Neuer Volumen-Rekord: Übernahme-Boom im ersten Halbjahr 2018

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2,5 Bio. Dollar betrug das weltweite Übernahme-Volumen im ersten Halbjahr 2018. Und vieles spricht dafür, dass die Übernahme-Welle im weiteren Jahresverlauf nicht abebbt. (Foto: Hadrian / Shutterstock.com)

Es war ein schwieriges erstes Halbjahr am Aktienmarkt. Trotz vielfach starker Geschäftszahlen sind die Kurse diverser Unternehmen teils deutlich zurückgekommen. Der Deutsche Leitindex DAX notiert Anfang Juli mehr als 5% unter dem Jahresstart.

Dies liegt zum Großteil daran, dass in den vergangenen Wochen der schwelende Handelsstreit zwischen den USA auf der einen und China sowie Europa auf der anderen Seite, das Börsenklima belastet hat.

Unsicherheit ist Gift für die Börse und auch wenn sich in der Regel die Börsenweisheit „Politische Börsen haben kurze Beine“ durchsetzt, ist nicht jeder Investor bereit, in einer unsicheren Lage auf Aktien zu setzen.

Studien zeigen jedoch, dass eine ruhige Hand am Aktienmarkt oft belohnt wird. Vielfach führt reges handeln und der Versuch gute und schlechte Börsenphasen abzupassen zu keinem größeren Anlageerfolg.

Wer investiert blieb, hatte am Ende häufig einen größeren Gewinn als der Anleger, der versuchte, vor einer Börsenschwäche aus- und später wieder einzusteigen.

Mich wundert das Resultat der Studie nicht. Denn besonders der Wiedereinstiegszeitpunkt ist schwierig abzupassen. Oft steigen Privatanleger – leider -erst dann wieder ein, wenn die Kursrally bereits weit fortgeschritten ist.

Übernahme-Volumen übersteigt 2,5 Bio. Dollar – Starker Zuwachs bei Milliarden-Transaktionen

Während am Aktienmarkt das erste Halbjahr durchwachsen ausfiel, lief es am Übernahme-Markt rund. Mit 2,5 Bio. US-Dollar hat das Übernahme-Volumen ein noch nie dagewesenes Hoch markiert.

Dabei gab es besonders bei den Deals nördlich von 5 Mrd. Dollar ein sattes Plus. Schon jetzt wurden mehr Deals im Volumen von 5 Mrd. Dollar angekündigt (oder abgeschlossen) als im gesamten Vorjahr.

Auch bei den noch größeren Deals purzeln die Rekorde: 35 Deals waren größer als 10 Mrd. Dollar, die Anzahl von Deals über 30 Mrd. Dollar liegt jetzt schon über 2017.

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Politische Unsicherheiten hinterlassen keine Spuren – Fortsetzung des Übernahme-Booms wahrscheinlich

Handelsstreit, US-Steuerreform und Wettbewerbsbedenken haben der Übernahme-Lust keinen Abbruch getan. Und es wird erwartet, dass trotz der Hemmnisse die Taktung hoch bleibt.

Das robuste Wirtschaftswachstum in den USA und starke Daten in anderen Marktregionen sollten für eine Vielzahl weiterer Milliarden-Deals sorgen. Bei Umfragen unter Managern standen Zukäufe weit oben auf der Agenda – noch vor Aktienrückkäufe.

Verändertes Kundenverhalten und der Einsatz neuer Technologien zwingt Konzerne zu mehr Deals

Im Zentrum steht dabei die Eroberung neuer Geschäftsfelder. Am Freitag hatte ich Ihnen von den Veränderungen in der Nahrungsmittel-Industrie geschrieben. Kunden lassen sich mehr und mehr ihre Einkäufe liefern. Das ist eine Entwicklung und kein Trend – daher reagieren die Supermarktketten.

Nehmen Sie die Medienbranche: Früher wurde das Fernsehprogramm geschaut, heute Netflix oder Amazon Prime. Im Rennen um die Zuschauer verschwinden Filmemacher und Serienproduzenten im Rekordtempo für Höchstpreise.

Aber nicht nur verändertes Kundenverhalten führt zu einer Neu-Ausrichtung der Unternehmen und mehr Übernahmen. Auch andere Bereiche stehen vor gravierenden Veränderungen.

Besonders der zunehmende Einsatz neuer Technologien stützt das Übernahme-Geschäft. Unternehmen, die jetzt nicht mit der Zeit gehen, werden es später schwer haben. Denken Sie nur an Nokia, dem einstiegen Handybranchen-Primus.

Oft ist es einfacher, sich neue Technologien zu erkaufen als sie selbst zu entwickeln. Deswegen ist die Anzahl an Technologie-Deals eigentlich branchenfremder Unternehmen aktuell so hoch wie nie zuvor.

Selbstverständlich ist auch die „Technologie-Unternehmen kauft Technologie-Unternehmen“-Schlagzahl enorm. Autonomes Fahren, Internetsicherheit, Internet der Dinge, Digitalisierung, Big Data und andere Wachstumsmärkte sind natürlich begehrte Bereiche, in denen sich die Konzerne frühzeitig positionieren wollen.

Daher ist auch im weiteren Jahresverlauf mit einem starken Übernahme-Geschäft zu rechnen. Mit Blick auf die großen Gewinnchancen von Übernahme-Kandidaten, lohnt es sich für Privatanleger, gute Übernahme-Kandidaten ins Depot zu legen.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.