Neues Futter für die Gold-Bullen

Eins ist so sicher wie mildes Wetter an Weihnachten: Notenbanker hassen Gold. Denn je teurere das gelbe Metall wird, desto mehr wird klar, dass die Menschen dem Papiergeld nicht vertrauen. Nun haben alle, die glauben, es gehe bei Gold nicht mit rechten Dingen zu, weitere Gründe erhalten, misstrauisch zu sein.

Gute Gründe sprechen für Gold

Die Bullen haben eigentlich einige Argumente auf ihrer Seite: Irgendwann könnte sich die Geldflut der Notenbanken in den Markt ergießen – noch ist das ganze von der Federal Reserve und anderen Zentralbanken aus dem Nichts geschaffene Geld auf Festgeldkonten festgefroren.

Zudem ist die Nachfrage nach dem Metall ungebrochen – vor allem in Ländern wie Russland, China oder Indien, wo die Währungshüter traditionell mit frisch gedrucktem Geld die Staatsschulden bezahlen und die Inflation ankurbeln. Und nähert sich der Goldpreis nicht allmählich der Marke, bei der eine Förderung unrentabel wird? Je nach Mine und Energiepreis liegt diese Schwell bei 1000 bis 1100 US-Dollar.

Dennoch hat sich der Goldpreis in diesem Jahr enttäuschend entwickelt.

Gold-Chart-13-12-2013

Einwürfe der Gold-Bären, das liege an den sinkenden Inflationserwartungen und der reduzierten Krisen-Wahrscheinlichkeit, wischen die Bullen stets zur Seite. Und sie verweisen auf eine mögliche Marktmanipulation.

Seltsame Preisbewegungen bei Gold

So hat sich gerade die „Welt“ – immerhin ein ernstzunehmendes Blatt – eingehender mit dem Buch „Geheime Goldpolitik“ von Dimitri Speck befasst. Der behauptet, der Goldpreis, der zwei Mal täglich in einem Fixing festgestellt wird, zu dem sich fünf Banken zusammentelefonieren, werde manipuliert. Ähnlich wie beim Referenzzins Libor – und hier ist tatsächlich eine Beeinflussung nachgewiesen worden.

Speck will eine interessante Entdeckung gemacht haben: Bei der Analyse von Kursdaten fiel ihm auf, dass der Goldpreis regelmäßig zu bestimmten Uhrzeiten einen kräftigen Dämpfer bekommt. So markiert das Nachmittagsfixing im langjährigen Mittel von 1993 bis 2012 den Tagestiefstkurs.

Dies decke sich mit dem Beginn der Bankenarbeitszeit an der Ostküste der USA, also etwa in New York, schreibt die „Welt“. Speck vermutet, dass diese „schlagartigen Rückgänge“ Goldanleger verunsichern sollen. Gold solle als alternative Währung diskreditiert werden und der Dollar-Standard erhalten bleiben. Die Anleger sollten das Gefühl bekommen, dass Gold kein „sicherer Hafen“ sei.

Verteidigen Notenbanken das Papiergeld?

Teilweise Unterstützung erhielt der Autor von Degussa-Chefvolkswirt Thorsten Polleit: Niemand könne zwar auf Dauer den Preis manipulieren. Notenbanken hätten aber ein Interesse daran, den Goldpreis nicht zu stark steigen zu lassen, denn das signalisiere einen Wertverfall beim Papiergeld. Die US-Regierung dürfe sogar laut Gesetz den Goldpreis mithilfe eines Fonds manipulieren. Das besage der Gold Reserve Act von 1934.

Damals war der Privatbesitz von Gold in den USA verboten – das Edelmetall musste an den Staat verkauft werden. Gleichzeitig wurde der Exchange Stabilization Fund (ESF) gegründet, der es der US-Regierung ermöglicht, unter anderem auf den Goldpreis, aber auch auf andere Wechselkurse Einfluss zu nehmen.

Der ESF behauptet, er sei nicht in Gold investiert, sondern halte neben Sonderziehungsrechten (einer künstlichen Reservewährung des IWF) und US-Staatsanleihen auch einige Milliarden Euro und Yen. Insgesamt ist der Fonds damit 101,5 Milliarden US-Dollar schwer, wobei rund die Hälfte auf die Sonderziehungsrechte entfällt.

Warten wir also ab, wie sich die Angelegenheit weiterentwickelt. Verfolgen Sie die Entwicklung in unseren Börsenbriefen – wir halten Sie auf dem Laufenden.

17. Dezember 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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