Neuer Ärger für die Bankenbranche

Der gestrige kurzzeitige Sturz unter die 11.000-Punkte-Marke hat auch heute noch die „Schnäppchenjäger“ angelockt. Obwohl keine wichtigen Nachrichten präsentiert wurden, kletterte der DAX um knapp 2,5% auf 11.265 Punkte.

Es könnte sich jetzt die Entwicklung aus dem Herbst 2014 wiederholen: Die nervösen Anleger haben fluchtartig den Markt verlassen und Buchgewinne realisiert und die Anleger, die den Anstieg von 10.000 auf 12.000 verschlafen haben, nutzen den Kurssturz für ihren Einstieg.

Der DAX konnte heute stark zulegen, aber die Stimmung ist nicht in allen Branchen rosig. Die Bankenbranche ist seit Ausbruch der Finanz- und Schuldenkrise arg gebeutelt. Immer wieder gibt es Negativschlagzeilen oder sogar Skandale und in diesem Zusammenhang immer wieder auch neue Strafen für Banken.

Auch in den vergangenen Tagen gab es zahlreiche Negativmeldungen aus der Bankenbranche. So fand beispielsweise in der Woche eine große Razzia bei der Deutschen Bank in Frankfurt statt. Hintergrund sollen Ermittlungen im Rahmen sogenannter Cum-/Ex-Geschäfte sein.

Dabei geht es um eine Strategie, mit deren Hilfe eine einmal gezahlte Steuer mehrfach zurückerstattet wird. In dieser Sache befindet sich zum Beispiel auch der AWD-Gründer Carsten Maschmeyer derzeit in einer Auseinandersetzung mit der Schweizer Bank J. Safra Sarasin.

Maschmeyer und einige seiner Freunde und Geschäftspartner haben in einen Cum-/Ex-Fonds von Sarasin investiert und dabei einige Millionen Euro verloren, da die mehrfachen Steuererstattungen plötzlich ausblieben, weil der Fiskus hinter den Missbrauch kam. Dies aber nur am Rande.

Neue Ermittlungen gegen 9 Großbanken

In den vergangenen Tagen gab es zudem die Meldung, dass auf die Bankenbranche offenbar die nächste Welle an milliardenschweren Strafzahlungen zurollt.

Hintergrund sollen windige Geschäfte beim Verkauf von mit Hypotheken gesicherten Wertpapieren – sogenannten Residential Mortage Backed Securities (RMBS) – sein. Dies berichtete das Wall Street Journal unter Berufung auf eingeweihte Kreise.

Sogenannte MBS-Papiere, gesichert durch zweitklassige Hypothekendarlehen, spielten eine wesentliche Rolle bei der Entstehung der Immobilienblase bis 2008 und der folgenden Finanzkrise, als die Blase platzte.

Daher ist auch im Zusammenhang mit der Immobilienblase, die die Finanzkrise maßgeblich verursachte, oft von der sogenannten Subprime-Krise die Rede. Denn: Subprime bedeutet frei übersetzt soviel wie zweitklassig.

Die Gerüchte besagen: Die Ermittlungen gegen gleich 9 Großbanken würden nicht nur bereits laufen, sondern stünden sogar schon vor dem Ende. Nachdem die großen US-amerikanischen Geldhäuser insgesamt bereits Strafen in Höhe von 37 Mrd. US-Dollar gezahlt haben, drohen nun weitere Strafen in Höhe von bis zu 3 Mrd. US-Dollar je Institut.

Neben den US-Banken Goldman Sachs, Morgan Stanley und Wells Fargo sollen auch die europäischen Banken Barclays, Credit Suisse, Deutsche Bank, Royal Bank of Scotland (RBS) und UBS betroffen sein.

Fazit: Bankaktien bleiben weiterhin riskant

All diese Negativmeldungen aus der Bankenbranche zeigen vor allem eines: Sie als Aktionär sollten bis auf weiteres Bank-Aktien meiden. Denn wo und wann die nächsten Negativschlagzeilen auftauchen oder Milliardenstrafen verhängt werden, ist völlig unkalkulierbar.

Auch wenn Bank-Aktien auf dem Papier zum Teil sehr günstig bewertet zu sein scheinen, sind die Risiken aus meiner Sicht nach wie vor zu groß, als dass sich ein Einstieg anbieten würde. Dies gilt zumindest für Anleger, die nicht bereit sind, größere Risiken einzugehen.

10. Juni 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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