Neue Zahlen: Großinvestoren vor dem Anleihen-Crash

Die Zinsen an den Finanzmärkten steigen nach und nach, wie der Interbanken-Zinssatz zeigt.

50% mehr zahlen Banken inzwischen dafür, sich selbst untereinander Geld zu leihen.

Die Notenbanken können mit der Niedrigzins-Politik diesem Trend kaum etwas entgegensetzen.

Steigen die Zinsen demnächst weiter, werden Anleihen wertloser. Die Konsequenz tragen weiterhin Lebensversicherer, wie neue Zahlen zeigen.

Vorsicht: Bleiben die Institute ihrer Politik treu, wird es 2012 und 2013 noch enger für Kunden von Kapital-Lebensversicherungen.

Konkret heißt das für Sie: Schließen Sie, wenn möglich, keine Verträge zu Lebensversicherungen mehr ab – und überprüfen Sie bestehende Verträge!

Umfrage: 74% Anleihen-Anteil bei Lebensversicherungen

Großinvestoren in Europa halten einer Umfrage der JP Morgan Asset Management zufolge an festverzinslichen Anlagen fest.

57% des Vermögens wollen die institutionellen Investoren künftig (noch) in Anleihen halten – angesichts der gewaltigen Risiken für die Anleihenkurse erstaunlich.

Im Einzelnen: Rekordhalter unter den institutionellen Anlegern sind Kapital-Lebensversicherungen. Diese Institute halten sogar 74% in festverzinslichen Papieren – mit allen Risiken.

Pensionsfonds haben dagegen nur noch 41% in Anleihen investiert.

27% der Befragten wollen das Kapital in „erstklassige europäische Unternehmensanleihen“ investieren. Die JP Morgan Asset Management ermittelte diesen angeblich vergleichsweise hohen Anteil.

Die Investoren achteten sehr genau darauf, in welche Papiere sie investieren.

Umgekehrt allerdings schließen wir daraus: Mehr als 70% riskieren ihr Kapital entweder in Staatsanleihen oder extrem „langweiligen“ sonstigen Anleihe-Instrumenten.

Angeblich sichere Staatsanleihen sind ein Risiko

Zurück zu den Lebensversicherungen: Wenn Großinvestoren wie diese Versicherungen überwiegend in Staatsanleihen investieren, wird die Rendite in den nächsten Jahren auch nach dieser jüngsten Umfrage weiter sinken.

Jeder Schuldenschnitt, wie er demnächst in Griechenland als erstem der Eurozonen-Staaten bevorsteht, wird das Vermögen der Versicherungs-Gesellschaften reduzieren.

Gleichzeitig sinken die Kurse anderer Staatsanleihen, so dass Sie mit sinkenden Überschüssen schon im Jahr 2012 rechnen müssen.

Denn: Versicherungs-Gesellschaften halten die Staatsanleihen zwar in aller Regel bis zum Laufzeitende.

Und sie werden überwiegend wenig Geld mit sicheren Papieren verlieren, müssen ihre Bestände aber auch den Marktpreisen entsprechend bewerten. Sinken die Kurse dramatisch, sinken auch die jährlichen Gewinne.

Sinkt zudem die Rating-Bewertung für Staaten, wie zuletzt, weiter, werden Versicherungs-Gesellschaften im Zweifel einzelne Staatsanleihen verkaufen müssen.

Das heißt:

  • Durch den Verkauf der Staatsanleihen vor dem Ende der Laufzeit entstehen Verluste – schon 2012 wird es soweit sein.
  • Dies senkt automatisch Überschüsse für laufende Verträge sowie die Abschluss-Zahlungen für auslaufende Vertrags-Verhältnisse.
  • Gleichzeitig wird die negative Berichterstattung 2012 den Zustrom neuen Kapitals in Versicherungen senken. Die Folge: Überschüsse können nicht mehr, wie bislang, aus neuen Verträgen gespeist werden.

GeVestor meint

Auch die neue Umfrage belegt, dass es für Versicherungen enger wird. Wir rechnen nicht mit dem massenhaften Zusammenbruch der Gesellschaften im Jahr 2012.

Die Überschüsse aber sinken. Aus dem Anleihe-Crash wird ein Rendite-Crash.

Für Sie gibt es dazu 2 Lösungen:

Sie könnten Lebensversicherungen kündigen. Dies aber ist teuer. Zunächst reduzieren die Anfangskosten für den Vertrieb und die Verwaltung junge Verträge. Wer innerhalb der ersten 5 Jahre kündigt, verliert mehr als 20%.

Die Stornogewinne der Versicherungen aus solchen Maßnahmen belaufen sich nach einer Studie der Universität Bamberg auf 160 Mrd. € (bezogen auf die vergangenen 10 Jahre).

Daher ist die 2. Alternative interessanter: Lassen Sie bestehende Verträge ruhen! Ihre bisherigen Beiträge können Sie in Form von Sparplänen auf ETF-börsengehandelte Fonds in Aktien investieren.

5. Dezember 2011

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Jan Aalto
Von: Jan Aalto. Über den Autor

Jan Aalto ist der Experte für Wirtschaft und Geldanlage.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt