Neue Shortseller-Attacke auf ein deutsches Unternehmen!

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Viceroy Research hatte auch schon Ungereimtheiten bei Wirecard aufgedeckt. Jetzt wird dem MDAX-Konzern Grenke Betrug und Geldwäsche vorgeworfen. (Foto: canadastock / shutterstock.com)

Grenke steht heute im Mittelpunkt mit deutlich über 20 Prozent Verlust an einem Tag. Bei der Aktiengesellschaft handelt es sich um einen Anbieter für IT-Leasing. „Viceroy Research“ haben einen Bericht veröffentlicht, der dem Unternehmen unter anderem Geldwäsche für Kriminelle vorwirft. Es geht also ans Eingemachte.

Nachdem wir gestern uns schon mit Nikola und deren vermeintlicher Luftnummer beschäftigt haben, schauen wir uns heute Grenke genauer an. Die Firma ist im MDAX gelistet. Besonderes Schmankerl: Viceroy hatte auch schon Ungereimtheiten bei Wirecard aufgedeckt.

Grenke im Tageschart

Das Tief von heute bei rund 40 Euro hatten wir im Corona-Tief bereits einmal gesehen. Auch damals kamen wieder Käufer in den Markt. Genauso wie heute. Vielleicht war es das, vielleicht auch noch nicht.

Als Anleger sollten Sie sich auch hier die Frage stellen, ob Viceroy Research sich sämtlich Vorwürfe wirklich nur ausgedacht hat oder wie viel Wahrheit dahintersteckt.

Konkret geht es nicht nur um Geldwäsche für Kriminelle, sondern auch um Betrügerei von Kleinunternehmen sowie Bilanzbetrug.

Auch hier ist das Konstrukt der Firma letztlich undurchschaubar. Dutzende Franchise-Konzessionen seien gekauft worden, um die globale Expansion voranzutreiben. Doch wer genau diese Konzessionen bekommen hat, wird nicht veröffentlicht, so Viceroy Research. Die Folge könnte somit in einem möglichen betrügerischen Plan sein, dass entweder gefälschte Bargeldbeträge versteckt werden und / oder Millionen von Euro an nahestehende Parteien abgeschöpft wird, die dann nicht offenbart werden.

Leasing-Modell absichtlich so gestaltet?

Das wirft Viceroy Grenke vor: Das Leasing-Modell sei so aufgebaut, dass es zügellosen Betrug von Wiederverkäufern fördert. Was wiederum zu Forderungsausfällen und langwierigen Rechtsstreitigkeiten führen soll. Somit können kleine Unternehmen betrogen werden. Aber auch Regierungen und Wohltätigkeitsorganisationen seien davon betroffen.

Viceroy kommt somit zu dem Schluss, dass die Aktien von Grenke keinen Kauf wert sind – so formulieren das Shortseller gerne. Explizit als Begründung werden Buchhaltungsbetrug und zahlreiche nicht offengelegte Transaktionen genannt.

Erschwerend komme hinzu, dass es intern keine Kontrollen gäbe. Die Buchhaltung habe also freie Hand, um kreativ arbeiten zu können. Hier gibt es auch noch ein angehängtes Bankgeschäft, das Grenke betreibt. Laut Viceroy komme hier auch Geld auf Konten zum Einsatz, das es nicht gibt. Gelwäsche würde dadurch begünstigt, genauso wie Betrügereien mit binären Optionen und Krypto-Betrug über unregulierte Handelsplattformen.

Die Vorwürfe sind nicht ohne. Wenn der Shortseller Recht haben sollte, müsste die Aktie in den kommenden Wochen und Monaten noch tiefer fallen.

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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.