Neue Zeiten bei BlackBerry

Bahnt sich mit BlackBerry die nächste große Turnaround-Story an? Der ehemalige Marktführer für Mobilfunkgeräte im geschäftlichen Umfeld verliert bekanntermaßen seit Jahren an Marktan-teilen und schreibt gigantische Verluste. Noch im 3. Quartal diesen Jahres wurde durch not-wendige Abschreibungen auf Vermögensgegenstände, vor allem aber auf unverkaufte Lager-bestände, ein Verlust von 4,4 Mrd. Dollar ausgewiesen. Das ganze bei einem Quartalsumsatz von 1,2 Mrd. Dollar.

Wer sich jetzt fragt, wie lange das gut gehen kann, ist auf der richtigen Spur. Dennoch verbreitet das Management Optimismus, ob es sich dabei nicht um reinen Zweckoptimismus handelt, bleibt abzuwarten. Aber was sollen die neuen Besen, pardon, die beiden neuen Manager John Chen und John Sims auch anderes machen. Würden sie selbst nicht an ihren Erfolg glauben, wären sie eine glatte Fehlbesetzung für den Retterjob.

Verkauf abgeblasen, die neue Partnerschaft nimmt den asiatischen Markt ins Visier

Mit den beiden neuen Chefs, die BlackBerry vom langjährigen Softwarepartner SAP abgeworben hat, und einer neuen, strategischen Partnerschaft soll es gelingen, wieder Marktanteile zurückzu-erobern. Marktanteile, die man seit Jahren an Apple mit seinem iPhone oder an Samsung mit seinem Android-Betriebssystem verliert.

BlackBerry schaltet wieder auf Angriff und stellt damit die Pläne aus dem Sommer diesen Jahres, sich selbst zum Verkauf zustellen, zurück. Mit einem neuen Großaktionär, dem chinesischen Elektronikfertiger Foxconn an der Seite, will man das Comeback wagen, die neue Entwicklungs-partnerschaft zielt vor allem auf die wachsenden Märkte in Asien ab.

Mit Foxconn, dem bisherigen Apple-Hauptlieferanten an der Seite und Barmitteln in Höhe von 3,2 Mrd. kanadischen Dollar auf der Bank kann die neue Partnerschaft durchstarten. Beide Parteien geben sich fünf Jahre Zeit, um erfolgreich zu sein.

Erfolgreich aufgenommen wurden die personellen Veränderungen und die strategische Ausrichtung mit dem neuen Großaktionär an der Seite bereits an der Börse. Mit einem Kurs-gewinn von +15,52% zählte die BlackBerry-Aktie am Freitag zu den Tagesgewinnern an der amerikanischen Nasdaq. Die Vorschusslorbeeren, die man dem Unternehmen einräumt, sind groß. Wie es für die BlackBerry Ltd. weitergeht, müssen die kommenden Monate zeigen, deshalb schadet es nicht, wenn wir bereits heute einen Blick auf die charttechnische Lage werfen.

Der nachstehende Point&Figure-Chart zeigt es, die derzeitige Euphorie ist aus Sicht des Point&Figure-Trading nicht angebracht, hier sind bislang nur die Spekulanten, nicht die Investoren am Ball.

BlackBerry-Chart 23-12-2013

(anklicken zum Vergrößern)

Die Aktie notiert klar in einem Point&Figure-Verkaufssignal, die roten Kreise für entsprechende Verkaufssignale und die fallende rote Trendlinie signalisieren dies sehr eindrucksvoll

Turnaround oder Pleite – was erwartet uns bei BlackBerry?

Zwar besteht mit dem gestrigen Kursanstieg und der dadurch entstandenen neuen X-Säule die theoretische Chance, dass bei 4,00 can-$ ein Boden gefunden sein könnte, doch sicher ist das nicht. Der übergeordnete Trend bleibt abwärts gerichtet, das Point&Figure-Kursziel liegt bei 0,00 can-$ und geht rein chart-technisch von einer Insolvenz des Unternehmens aus.

Soweit wird es nicht kommen, denn die Marke ist zu bekannt ist. BlackBerry ist, auch wenn man derzeit stark leidet, ein Unternehmen, das sich in jedem Fall zu Geld machen lässt. Bleibt nur die Frage, wieviel es wert ist. Zum jetzigen Zeitpunkt eher wenig mehr als die aktuellen Barmittel plus die Werte der gehaltenen Patente.

Wenn sich daran in Zukunft etwas ändern sollte, werden die Börsianer dies frühzeitig zu erkennen wissen und die Kurse wieder und noch weiter nach oben treiben. Haben wir dann gar ein klares Point&Figure-Kaufsignal, können selbst wir als vorsichtige Point&Figure-Investoren ein Tänzchen mit BlackBerry wagen.

Vielleicht landen wir ja wieder einen vergleichbaren Treffer wie bei Nokia, mit der die Abonnenten des Point&Figure-Trader in diesem Jahr binnen weniger Wochen einen Gewinn von +45,45% einfahren konnten.

23. Dezember 2013

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Von: René Neukirch. Über den Autor

René Neukirch, Jahrgang 1963, ist Händler. Parketthändler. Zumindest nannte man es damals, vor über 26 Jahre so. Mit nur 22 Jahren hatte er sich schon vom einfachen Bankkaufmann hochgearbeitet zum Parketthändler und ist seitdem der Leidenschaft Börse verfallen.

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