Neuromama: Kein Umsatz, aber mehr wert als DAX-Konzern Linde

Kennen Sie das Unternehmen Neuromama? – Nicht? Nun, auf den 1. Blick sollte dies verwunderlich sein.

Schließlich ist das Unternehmen mit einem Börsenwert von 35 Mrd. US-Dollar mehr wert als der DAX-Konzern Linde und hat den eigenen Aktienkurs innerhalb kürzester Zeit vervierfacht.

Auf den 2. Blick ist es jedoch weniger verwunderlich, wenn Sie die Firma nicht kennen. Denn Neuromama erzielt keinen Umsatz, verfügt nicht über bekannte Marken und besitzt lediglich Barmittel in Höhe von 1.000 US-Dollar.

Warum ist dieses Unternehmen dennoch mehr wert als Tesla und was steckt hinter dieser äußerst kurios anmutenden Geschichte? Dieser Frage gehe ich jetzt für Sie auf den Grund.

Neuromama mit großen Plänen

Neuromama vertreibt nach eigenen Angaben u. a. aufblasbare Spielgeräte und Rutschen. Außerdem stellt das Unternehmen in Aussicht, Patente anzumelden, die mit der Kernfusion zu tun haben.

Laut Medien-Berichten sieht der Finanzplan von Neuromama bis 2018 Umsätze in Höhe von 1,18 Bio. US-Dollar vor. Der Konzern will gleich mehrere Geschäftsfelder bearbeiten, um dieses Ziel zu erreichen:

Neben dem Bereich Kernfusion will Neuromama zukünftig Kopien von Amazon und eBay hochziehen und Smartphones bauen. Diese sollen laut „Business Insider“ stark an ältere Modelle von Apple und Samsung erinnern.

Auch eine Suchmaschine hat Neuromama im Angebot. Diese ist laut Neuromama-Marketingchef „die weltbeste, mit neuronaler Technologie; wenn Sie die einmal benutzen, brauchen Sie keine andere Seite mehr.“

À propos Marketingchef:

Der ist ein gewisser Steven Schwartzbard, der bürgerlich Vladislav Zubkis heißt und mit einer Verurteilung zu 5 Jahren Haft im Jahr 2007 sowie einem langjährigen Streit mit der US-Börsenaufsicht SEC verbunden ist.

US-Börsen-Aufsicht setzt Aktien vom Handel aus

Schwer vorstellbar, dass Anleger in dieses Unternehmen investieren bzw. investiert haben. Aber irgendwoher muss die 35-Mrd.-US-Dollar-Bewertung ja stammen.

Die US-Börsen-Aufsicht SEC jedenfalls ist nicht überzeugt von der Story und setzte die Neuromama-Aktie vor wenigen Tagen schließlich für 2 Wochen vom Handel aus.

Der Grund: Verdacht auf „manipulative Transaktionen“.

Das „Manager-Magazin“ zitiert den Neuromama-Marketingchef wie folgt:

„Wir sind überzeugt, dass alle unsere Ideen großartig sind. Aber wenn wir Fehler machen, schwenkt das Management eben auf eine andere Idee um, und die Partner werden so oder so Geld verdienen.“

Aus meiner Sicht ist es fraglich, ob irgendwer sonst als die Verantwortlichen von Neuromama an diesem Unternehmen Geld verdienen werden.

Daher mein Rat an Sie:

Seien Sie bei derartigen Unternehmen (keine Umsätze und Gewinne, dafür aber phantastische Visionen) stets skeptisch und lassen Sie im Zweifel lieber eine „gute“ Gelegenheit liegen als viel Geld zu verlieren.

Ohnehin sollten Sie – statt in vage Zukunftsvisionen zu investieren – auf die Stärken und Tugenden des deutschen Mittelstands setzen und sich mit Aktien solider Mittelständler langfristig ein (kleines)Vermögen aufbauen.

22. August 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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