flugzeugbauer an und liefern sich seit Jahren aggressive Preisschlachten.

Um die Aktionäre trotz rückläufiger Margen und damit niedrigeren Gewinnen bei Laune zu halten, greifen beide Konzerne tief in die Tasche.

Aktienrückkauf-Programme und Dividenden-Erhöhungen drücken jedoch auf die Eigenkapital-Ausstattung.

Die Folge: Die Eigenkapitalquote beider Flugzeugbauer rutschte in den untersten 1-stelligen Bereich.

Qualitäts-Probleme und rückläufige Preis-Entwicklung

Besonders hart hat es Airbus getroffen: Der Militär-Transporter A400M verursacht nach den massiven Auslieferungs-Verzögerungen Probleme.

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Airbus musste Sonderbelastungen in Höhe von 2,2 Mrd. € aufwenden.

Boeing schaffte es zwar, die Anzahl an Auslieferungen zu erhöhen und Qualitäts-Probleme zu minimieren.

Aufgrund des Preisdrucks mussten die Amerikaner aber dennoch eine rückläufige Umsatz-Entwicklung verbuchen.

Der kanadische Hersteller Bombardier, der als der weltweit drittgrößte Flugzeugbauer gilt, verliert währenddessen immer mehr Marktanteile.

Der Konzern legte ein massives Kostensenkungs-Programm auf und versucht seine Präsenz im Schienenverkehr auszubauen, um die Umsatz-Flaute zu kompensieren.

Pilotenloses Cockpit und autonome Flugzeug-Taxis

Die 2 größten Flugzeugbauer der Welt arbeiten auf Hochtouren an Wegen aus der Preisschlacht:

  • Boeing möchte bei Fluglinien mit pilotenlosen Flugzeugen punkten und hat bereits erste Testflüge für dieses Jahr geplant. Fluglinien könnten die Maschinen einerseits flexibler einsetzen, andererseits würden die Kosten deutlich sinken.
  • Airbus präsentierte unter dem Projektnamen „Vahana“ ein VTOL-Flugzeug (Vertical Take- Off and Landing). Dieses soll als autonomes Flugzeug-Taxi den städtischen Nahverkehr revolutionieren.

Wann diese Konzepte tatsächlich einsetzbar sind, bleibt offen.

Das krisensichere Rüstungs-Geschäft

Lockheed Martin profitiert von der geplanten Ausweitung der Militär-Ausgaben der US-Regierung.

Das Budget wurde um 10% auf 594 Mrd. $ aufgestockt. Zusätzlich sorgt die Aufhebung der Iran-Sanktionen und der Waffendeal mit Saudi-Arabien für positive Impulse.

Der Umsatz mit militärischen Triebwerken war bei MTU im 1. Quartal zwar rückläufig.

Doch trotzdem rechnen auch die größten Turbinen-Hersteller Deutschlands in den nächsten Jahren mit einer positiven Entwicklung des Rüstungs-Geschäfts.

Die zunehmenden politischen Unsicherheiten führen schließlich zu einem erneuten Aufrüsten.


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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.