Neuer Test der 11.900?

Das riecht nach Bewegung! Auf was Sie jetzt achten müssen, das verrrät Ihnen Michael Sturm! (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

Die Sommerferien sind zwar noch nicht ganz vorbei, in Baden-Württemberg und Bayern haben sie sogar erst vor 2 Wochen begonnen, doch in die Börse kam zuletzt etwas Bewegung.

Grund ist die Türkei-Krise mit ihrem Lira-Absturz. Sie beschäftigte die Börsianer mehr, als ihnen lieb war. Denn zum Dauerthema Strafzölle und Handelskrieg gesellt sich nun das böse Wort Währungsturbulenz. Der Dollar und der Yen werden immer stärker, während die Währungen der Emerging Markets immer stärker unter Druck geraten.

Das könnte in einigen Ländern Wirtschaftskrisen auslösen und das wiederum könnte auf die Weltkonjunktur drücken. Eine negative Spirale, die aber übersieht, dass Trump selber behauptet, die US-Konjunktur liefe so gut wie noch nie!

Und auch in China sehen Experten die Konjunkturprognosen nicht so negativ, wie das zurzeit durch die Presse geht. Bleibt abzuwarten, wie sich die Verhandlungsparteien im Handelskrieg weiter verhalten werden.

Im Grunde genommen ist es schon paradox! Denn Donald Trump möchte und braucht eigentlich einen schwächeren US-Dollar, damit das US-Handelsbilanzdefizit abgebaut werden kann. Jetzt hat er mit seinen Strafzöllen genau das Gegenteil bewirkt, einen sehr festen Dollar!

Sprich: US-Produkte, bei denen er durch die verhängten Auslands-Strafzölle ein günstigeres Preisverhältnis schaffen wollte, werden nun durch den festen Dollar wieder teurer! Der US-Präsident hat sich sozusagen selber einen Käfig gebaut.

Der Markt reguliert sich halt selbst!

Betrachten wir zunächst den kurzfristigen 1-Monatschart vom DAX-Index:

DAX-Chart 1 Monat (Stundenbalken)

Ein wenig Dynamik nach unten

Der DAX-Index befindet sich nach dem Bruch des kleinen Dreiecks an der Unterseite (orangene Linie) auf einem Abwärtsweg innerhalb des Abwärtstrendkanals (blauer Trendkanal). Dabei hat er die Unterstützung bei 12.500 Punkten (grüne Linie) direkt mitkassiert. Sie bildet ab sofort einen horizontalen Widerstand!

12.200/250 als kurzfristige Sohle

Nach unten besteht zunächst noch Luft bis an die untere Begrenzung des Trendkanals (roter Pfeil). Sie liegt bei etwa 12.200/250 Punkten und sinkt durch ihren abwärts gerichteten Verlauf täglich um etwa -30 Punkte.

Fazit kurzfristig:

Die Türkeikrise hat den DAX-Index aus der Sommerlethargie gerissen. Rein charttechnisch besteht innerhalb des blauen Trendkanals die Tradingzone. An der Unterseite sind aktuell 12.200/250 als Ziel für einen Stabilisierungsversuch zu sehen. An der Oberseite muss erst die 12.500 wieder rausgenommen werden (grüne Linie).

Hier der 1-Jahreschart vom DAX-Index:

Dax30 - Potenzial nach oben bleibt begrenzt!

Dax30 - Potenzial nach oben bleibt begrenzt!Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe des Video-Newsletters „John Gossens Daily Dax.“ Täglich analysiere ich für Sie den Dax Index und einen Dax30 Einzeltitel. In meiner Ausgabe von Montag und… › mehr lesen

DAX-Chart 1 Jahr (8-Stunden-Balken)

Test des Dreiecks an der Unterkante!

Die eingezeichnete Dreiecksformation (blaue Linien) wird aktuell an der Unterseite getestet.

Sollte sie durchbrochen werden, dann wird die 11.900 ein weiteres Mal in den Fokus rücken! Sie ist Kernunterstützung (grüne Unterstützung) und sollte nicht so leicht unterboten werden. Allerdings ist es auch ungewöhnlich, dass sie bereits ein viertes Mal getestet werden würde. Das Abwärtspotenzial ist vorhanden, aber so ganz daran glauben möchte man noch nicht.

Sie sehen im folgenden 10-Jahreschart, dass es durchaus auch eine Bärenfalle sein kann:

DAX-Chart 10 Jahre (Wochenbalken)

2014 war es eine Bärenfalle, und 2018 ?

Vorab: Aus langfristiger Perspektive ist die charttechnische Situation vollkommen entspannt. Der langjährige übergeordnete Aufwärtstrendkanal (blauer Trendkanal) bleibt auf langfristige Sicht vollkommen intakt. Wir nähern uns der Mitte des Trendkanals.

Ich habe Ihnen im Chartbild die drei großen Konsolidierungsbewegungen der vergangenen 10 Jahre eingezeichnet (schwarze Hügel).

Wenn Sie genau hinsehen, erkennen Sie, dass die Lage in 2015 ähnlich prekär war, wie aktuell. Doch der DAX-Index tauchte damals nur kurz unter die Kernunterstützung ab (mittlere grüne Linie). Anschließend gab es eine riesige Rally, die den Index an die obere Begrenzung des übergeordneten Aufwärtstrendkanals führte.

2011 (roter Pfeil) gab es eine Abwärtsphase, die den Index an die untere Begrenzung des langjährigen Trendkanals führte.

Genau das ist die Schwierigkeit der Charttechniker in der aktuellen Phase. Niemand weiß, ob die Bewegung nach oben oder nach unten erfolgen wird. Aber jeder weiß auch, dass so eine größere Bewegung kommen wird. Zusätzlich schwierig ist die Beurteilung, wann den die Bewegung mitgefahren werden kann.

Denn in 2015 tapsten sehr viele Anleger in die große Bärenfalle!

Die Kernunterstützung war deutlich unterschritten, es gab einen regelrechten Ausverkauf. Doch dann drehte der Markt und nur 1 Jahr später lag der DAX-Index 4.000 Punkte höher!

Ich empfehle Aktienanlegern, sich zurzeit rauszuhalten, bis klar ist, wohin die Reise geht.

Aufgrund der immer noch sehr tiefen Zinsen und den weiterhin guten Unternehmensgewinnen würde mich eine positive Auflösung nicht überraschen. Zumal das Paradoxon mit Strafzöllen und starkem Dollar nicht als Dauerzustand denkbar ist.


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Von: Michael Sturm. Über den Autor

Tauchen Sie ein in die neue Dimension des Handelns an der Börse. Mit seinen Börsendiensten 30-Prozent-Trader und 5-Minuten-Trader arbeiten mehr als 2 Jahrzehnte Erfahrung und geballte Leidenschaft für die Finanzmärkte für Ihr Depot. Seine ebenso ungewöhnlichen wie erfolgreichen Trading-Strategien sind dabei stets geprägt von Michael Sturms Motto: Gewinnen mit Verstand und ruhiger Hand!