Neuer Ärger um Griechenland: Nächste Hilfszahlung kommt später

Bis jetzt hat Griechenland zu wenige Auflagen der Geldgeber erfüllt. Daher wird die nächste Tranche der Hilfszahlungen wohl in den November verschoben. (Foto: maradon 333 / shutterstock.com)

Erst in der vergangenen Woche hatte ich hier das Thema Griechenland aufgegriffen. Dabei warnte ich von den Gefahren, die von diesem europäischen Krisenland weiterhin für die Stabilität der Eurozone ausgehen. Es ist nun einmal so: Im Zuge der Flüchtlingskrise ist Griechenland nach der vorübergehenden Einigung im Sommer erst einmal in den Hintergrund getreten.

Doch diese trügerische Ruhe könnte sich schon bald auflösen. Die erzielte Einigung zwischen den Geldgebern und der griechischen Regierung fußt auf jeden Fall auf einem brüchigen Fundament. Das zeigt sich gerade heute. So meldet die „Süddeutsche Zeitung“, dass die noch im Oktober ausstehende Zahlung der Geldgeber an Griechenland in Höhe von 2 Mrd. Euro wohl erst einmal zurückgehalten wird.

Der Hauptgrund für die Verzögerung ist die wiederum zögerliche Umsetzung der geforderten Reformen in Griechenland. Nimmt man die öffentliche Wahrnehmung als Basis, dann läuft in Griechenland derzeit alles rund. Nach der Wahl von Ministerpräsident Zebras tauchen doch bei uns immer wieder Meldungen auf über laufende Reformpakete in Griechenland.

Zu wenige Reformen sind erst auf dem Weg – Druck der Geldgeber nimmt zu

Doch in der Praxis sieht das ganz anders aus. So sind wohl bis jetzt lediglich 14 der 48 geforderten Meilensteine tatsächlich umgesetzt. Besonders große Probleme bereiten die Reformen zum Banken- und Finanzsektor in Griechenland. Dort hatte es in der vergangenen Woche Gespräche zwischen den Geldgebern und der griechischen Regierung gegeben – doch die sind ergebnislos beendet worden.

Ein entscheidendes Problem sind die griechischen Hausbesitzer. Wie Sie sich vorstellen können, haben viele Griechen derzeit Probleme ihre Hypotheken für die eigenen vier Wände aufzubringen. In Griechenland kursieren Schätzungen, wonach mehr als 320.000 Immobilienbesitzer mit den Raten im Rückstand sind.

Holcim und Lafarge einigen sich auf neue Fusions-BedingungenLafarge gibt den Holcim-Forderungen nach und verbannt Lafont in den Verwaltungsrat. Damit ist die Zementhochzeit gerettet - ob sie glücklich wird, muss sich noch zeigen.  › mehr lesen

Geht es nach dem Willen der europäischen Geldgeber, dann steht in Griechenland eine Welle von Zwangsvollstreckungen bevor. So wollen die Geldgeber die Regelungen für Zwangsvollstreckungen verschärfen. Das trifft auf den harten Widerstand der griechischen Regierung.

Im weiteren Verlauf könnte sich genau das zu einem Knackpunkt bei den Verhandlungen herauskristallisieren. Immerhin hatte Ministerpräsident Tsipras erst kürzlich erklärt, dass er keine massenhaften Zwangsräumungen zulassen werden.

An dieser Stelle sieht es einmal mehr so aus, als ob Griechenland den eigenen Versprechungen wieder hinterher läuft. Ministerpräsident Tsipras begeht einmal mehr den gewagten Spagat: Im Inland erklärt er seinen Bürgern, dass er die geforderten Reformen abmildern möchte. Den Geldgebern gegenüber zeigte er sich zunächst einmal kompromissbereit.

Wie sich das Dilemma für Griechenland auflösen lässt, ist aktuell noch nicht absehbar. Die aktuell anstehende Verschiebung der nächsten Tranche ist auf jeden Fall kein gutes Zeichen für Griechenland und für die gesamte Euro-Zone.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.