Neue Studie: Anleihen für den Mittelstand

Gestern ist eine neue Studie zu Mittelstandsanleihen erschienen. Heute geben wir Ihnen einen Überblick über die Kernergebnisse der Studie. (Foto: MR.LIGHTMAN1975 / Shutterstock.com)

Gestern ist eine neue Studie zu Mittelstandsanleihen erschienen. Heute geben wir Ihnen einen Überblick über die Kernergebnisse der Studie.

In der Studie „Anleihen für den Mittelstand“ wurden Fragen wie „Wann lohnt sich die Emission einer Mittelstandsanleihe?“ oder „Was ist bei der Umsetzung zu berücksichtigen?“ thematisiert.

FINANCE-Research hat rund 20 Tiefeninterviews mit Finanzentscheidern aus dem Mittelstand, Emissionsberatern, Ratingagenturen, klassischen Mittelstandsbanken, Anwälten, Investoren und Wirtschaftsprüfern geführt.

Kernergebnisse der Studie

Anleihen bieten Mittelständlern im aktuellen Umfeld weiterhin eine interessante Finanzierungsalternative.

Wegen der hohen Fixkosten sind Emissionen aber erst ab einem Volumen von 30 Millionen Euro wirtschaftlich sinnvoll.

Markenbekanntheit hat großen Einfluss auf Erfolg der Anleihe

Unternehmen mit hoher Markenbekanntheit tun sich bislang besonders leicht bei der Anleihefinanzierung.

Daraus folgt, dass Mittelständler, deren Marke nicht so geläufig ist, besonderen Wert auf Marketing und die Investorenansprache legen müssen, da sonst der Platzierungserfolg unter den Erwartungen bleiben kann. Platzierungsgarantien sind bei Mittelstandsanleihen nicht gängig.

Publizitätspflichten als Hinderungsgrund

Die Publizitätspflichten, die mit einer Transaktion einhergehen, sind besonders für nicht börsennotierte Unternehmen immer noch ein wichtiger Hinderungsgrund.

Allerdings macht sich ein Umdenken breit: Deutsche Unternehmen sind wegen der schlichten Notwendigkeit bereit, an den Kapitalmarkt zu gehen.

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Die Alternative zu einer Anleiheplatzierung ist häufig keine andere Finanzierung, sondern der Verzicht auf Wachstum. Schuldscheine, syndizierte Kredite oder Mezzanine stehen aus unterschiedlichen Gründen vielfach nicht zur Verfügung.

Aus Risikoerwägungen sollten sich Unternehmen nicht nur auf ein Finanzierungsinstrument verlassen. Ist der Kapitalmarkt nicht aufnahmefähig, was erfahrungsgemäß immer wieder vorkommt, ist ein Unternehmen in der Regel auf eine Bankfinanzierung angewiesen.

Anlegerschutzklauseln in Zukunft noch wichtiger

Anlegerschutzklauseln wie Covenants und Sicherheiten könnten in Zukunft eine deutlich größere Rolle spielen – besonders für Unternehmen unterhalb des Investmentgrade.

Sie werden von den Börsen momentan zwar nicht gefordert, aber zunehmend von Investoren.

Rating vorzugsweise von deutschen Agenturen

Bei den Ratings setzen Emittenten bewusst auf deutsche Agenturen. Im Hinblick auf die Ansprache internationaler Investoren könnte die Bonitätsbewertung durch international anerkannte Ratingagenturen künftig aber an Bedeutung gewinnen.

Gefahr der Ausfälle

Ein aufsehenerregender Default oder gehäufte Zahlungsausfälle könnten die für Mittelstandsanleihen bedeutende Investorengruppe der Privatanleger nachhaltig verschrecken.

Dass es früher oder später zu Ausfällen kommen wird, ist jedoch schon aufgrund der Ratingverteilung der bisherigen Emittenten unstrittig. Dauerhaft hohe Qualitätsstandards sind für die langfristigen Perspektiven des Marktsegments deshalb immanent wichtig.

Die Studie wurde von FINANCE im Auftrag von youmex in Kooperation mit Mazars und Heuking Kühn Lüer Wojtek durchgeführt.

Weitere Ergebnisse der Studie und eine tiefergehende Analyse werden wir demnächst im Rahmen unserer Publikation veröffentlichen.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.